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Der Orient · 1842-11-15 · 47 (15.11.1842) · p. Spalte 749-750

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Journal
Der Orient
Volume
1842
Issue
47 (15.11.1842)
Date
1842-11-15
Page
Spalte 749-750 (sequence 7)
Language
German
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749 Jüd. Alterthumskunde. Die Beschneidung bei den Israeliten. Von Dr. Bergson. 759 den engen Kreis einzelner Völker und ließen sich leicht widerlegen. Denn weder der diätetische Grund der Reinlichkeit, noch der medicinische der Verhütung von localen Krankheiten im Oriente, waren, wegen ihrer speciellen Beziehung auf einzelne klimatische Verhältnisse, hier bei der so großen Verbreitung dieses Gebrauchs über einen bedeutenden Theil unsrer Erde ausreichend. Man muß gestehen, daß diese Meiners'sche Ansicht, unterstützt von so vielen bei den mannigfaltigsten Reisebeschreibern vorkommenden Beispielen durch den weiten Standpunkt, den sie einnimmt, sich auf dem ersten Anschein als annehmbar empfiehlt. Indessen sprechen nicht alle oben angeführten Beispiele von wilden Völkern als Analogieen für die expiatorisch-damonologische Absicht, indem z. B. bei den Hindus, wie Rogers ausdrücklich bemerkt, die Ohren verwundet werden, um sie dem Gott Wischnu oder dem Eswara zu übergeben, so daß hier vielmehr eine Art von Weihe, durch welche man die Neugebornen dem Schutze jener Götter anvertraute, stattfand, welche mehr auf das biblische Verhaltniß eines Bündnisses zwischen Gott und den Abrahamjden hinzuweisen scheint. Die Sitte der Capulbewohner erkennt vielleicht statt des ihr von Meiners vindicirten damonologischen Grundes einen rein medicinischen, indem bekanntlich in der neuern Zeit Campe ein ähnliches Verfahren bei neugebornen Knaben anrieth, um sie dadurch vor dem Laster der Selbstbefleckung zu schützend). An voranstehende Ansicht reiht sich ein ähnlicher Versuch, der früher gemacht wurde, die Beschneidung mit einer befondern Art des Fetischismus, mit dem Phallusdienst der alten Völker und dem Lingamdienst der Indier in Verbindung zu setzen. Bekanntlich verstand man unter Phallus im Alterthum, so wie noch heute die Hindus unter Lingam, die bildliche Darstellung der menschlichen äußern Geschlechtsorgane. Unter diesen Symbolen verehrte man die schaffende Kraft der Natur. Da nämlich die orientalischen Völker von jeher eine zahlreiche Nachkommenschaft für das größte Glück hienieden hielten, dagegen in der Unfruchtbarkeit einen göttlichen Fluch erblickten, so mußte bei ihnen der Phallusdienst in hohem Ansehen stehen; daher wir denselben bei den meisten orientalischen Völkern des Alterthums als besonder» Cultus vorsinden. Bei den Egyptern wurde er unter dem Bilde des Osiris, bei den Phöniziern unter dem des Adonis, bei den Babyloniern unter dem der Mylitra (ttM^O), bei den Assyriern unter dem Namen Phegor oder Peor, bei den Griechen unter dem des Phallus, bei den Römern unter dem des Priapus in verschiedenartigsten Festen, Umzügen und Gebräuchen 21) Vgl. Rogers, Neu .eröffnetes Indisches Heidenthum. 1663. Lab. 1. eap. 7. J. Guniilla, Histoire de I’Oronoque. I70S. I, D3. Levaillant, second Voyage eil Afrique 11. p. 290. gefeiert. Bei den Indus gab die Sage von der Verheiraihung des Eswara mit der schönen Parvati zur Entstehung des Lingamdienstes die Veranlassung. In. Bezug auf dem Baal Peor, dessen Dienst mit dem des Phallus ziemlich ähnlich gewesen zu sein scheint, und dem sich die Israeliten mehremal, sowohl^) zu Mofis Zeiten, als später'^) zur Zeit Josia's ergeben hatten, ist es bekannt, daß er den Israeliten streng untersagt war. Auf diese Antecedentien gestützt versucht nun der heilige Thomas'^) als Grund, warum die Beschneidung der Vorhaut vorgenommen ward, die Absicht anzugeben, hierdurch den Phallusdienst, so wie die Verehrung der Mysterien der Venus und des Priapus zu verspotten und in Mißcredit zu bringen, da durch die Beschneidung eben der Theil verändert und gleichsam verunstaltet würde, dem man eine so hohe Verehrung bei den andern Völkern zu Theil werden ließ. Es diente also die Beschneidung als Vocbauungsmittel gegen, den Phallusdienst. Die gegen diese Ansicht des heiligen Thomas erhobenen Einwürfe des R. Montacutius '#), die Spencer zu billigen scheint, sind ganz unhaltbar. Denn er sagt (0. c.): Nequaquam vel apitd Judaeos Tel alios, qui circumcidebanUir, piulori Iiabebatur aut dedecori, sed lionori polius etdignitali: parum itaque probabile esl, dcum in cultus Isiaci (Göttin Isis) odium et conlemptum, membruin virile sanxisse mutilandum. Secundo, si circiitncisisin.detestationem pliallagogiorum apud Aegyptios instituta fuisset, Aegyplii ipsi lanto honorc circmncisionein non fuissent prosecnti, ut neminem admilterent ad mysleria, nisi circmncisum. Terlio, institiitio illa aegyptiaca in honorem Osiridis ab Iside iuducla, posterior Mose erat, nedum Abraliamo; ut nullo modo verum esse queat, introductam ob detestalionem impiae illius iinpuritalis Aegyptiorum. Der erste Grund, daß die Beschneidung bei den Israeliten als etwas Ehrenvolles galt, schließt noch nicht den Zweck aus, eben dadurch den Phallusdienst abzuschaffen. Der zweite Grund, daß zu den Mysterien der egyptischen Priester der Zutritt nur Beschnittenen gestattet wurde, beweist noch nicht, daß der Phallusdienst beim egyptischen gemeinen Volke außer Gebrauch war. Endlich der dritte historische Grund widerlegt sich dadurch, daß wir schon zu Mosts Zeiten einen dem Phallusdienst ähnlichen des Peor gefunden haben, dem sich die Israeliten von Zeit zu Zeit zu ergeben pflegten. 22) 4 B. M. 25, 1—15. 23) 2 35. Kön. 23, 7. 23) I a. 2. Quaest. 102. Art. in sugillationem sacrorum Veneris et Priapi. 2':) Orig. Eecles. p. 1. §. 61. pag. 66. 26, De legibus Hebraeorum;p. 26. Rationes Montacutii non contemnendae.

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