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Der Orient · 1842-11-22 · Heft 48 (22.11.1842) · p. Seite 378

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Journal
Der Orient
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 48 (22.11.1842)
Date
1842-11-22
Page
Seite 378 (sequence 3)
Language
German
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378 Augsburger Mgem. Zeitung seit längerer Zeit mehr das österreichische als das preußische Interesse und oft sogar jenes im strengen Gegensätze zu diesem vertritt und als cs unsinniger erscheinen mußte, hierbei an die Wahrheit als an eine Lüge zu glauben — sei es also die geringe Glaubwürdigkeit, welche das Faktum für sich hatte oder auch das eine Zeitlang dauernde Ausbleiben jeder Bestätigung, was die Gemüther in stolzer Sicherheit verharren ließ, — genug, man schien auf jenen ersten Artikel durchaus keinen Werth zu legem Erst als in einem Frankfurter Blatte, im Hamburger Correspondenten und in der Stadt-Aachener Zeitung die Discuffion dieses Lhema's von verschiedenen Correspondenten und in verschiedenem (in der Aachener Zeitung in einem für die Juden gleich anfangs günstigen) Sinne ausgenommen wurde, begannen dem Publikum die Augen aufzugehen. — Die Hamb. Neue Zeitnng oder vielmehr einer ihrer damaligen Mitarbeiter, Wilhelm Luders aus der Mark Brandenburg, seit einem Jahre wieder in Hamburg lebend, faßte di eSache zuerst am rechten Ende an und hob schlagend ihre Bedeutung hervor. Lüders war der Erste, der Juden und Christen mit lauter Stimme zurief: Haltet Euch gerüstet zum Kampfe gegen den Feind, der Euch Beiden Eure Selbstständigkeit, Eure Freiheit und Euer Recht rauben will. Seid wach und protestirt aus vollen Leibes- und Seelenkvästen gegen jedes Privilegium, jede Exemtion. Die Pille, die man Euch geben will, ist, wenn auch überzuckert, doch innen durch und durch giftig: duldet keine Sonderung, keine Trennung, haltet Alle zusammen, lasset Euch selbst durch scheinbare Vergünstigungen nicht ködern. — Dies war der Sinn der beiden Schreiben von der Mittelelbe, die Lüders damals in der Hamb. N. Zeitung abdrucken ließ. —- Lüders genießt als Publicist eine allgemeine Achtung, die er sich durch seine Arbeiten in den Lit. m Krit. Blättern der Börsenhalle, als sie noch von Fr. von Flormcourt redigirt wurden, in der Hamb. N. Z., in 'Wille's „Zeit", in Notteck's und Welcker's Staatslexikon (Artikel: Preußen), in Budeus Staatsarchiv, in der Zeit. f. d. eleg. Welt und in der Rhein. Zeitung, namentlich aber durch seine Schriften über den Kampf zwischen den bürgerlichen und adeligen Rittergutsbesitzern auf den letzten meklcnburgischen Landtagen und über den Anschluß Meklenburgs an den preußischen Zollverband erworben hat. — Seine beiden „Briefe von der Mittelelbe" fanden weniger eine Beantwortung, als ein Echo in zwei „Schreiben von der Niederelbe", welche aus der Feder des, dem Autor jener ersten Briefe durch politische Ansicht Und langjährige Bekanntschaft befreundeten Verfassers des gegenwärtigen Berichles herrührten, und in denen -hauptsächlich des schlimmen Eindruckes gedacht wurde,. . welche die beabsichtigten Maßregeln auch bei den scheinbar dadurch begünstigten Juden hervorgeruftn hätten und der sich bereits durch zahlreiche Protestationen offenbare. Außerdem wurden die sogenannten Berichtiger, welche die preuß. Regierung drmals zur Widerlegung falscher, über ihre Ansichten ausgesprengter Gerüchte hieltdringend und direkt aufgefordert, sich auch über den in Rede stehenden Fall zu erklären, und, wenn diese Erklärung ausbliebe, zu gewärtigen, daß man die bis jetzt mitgetheilten Berichte nicht für „Erfindungen müssiger Köpfe u. s. w." sondern für baare Wahrheit zu halten sich gezwungen sehen würde. Statt aller Antwort auf diese Herausforderung folgten in verschiedenen Zeitungen (Hamb. Corresp.,. Köln. Zeitung u. s. w.) einander widersprechende Artikel, denen zufolge das beabsichtigte „Iudengesetz" bald gar noch nicht zur Berathung gekommen, bald vertagt, bald, wie der Hamb. Corresp. sich ausdrückte, wegen des voreiligen Geschreies, das die Juden darüber erhoben hätten, wieder zurückgenommen sein sollte! — Aber die einmal bis in ihre innersten Liesen aufgeregte öffentliche Meinung licß sich nicht mehr beschwichtigen. Den ersten größern Angriff gegen die einem solchen Gesetze zu Grunde liegende Idee und die aus demselben fließenden Inkonvenienzen machte Dr. Jacob Weil tu Frankfurt a. M. in einer Beilage zu einem Franks. Blatte. Bald darauf folgte eine kleine anonym erschienene Schrift (Breslau, bei Aderholz, von Dr. Wilh. Freund) zu Gunsten der Juden, und nun bildeten sich zwei feindliche Heerlager. Auf der einen Seite die Regierung, die Kriecher, die Schmeichler, die Frommen (Frömmler), die Lauen (insbesondere die Berl. Zeitungen), die versteckten Gegner der Inders (der Hamb. Corresp.) und die offenen Widersacher, so wie die enragirtrn Judenfeinde (Theodor Brand in Breslau, Or. Hermes in Köln, der Proselyt Dr. Frankel, zum Theil auch Gr. Schirnding in Oesterreich, außerdem die Elberfelder und später auch die Köln. Zeitung). Ihnen gegenüber trat. Alles, was Kopf und Herz auf dem rechten Flecke hatte,Juden und Christen, Orthodoxe und sogenannte Neologen, Philosophen, und -Publicisten, deutsche und französische Blätter, Brochüren, Predigten und Reden in bunter Menge, unterstützt von der öffentlichen Meinung und von der seit der Preußischen Circularverfügung vom 24. Decbr. 1844, 'trotz öfterer Censurhemmnisse wieder zu einer sittlichen Macht heranreisende Presse. Eine Zeitlang schien sich ein Iustemilieu bilden zu wollen, welches theils an die Möglichkeit der beabsichtigten Umgestaltung der jüdischen Verhältnisse in dieser Richtung nicht glaubte, (Dr. Hitzig in der Spenerschen Zeitung), theils nicht zu glauben sich die Miene gab (die Kömgsb. Zeitung in einem Artikel). Bald aber, besonders nachdem Alex. v. Humboldt das große Wort „Vor allem muß man den Much einer Meinung haben u. s. w." gesprochen hatte, ertönten Stimmen für die Juden immer lauter, immer kräftiger, immer reiner und kaum mehr von irgend einer Dissonanz unterbrochen. Das Verdienst der jüd. Zeitschriften soll dabei nicht in Anschlag gebracht werden — denn wer sollte wohl in eigener Sache und wo Alles auf dem Spiele steht, nicht beredt werden und mit feurigen Zungen sprechen? — aber was von anderer Seite her geschehen, darf nie wieder der Vergessenheit zum Raube werden. —Keinem zu Liebe und keinem zu Leide, ohne Gunst und Mißgunst, reihe ich sie hier zusammen, die Namen jener

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