Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1842
- Issue
- 47 (15.11.1842)
- Date
- 1842-11-15
- Page
- Spalte 745-746 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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745 Ueber Spinoza's theologisch-politischen Tractat. Bon Isidor Kämpf. 748 die Schrift Mosis nirgends zu glauben gebiete, „Deum esse incorporeum, nee eliain eum nullam habere imaginem, siye figuram“?-Der fragliche Glaube ist ja ihre conditio sine qua non. Indem sie Alles. w!ls da ist, erst durch Gott einen Anfang nehmen laßt6), spricht sie ja deutlich aus, daß die Existenz des Schöpfers selbst nicht nach geschaffenen Maaßstaben, wie Raum und Zeit, Form und Gestalt rc. beuttheilt und gewürdigt werden kann. Uyd bedeuten denn Lehren, wie: irrus* -WH nviN Exod. 3, 14; TOD pS‘n“b"nN 'D Num. 14, 21; />n Deut. 32, 40 u. v. a. dergl. unserm Vers. so äußerst wenig, daß er es nicht der Mühe werth halt, sie in nähere Erwägung zu ziehen? Desto mehr gelten sie uns; denn sie stehen mit dem, was unser Verf. von der Schrift behauptet, in directem Widerspruch, und zwar zum Vortheil der letztern. — Es steht also fest, daß die Offenbarung, indem sie allerdings die nur durch sie zu erlangende sichere Erkenntniß des göttlichen Willens sich zur Hauptaufgabe stellt, dennoch nicht, wie unser Verf. behauptet, alles auf speculativem Wege zu Erlangende völlig von sich ausschließt. Vielmehr sehen wir, wie sie auch dies in - ihr Bereich zieht, es näher bestimmt, um dadurch dem kühnen Wanderer, der es unternehmen möchte, ohne sie eine Fahrt zu wagen, doch wenigstens einen Lichtpunkt zu verschaffen, der ihm als Leitstern dienen und ihn vor einer möglichen Irrfahrt schützen soll. Grundfalsch ist es sonach, wenn unser Verfasser behauptet, „daß die heil. Schrift mit der Philosophie nichts gemein habe". Es giebt keine doppelte Wahrheit. Es kann also der Schr. keinesweges gleichgiltig sein, welches Resultat die Philosophie hervorbringt; sie bestimmt es dieser darum schon im Voraus, und überläßt ihr nur die Art und Weise der Operation, wie sie dazu gelangen will. Trifft es dennoch aber, daß die Philosophie zu einem andern als dem von der Schrift ihr bezeichneten Resultat gelangt, z. B. zu einem, das die Persönlichkeit Gottes rc. in Frage stellte: so ruft die Schrift ein das Universum erschütterndes Veto aus, — dann erklärt sie die Philosophie für im Jrcthum sich befindend, dann verweist sie dieselbe auf das unfehlbare Kriterium —• die Offenbarung, und die irrende muß von Neuem 6) Manche glauben der Schrift einen großen Gefallen zu erzeigen, wenn sie deren Erzählung von der Weltschöpfung bloß auf unser Sonnen- System oder gar auf. unfern Planeten beschränken. Die Schr. aber dankt für solche Freundschaftsbezeigung. Im Gegentheil will sie vielmehr anerkannt wissen, daß sie von der Schöpfung des Universums, also sämmtlicher Fixsterne, Haupt - und Nebenplaneten, Cometen und alles dessen, waa aus, in und zwischen allen diesen Wettkörpern sich.siudet, spricht. Sie nennt daher ausdrücklich : DW , pkv , ppi bm UND, CTOIU rc. — Lcrgl. Philo d« iiuuuii opit. §. 5. Maimonides More Nebuchim 1!. 30. beginnen.. Hierzu ist die Schrift auch vollkommen berechtigt , da sie ihren Ursprung unmittelbar von Gott herleitct. In sofern wir aber ihr dies eine zugeben, räumen wir ihr consequenter Weise auch eine Oberhoheit über die Philosophie ein, und zwar um so mehr, als letztere auf jeden Anspruch einer unmittelbaren Erkenntniß von selbst verzichtet. Was heißt demnach die Behauptung unseres Verfassers in Betreff des Verhältnisses zwischen der Philosophie und der Schrift anders, als dieser geradezu widersprechen und sie ihrer Göttlichkeit gewaltsam berauben? — Die Polemik, die unser Verf. im Tr., namentlich in theologischer Beziehung führt, kann nun nicht mehr, wie unser Vers, es gern glauben machen will, blos als eine Bekämpfung der üblichen (angeblich) unrichtigen Interpretation der Schrift betrachtet werden, sondern wir sehen uns genöthigt, sie für einen direkten Angriff auf diese selbst zu halten. Für uns ist es aber ein großer Gewinn, daß wir dies erkannt haben. Wir wissen nun die heil. Schr. von ihrem eigenen Standpunkt aus gerechtfertigt; wir erkennen es deutlich, daß sie an den Hirngespinnsten unseres Versaffers keinen Antheil hat, mit einem Wort: wir sind überzeugt, daß unser Verf. sie sagen laßt, was sie durchaus nicht sagen will. Darin aber hat es unser Verf., wie so viele seiner Nachbeter, versehen, daß er, gleichsam sich scheuend selbstständig aufzutreten, seine Ansichten der heiligen Schr. zu vindiciren sucht, um ihnen vermittelst dieser Autorität Anerkennung zu verschaffen. Das ist jedoch ein Jrrthum. Nur allzubald erscheint die Unredlichkeit in ihrer Blöße, und das Mißtrauen, das ihre Erscheinung gegen den, der sich ihrer bedient, hervorruft, vernichtet auch den schwachen Einfluß, den etwa ein offnes Streben auszuüben im Stande gewesen wäre. Die Schrift nicht als Autorität anerkennen zu wollen, ist eine Gewissenssache, über die nur Gott richten kann; ihr aber einen unrichtigen Sinn unterzuschieben, um unter ihrer ehrsurchtgebietenden Flagge sicherer segeln zu können, ist eine Ehrensache, die dem Urtheil der Menschen verfallt, und wenn irgend, so ist hier jenes Sprichwort anwendbar: „Yox populi, yox Dei“. Wir möchten nur noch hinzusetzen:? IDH NDJ7 ND Mn plD. — Literarische Nachrichten und Miseellen. Jüdisch-Theologisches in de»» Studie»» und Kritiken. In dem neuesten Jahrgänge der theol. Studien und Kritiken von Ullmann rc. (1842) finden sich folgende Aufsätze, die auch für jüdische Theologie von Interesse sind, da sie sich vorzüglich auf die Exegese des A. T?s erstrecken. 1. Bähr, über den Knecht Gottes. Auszug aus einem Schreiben an Dr. Um-