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Der Orient · 1842-11-22 · Heft 48 (22.11.1842) · p. Seite 379

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Journal
Der Orient
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 48 (22.11.1842)
Date
1842-11-22
Page
Seite 379 (sequence 5)
Language
German
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379 Männer, die durch eine kühne Diversion den Feind nicht bloß abzuwehren, sondern das Wort der vollen Emancipation wieder aus die Tagesordnung zu bringen unternahmen. Und so nenne ich denn mit Freude und dankbarer Anerkennung vor Allen außer den bereits gelegentlich erwähnten die christlichen Schriftsteller Dr. Meyer, Dr. Karl Nauwerck und L. Buht in Berlin und den Osteroder Advokaten Dr. G. König, und unter den Juden vorzugsweise die Doktoren Jost, Veit und Geiger, daneben die Schriften von Waller und Sachs, so wie den ungenannten Autor des Entwurfes zu einer zeitgemäßen Verfassung der Juden im preußischen Staate, ich nenne auch den Dr. Frankel in Berlin, nenne Lowositz in Königsberg und Dr. H. B. Oppenheim in Heidelberg, in sofern ihre Brochüren und gelegentlichen Erörterungen auch auf die allgemeine Frage Bezug haben, vor Allem aber gedenke ich der unermüdeten Anstrengungen, welche die rheinische Zeitung in Köln, die Königsberger, die Aachener, die Düsseldorfer, die Trierer, die Hamb. Neue Zeitung und hin und wieder auch die Lechz. Mg. Zeitung, letztere nicht selten mit einem herben, nicht vorurteilsfreien Beischmack, unserer heiligen und gerechten Sache gewidmet haben. Ist es auch freilich trotz der Presse noch immer möglich, daß das Gesetz, wenn auch etwas modisizirt, zu Stande komme, so darf doch dreist behauptet werden, daß es ohne die Presse und ihre freisinnige Haltung bereits ein kalt accompli gewesen wäre.— Darum müssen die preußischen Juden, aber auch alle andern deutschen Juden, insofern ihr Wohl und Wehe mit dem jener auf's Engste verknüpft ist, demjenigen Theile der Presse, der uns in diesem Kampfe redlich beisteht, ihren materiellen und moralischen Beistand leisten. (Fortsetzung folgt.) Afrika. Berberei. Es gelangen zu uns so selten direkte Berichte aus jenen Gegenden, daß man sich schon dadurch die Leser verpflichtet, wenn man Auszüge von Touristen mittheilt. Der Constitutionell vom Sptbr. u. Oct. bietet in einer Relseskizze von F. F. einige statistische Angaben über die jüdische Bevölkerung der Barbareskenstaaten. Oben sprach sich schon ein Eorr. darüber aus, wie notwendig es sei, daß im „Orient" von'Zeit zu Zeit auf die wissenschaftlichen Resultate, welche sich in Bezug auf jüdische Geschichte, Literatur rc. in neueren Reisebeschreibungen fänden, Rücksicht genommen werde. Oer Inhalt des Feuiletons zum Constitutionel vom 12. Oct. macht es mir möglich, einiges Material zu einem solchen Baue zu liefern. Jenes Blatt bringt nämlich in der angegebenen Nummer eine Fortsetzung der Beobachtungen und Bemerkungen des Herrn F. F. über die Juden in den Bacbareskenstaaten. Vorauszuschicken Ware nur, daß im Folgenden blos ein flüchtiges Excerpt wiedergegeben, rncht der ganze Inhalt wörtlich mitgetbeilt ist. Der Vers, jener Reiseerlebnisse scheint übrigens ziemlich genau von den Verhältnissen der nordafrikanischen Völkerschaften unterrichtet zu sein und giebt sich als einen wohlwollenden und toleranten Mann kund. Die Capitel, die wir diesmal behandelt sehen, sind der Cultus, die bürgerliche Organisation und die religiösen Gebrauche der algerischen, tunesischen und rcipolitanischen Juden. — Bei allen diesen Juden zeigt sich zuvörderst ein strenges, mit Entbehrungen aller Art verknüpftes Festhalten am Gesetze und dessen hundertfältigen Vorschriften. Der Verfasser gedenkt des Unterschiedes, der sich zwischen den Sekten der Karaiten und der Rabbiniten (Talmudisten) offenbart; außerdem führt er noch Chasidim („springende Juden"), Rechabiten (in der Umgegend von Mekka), Samaritaner (m Asien; etwa 200) und. malabarische Juden als besondere Sekten an, reiht aber die Ehasrdim unter die Talmudisten ein, von denen er allein sprechen will. Die Inden in Algier haben etwa 20 Synagogen von schlechter Bauart, dunkel und unreinlich. Es scheint ihnen der Sinn für höhere Andacht ganz abzugehen. Sie schreien und plaudern durcheinander. — Besser steht es mit den Juden in Tunis, wo man zuvörderst (eingeborne) tunesische und Livorneser Juden unterscheidet. Jede dieser beiden Abtheilungen har ihre eigenen Synagogen, die im Allgemeinen denen in Algier weit vorzuziehen sind. Man kann in Tunis gegen 150 Syn* agogen rechnen, unter denen jedoch nur 6—7 in einem guten Zustande sind. Besonders zeichnet sich die große Livorneser Schule (1a scuoia grande dei Liyornesi) aus, sie ist von außen und im Innern geschmackvoll zu nennen; ihr reiht sich die scuoia grande dei Tunesini an. Beide halten übrigens mit europäischen Synagogen keinen Vergleich aus. Dagegen, ist dies mit der rieuerbautm Synagoge in der Stadt Tripoli, welche unter 12,000 (früher 30—40,000) Seelen 1000—1200 Juden mit 8—8 Synagogen zählt, der Fall. In dieser Synagoge befinden sich Wandgemälde' mit Darstellung ausgezeichneter Scenen aus der Bibel; hinter dem Gotteshause ist ein Garten angelegt; auch sind Rabbinerwohnungen damit verbunden. Als der Dey von Algier noch regierte, mußten die Juden eine Ladensteuer, wöchentlich zusammen im Betrage von etwa 525 Fr. bezahlen; dies scheint eine Art Eommunalcibgabe gewesen zu sein, die nicht in den Schatz des Dey's floß. Marschall Clauzel verordnte zuerst die Aushebung dieser Steuer und verbot, ohne seine Einwilligung ihnen eine Abgabe aufzuerlegen. Seit dem 22. Oct. 1830, wenige Monate nach der Okkupation Algiers durch die Franzosen, ist das Gerichtsverfahren in Algier folgendermaßen festgestellt'. In weltlichen und geistlichen Angelegenheiten der Juden im. Eonflikte mit ihren Glaubensgenossen entscheiden drei Rabbiner, ohne Appellation, nach jüdischem Gesetze; in Pro- 48 *

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