Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 48 (22.11.1842)
- Date
- 1842-11-22
- Page
- Seite 381 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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381 an dem jede Bekehrung und Belehrung unnütz verschwendet sein dürfte, also auch die Lektion, die ihm Hr. A. Achs, Vorsteher des Handlungsinstiruts in Köln, in einer jüngst erschienenen Bcochüre (Dr. Hermes und die neueste Zeit oder die Judenfrage. Köln 2£ Sgr.) ertheilt. -- Auch d i e Mühe scheint mir verloren, die Idee vom „christlichen" Gemeinwesen, die sich von Preußen nach Hamburg über die preußische Zollvereinsgrenze hinweg, vielleicht als Contrebande, durchgeschlichen hat, wieder aus dem Stadtgebiete zu entfernen. Es will sich nämlich in Hamburg ein Frauenverein zur Verbesserung des Dienstbotenwesens konstituiren, aber, meinte die Proponentin, es muß dabei fein „christlich" zugehen. Darauf erfolgte in unfern Wöchentl. gemeinn. Nachrichten, dem großen Emporium aller möglichen Geistesnahrungsmittel, eine öffentliche Rüge 2), die man durchaus einem Manne zuschreiben wollte, wahrend jetzt allgemein versichert wird, sie rühre von einer jüdischen Hausfrau her. Seitdem wird die Sache fast täglich in jenem Blatte diskutirt und ist, wenn ich nicht irre, schon bis zur Triplik gediehen. — In die dunklen Berliner Rabbinatswirren scheint dagegen, spat genug, aber noch immer unerwartet früh, endlich ein Lichtstrahl zu fallen. Die L. A. I. vom 31. Ott. berichtet nämlich aus Berlin (* 28. Ott.), Dr. Frankel habe die Stelle definitiv angenommen. Auch die A. A. Zeit, vom 31. Oct. (A aus Berlin) bringt dieselbe Nachricht, weist aber ausdrücklich darauf hin, der Gewählte werde nicht Oberlandesrabbiner, sondern Oberrabbiner werden und heißen. — Der traurige Streit zwischen dem Missionär Hartmann und dem Lehrer Wertheim in Fraustadt wegen der versuchten Bekehrung eines jungen Mädchens zum Christenthume füllt noch immer die Spalten der Beilagen zur L. A. Zeit. (30. Oct.). — Während ein Gerücht meldet, in Baden werde nächstens eine zweite jüdische Familie, die eines Banquiers, in den Adelstand erhoben werden (eine Auszeichnung, die dem Juden weder beim Adel noch beim Volke Glück bringt) bat ein längst geadelter, ja sogar freiherrlicher jüd. Banquier, der Pariser Rothschild, mit mehreren der angesehensten seiner Glaubensgenossen dem österr. Consul in Damaskus (Herrn Meclato) für seine Verwendung zu Gunsten der unschuldigen Juden zugleich mit einem Dankschreiben eine goldne mit Diamanten verzierte Dose zum Geschenk übersendet. — BeL Gelegenheit des Erscheinens des zweiten Bandes von Hitzigs nnd Härings neuem Pitaval (ich habe bereits der schätzbaren Zeugnisse der Herren Mol ito r und von Meyer in der Angelegenheit des Blutvecbotes für die Juden gedacht) wendet sich die Aufmerksamkeit des Publikums ebenfalls wieder auf jene Begebenheit zurück. Die Rhein. Zeitung (vom 2. Nov. — Inserat) weist auf Herrn 2) Der „Freischütz" vom 5. Nov. spricht sich gegen die „christliche" Parteisucht aus. (A. d. E.) Löwensteins Bemühungen m dieser Sache anerkennend hin. — Auch von Hamburgs Juden und ihrem rechtlosen Zustande ist jetzt viel die Rede. So enthielt die Vosstsche Zeitung vom 1. Novbr. von ihrem gewöhnlichen Correspondenten, der mit einem der Berichterstatter A. A. Zeit, eine und dieselbe Person und ein Christ ist, eine Privatmittheilung aus Hamburg, die mit sichtbarem Interesse für die Juden geschrieben war. Von der franz. Zeit ausgehend, zeigt er, wie den Juden die politischen und die bürgerlichen Rechte zugleich wieder geraubt worden seien, wie man ihnen weder den Besitz von Grundeigenthum (unter eigenem Namen, und besonders in der Altstadt und den Vorstädten) noch den Zutritt zu Handwerken gestattet habe. Vergeblich habe der Bürgermeister Bartels in seiner Schrift über die Verfassung ihre Ansprüche vertheidigt; man habe sich zwar jüdischer Aerzce und Lehrer bedient^), aber das Handwerk sei ihnen unerreichbar geblieben, zu Commerzdeputirten und Handelsrichtern sei kein Jude gewählt worden, tüchtiger Kräfte, wie eines Riesser und Anderer habe sich der Staat aus freien Stücken beraubt und man habe, was bei Hamburg fast unglaublich erscheinen müßte, wenn es nickt leider wahr wäre, die Rhederei verkümmern lassen und den verhaßten Stader Zoll nach wie vor bezahlt, statt die Juden zu emancipiren und mit ihrer Hilfe eine großartige Verbindung mit Hüll auf eigene Hand zu begründen. Zuletzt meldet der Berichterstatter, was in Hamburg schon seit einigen Wochen bekannt ist, daß der Senat beim nächsten Bürgerkonvente den Vorschlag machen werde, daß die Juden unter ihrem eigenen Namen fortan Häuser zu kaufen berechtigt sein sollten 3 4). — Uebrigens ist am Schlüsse des Octobers diese Angelegenheit unter den Hamburgischen Juden selbst ernstlich zur Sprache gekommen. Man sott anfangs über. die unverzügliche Absendung einer Petition an dm Senat einig geworden sein r ja einige der anwesenden reichen Kaufleute sotten geäußert haben, sie würden im Falle einer abschlägigen (oder sich verzögernden oder gar keiner) Antwort sich nach Altona übersiedeln. — Man hört indeß, einer der Vorsteher, der bochdeutsch-isr. Gemeinde habe auf den nächsten Bürgerkonvent in Betreff, der Acquirirung von Grundeigenthum und auf den Februar 1843, zu welcher Zeit die Gesetzgebung über das Heimathsrecht abgelaufen sei, in Betreff anderweitiger Zugeständnisse vertröstet. — Inzwischen werden die heimlich arbeitenden jüd. Handwerker von der christlichen Zunft unablässig verfolgt. — Der interimistische Oberwundarzt am allg. 3) Allerdings; aber meist nur der Schreib-, Rechnen- und Sprachlehrer, weil — die Christen gerade keine gleich tüchtigen in ihrer Mitte haben. Anm. d. E. 4) Auch dies ist nur eine scheinbare Concession. Man hofft dadurch den sehr gesunkenen Preis und Werth der Grundstücke zu steigern. Das alte Lied von den Kastanien, die aus dem Feuer geholt werden sollen. A. d. E.