Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1842-11-15 · 47 (15.11.1842) · p. Spalte 751-752

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
1842
Issue
47 (15.11.1842)
Date
1842-11-15
Page
Spalte 751-752 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/8555529-9894039-9894111--2380-3529840
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

751 Jüdische Alterthumskunde.. Literarische Ankündigungen. 732 5. Die ethnographisch-strategische Ansicht. Autenrieth. Es war im Jahre 1829, als die vielen Debatten in der Würtembergischen Kammer über die Stellung der Juden in einem christlichen Staate bei dem Kanzler und Professor der Medicin Dr. I. Ä. von Autenrieth in Tübingen, den Wunsch rege wachten, eine Sitte, die den heutigen Bekenner der mosaischen Religion noch so scharf von seinem christlichen Nedenmenfchen sondert, zum Gegenstände seiner speciellen Untersuchung zu machen. Es war ihm bekannt, daß man zeither sich dabei beruhigt hatte, diesem Gebrauche einen diätetischen Grund unterzulegen, um ihn auf diese Art vom Standpunkt der Gesundheitslehre zu rechtfertigen. Gegen diese Ansicht führt er'H) das Bedenken an, daß von den ältesten Zeiten her bis zum heutigen Tage viele Millionen von Menschen in den wärmsten Klimaten der Erde sich ohne Beschneidüng wohl befunden hatten, von der angeblichen Karbunkelkrankheit dort eben so selten, als in den nördlichen Landern heimgesucht würden und sich da- 27) Abhandlung über den Ursprung der Beschneidung bei wilden und halbwilden Völkern, mit Beziehung auf die Beschneidung der Israeliten, mit einer Kritik von Dr. C. Chr. v. Flatt begleitet, verfaßt von Dr. I. H. F. v. Au- ‘ tenrieth, Kanzler u. Prof, der Med. Tübingen 1829. S. 2. bei so stark fortpflanzten, als jene Nationen, bei denen die Beschneidung eingeführt war Er spricht also dieser allen diätetischen und populationistischen Nutzen ab. Dann sucht er aus einigen BibelstellenU8) zu beweisen, daß sie in Egypten und bei Abrahams damals noch in Kanaan nomadisirendem Stamme, als ein Ehrenvorzug galt, so wie daß nur beschnittene Individuen in Egypten über die Grenze gelaffen, an der Sesostris '29) eine'1500 Stadien lang in der Wüste gezogene Mauer errichtet. Daher jene Anfechtung Most's, als er von Midian, am Südende des tobten Meeres, nach Egypten zurückkehrte und die Egypter aus dem unbeschnittenen Sohne auf die ausländische Abkunft Mofis schloffen. Eben so wurde Abraham, als er noch unbeschnitten auf jenem Wege Egypten'betteten hatte, mißhandelt, daaegen waren Abrahams beschnittene Urenkel, Jakob's Söhne ohne Hmdecniß in Egypten eingelassen worden, als die Hungersnoth sie hingeführt hat. So erscheine denn Beschnittensein an Egyptens Grenze als Bedingung zur Begünstigung, sie überschreiten zu dürfen. Die von Abraham bei seinem Stamme eingeführte Beschneidung war daher zur Erleichterung des Verkehrs mit Egypten vorgenommen. (Fortsetzung folgt.) 28) 2 B. M. 12, 40. 5, 5. 9. 29) Diodor. ßiblioth. Histor. Lib. I. p. 2. O. I. Sesostris. Literarische Ankündigungen. In diesen Ankündigungen werden literarische Anzeigen aller Art, besonders in so weit sie jüdische und orientalische - Geschichte und Literatur betreffen, gegen Sgr. für die gespaltene Petit-Zeile oder deren Raum ausgenommen. Neuestes israelitisches Gebetbuch. [152.] Bei F. E. (5. L e u ck a r t in W r e s l a u ist so eben erschienen und in allen Buchhandlungen zu haben: Gebet- und Ändachtsbuch für fromme Israelitinnen, sowohl Frauen als Mädchen, zur öffentlichen und häuslichen Andacht an Wochen-, Sabbath-, fi/cfts und Fast-Tagen, wie auch für alle Verhältnisse des Lebens, beacbeitec von I. H. Jacobson, Verfasser des Abtalion rc. 3OO Seiten in 8. Elegante Ausgabe auf Velinpapier. Geh. Preis 22Z- Sgr. Der Herausgeber obigen Buches hat in einer vollständigen Sammlung aller auf das tägliche Leben bezüglichen Gebete seinen Glaubensgenossinnen ein ehrenwerthes Mittel an die Hand gegeben, nichr nur die rituellen Verrichtungen im Tempel zu verstehen und richtig zu beurtheilen, sondern-auch bei allen Vorkommenheiten des Lebens sich gewünschten, geistlichen Rath und Trost zu erholen. Dem Charakter des Geschlechts gemäß, für welches das Buch bestimmt ist, har der -Verfasser sich einer edlen und einfachen Sprache beflissen; unnöthigcs Wortgepränge ist sorgfältig vermieden. Die Beterin wird, durch die vorliegenden Gebete in den Stand gesetzt, ihre Wünsche, Gefühle, geistigen Zustände in der edelsten Form dem Geber alles Guten vorzuführen. Wir glauben daher das israelitische Publikum um so mehr auf diese Erscheinung aufmerksam machen zu dürfen, als das weibliche Geschlecht, welches zeither den liturgischen Verrichtungen ferner stand einen Wegweiser in dem Gebiete des religiösen Kultus dringend bedarf und auch bei der häuslichen Gottesverehrung dieses Buch mit immer wachsendem Interesse ergreifen wird. [151.] Im Verlage von W. Levysohn in Grünberg ist erschienen und durch alle Buchhandlungen zu beziehen: Die Synagogengebete zum Gebrauch beim Gottesdienste in Auswahl geordnet und übersetzt von Dr. Z. A. Franeolm. 8. broch. Preis 25 Ngr. Verlag von C. L. Fritz sche. Druck von I. H. Nagel.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.