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Der Orient · 1842-11-15 · 47 (15.11.1842) · p. Spalte 743-744

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Journal
Der Orient
Volume
1842
Issue
47 (15.11.1842)
Date
1842-11-15
Page
Spalte 743-744 (sequence 4)
Language
German
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743 744 lieber Spmoza'S theologisch-politischen Lractat. Bon Isidor Kämpfe Außerhalb der. Wahrheit liegt auch die Behauptung unseres Verfassers: „Nec Lex Mosi revelata3 *). unquain praecepit, ut creclamus, ■ Deum esse incorporeum, nec eüam eurn nullain Iiabere imaginem, sive figuram“. — Wie? wäre dem wirklich also, wozu denn das so oft und so nachdrucksvoll eingeschärfte Verbot der Bilder-Verehrung? — Unser Verf. bemüht sich zwar, dieser Frage zuvor zu kommen, indem er vorgiebt, „das erwähnte Verbot wolle nur verhindern, Gott eine erdichtete Gestalt beizulegen (Ml), keineswegs aber wolle es lehren, daß Gott überhaupt keine Gestalt oder Form habe." Allein entweder unser Verf. hat die Stelle Deut. 4, 15 ganz übersehen, oder (was wahrscheinlicher ist) er schiebt ihr, nach seiner Gewohnheit, einen unrichtigen Sinn unter. Zum Glück aber sind wir noch im Besitz des Pentateuchs, und da lesen wir nicht, wie es nach der Erklärung unseres Verfassers hatte heißen müssen: „mionn Dnw vb *0", sondern: „rwiDrr^D orpto N1 *? was, wie jeder wahrheitsliebende Kenner der hebräischen Sprache gern einraumen wird, nicht von dieser oder jener, sondern vondecGestalt überhaupt zu verstehen ijM). Auch würde sonst der göttdarf nur Stellen, wie: m^prrnx D’Nli Exod. 20, 185 D»TON Genes. 23, 165' nt&wn Nini ib. 3, 7; rn m »INI ib- 27, 27; n^n yDam ib« 41, 15 5 p|DV» *0 ib- 42, 22 u. v. 2f. in Erwägung ziehen, um die Ueberzeugung zu gewinnen, daß unser Vers, nicht zum Lexicographen der hebräischen Sprache berufen war. . 3) Unser Verf. schiebt hier noch die nähere Bestimmung ein: ,,cui nihil addere, nihil adimere lieebät.“ Man mochte im ersten Augenblick die' Frage aufwerfen: Wozu hier die Hinweisung aus jenes Verbot ■jntfr r6y *pn'"Nt> ■)^D0 (Deur. 13. 1.)? — Doch man darf nur weirer lesen, um inne zu werden, daß man es hier mit einem schlauen Philosophen zu thun hat. Unser Verf. fühlt es wohl, daß, wenn auch die betreffenden Stellen im Pentateuch eine gewaltsame Verdrehung scheinbar zulassen, doch Stellen, wie: rrosw orrnn Sef. 40, 25; niDi-ro btt poin l'p-D-iyn >>>. ib. 18; ybiby nb Dwn wi dw.i run 1 Kön. 8, 27 u. v. a. zu klar und bestimmt sich Ausdrücken, um nur irejknd einer Verdrehung Raum zu lassen: er sucht daher recht schlau jedem Einwurf von dieser Seite dadurch vorzubeugen, indem er sich hinter einem Verbot, das er anderswo offen bestreitet, hier verschanzt und von da aus Alles, was seinen Behauptungen widerspricht, für einen Widerspruch gegen die Schrift Mosis erklärt. Allein nicht die übrige Schr. mit dem Pent., sondern unser Verf. mit sich selbst befindet sich im Widerspruche. Wir haben bereits gesehen, wie sehr er darauf bedacht ist, das Verbot rpn tb in seiner Integrität zu erhalten- - dessenungeachtet nimmt er keinen Anstand, die Eingriffe, die König Salomo in das mosaische Gesetz sich erlaubt, mit der Bemerkung zu entschuldigen: „nam ea (sc. Lex Mosis) iis tantanv tradita esfc, qui ratione et naturalis intelleetus documentis carent.“ — Heißt das nicht consequent verfahren? — 4) Es ist hier noch zu bemerken, daß unser Verf. auch das Verbum und das Nomen mvn oft in einer andern Bedeutung nimmt, als die betreffende Stelle zuläßt. liche Gesetzgeber sich mit dem Verbot der Bilderverehrung begnügt haben, und nicht weiter in das innere Gemüth des Menschen eingedrungen sein, ihm auch jede Vorstellung einer Gestalt oder Form vom göttlichen Wesen verwehrend, wie dies offenbar durch die Worte: 1ND orrosn (ib. ib.) geschieht. Und abgesehen von alle dem, so muß man doch nicht weniger erstaunen, wie unser Verf. sich erkühnen kann, einem Buche, das an seiner Spitze die erhabene Lehre tragt: „Gott hat das Weltall durch sein bloßes Wort ins Dasein gerufen 5)", anzudichten, daß es zu glauben gestatte, Gott sei körperlich, er habe eine Form oder Gestalt! — Die Form oder Gestalt eines Dinges ist lediglich von den Grenzpunkten seiner Ausdehnung bedingt. Ausdehnung ohne Raum ist aber undenkbar, weil beide identisch sind. Ein Ding also, das eine Form oder Gestalt haben soll, muß nothwendig eine Ausdehnung Haben, oder mit andern Worten, es muß einen Raum einnehmen. In sofern nun, wie wir bereits bemerkt, die Form oder Gestalt eines Dinges nur von seiner Grenze bedingt wird, diese aber kein absoluter Begriff ist, sondern nur relative eine Anwendung findet: so setzt jedes geformte Ding nothwendig eine andere Ausdehnung voraus, von der es begrenzt wird. Nun wissen wir bereits, daß eben dasselbe Buch, dem unser Verf. andichtet, es gestatte zu glauben, Gott habe eine Form oder Gestalt, ausdrücklich lehrt, daß die gestimmte Welt von Gott erschaffen worden sei.. Demnach muß Gott einst ganz allein existirt haben, und zwar ohne alle Form und Gestalt, da diese von der Begrenzung einer andern Ausdehnung bedingt ist, Gott aber vor Erschaff fung der Welt von nichts begrenzt werden konnte, weil außer ihm noch nichts existirte. Ec konnte demzufolge auch nicht körperlich fein, indem ein Körper ohne Form undenkbar ist. Es fragt sich nun, mit welcher Stirn unser Verf. es wagen kann zu behaupten, daß Lyon heißt stets: „nach etwas Hinblicken", also keinesweges, „die Sache selbst sehen"; daher wird oft das Verbum n’jO hinzugefügt, wie z. 23.: rifOi DW Dan Hiob 38, 5; ypyi ■O INn*1 Pst 22, 18; WT). lD’ün Klaget. 1, 12 u. a. — Was nun rniion betrifft, so wird es zuweilen auch zur Bezeichnung für etwas rein Psychisches gebraucht, wie z. B. fnilön fpm nyrWK Pst 17, 15. — Noch deutlicher' erhellt dies aus Hiob 4, 17, wo Eliphas von der Erscheinung sagt: TOOD ober, fahrt er fort n 11D 0 vpy, — hier soll also TODH offenbar das formlose Geistige ausdrücken. Wer dies gehörig zu würdigen weiß, wird hoffentlich in 'n nilDni keinen Anstoß finden. — 5) Der Vorzug der biblischen Schöpfungsurkunde vor allen andern des Atterthums besteht hauptsächlich darin, doß sie selbst den Stoff des Weltalls erst erschaffen läßt, während die andern einen ewigen Stoff annehmen und nur dessen Entwickelung als die Schöpfung ansehen. Der Talmud weiß den erwähnten Vorzug so treffend zu würdigen, indem er lehrtnDND n^NU-

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