Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1842
- Issue
- 47 (15.11.1842)
- Date
- 1842-11-15
- Page
- Spalte 741-742 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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741 Ueber Spinoza's theologisch-politischen Troctat. Von Isidor Kämpf. 742" heißt es: w'N nxi'i; 'di ony-'i; •'di “priV-iw nntOTi, 'Di njn^> nNin nnN u. d. m. — Wie konnte aber dem Volke zugemuthet werden, sich von der Wahrheit der geoffenbarten Lehren zu überzeugen, wenn dies nur einem Propheten möglich wäre? ja, wie konnte unser Vers, in der Vorrede zum Tr. sagen: „86(1 cum in iis quae Scriptura expresse docet, nihil reperissem, quod cum intellectu non conveniret, nec quol eidem repugnaret, et praeterea yiderem Prophetas nihil docuisse, nisi res admodum simplices, qiiae ab unoquoque facile percipi poterant“ etc., wenn das Geoffenbarle von den Nichtpropheten nur rnera Ude angenommen werden könne? — In einen nicht minder handgreiflichen Widerspruch verwickelt sich unser Verfasser, wenn er, nachdem er einmal der Wahrheit die Ehre gegeben und eingestanden , daß die Schrift durchaus nichts Vernunftwidriges lehre, wenn er noch zu sagen wagt: „Quiniiiio Scriptura clare indicat Deum hahere iiguram.“ :— Doch abstrahiren wir vom Widerspruch und ziehen diebetreffende Schriftstelle in Erwägung, auf die unser Verf. seine gotteslästerliche Behauptung (sie verdient keine mildere Bezeichnung) basi'rt. Die Stelle findet sich Exod. 33, 18 rc.; daselbst spricht Moses vor Gott die Bitte aus: Win, worauf ihm der Bescheid wird, daß ihm, dem Sterblichen, diese Bitte nicht gewährt werden könne, daß ihm aber Gelegenheit gegeben werden solle, die Eigenschaften Gottes r) kennen zu lernen. - Dieser Bescheid schließt mit den Worten: ninN TIN nwi 18-? vb ‘tfDi. — Hatte nun unser Verf. Schriftstellen, : wie z. B. Fes. 42, 23; 1 Sam. 9, 9; Ruth 4, 7; Genes. .13, 10; 27, 7> Exod. 10, 14; Lev. 18, 30; Deut. 2, 12; ib. 20; Jes. 41, 23 u. a. zu Rathe gezogen, so würde er zu der Ueberzeugung gelangt sein, daß die Ausdrücke D'üD und iihn auch adverbial, und zwar nicht blos in localer, sondern auch in tempore ller Beziehung gebraucht werden, in welcher letztem sie in der fraglichen Stelle lediglich zu nehmen sind. Moses wünscht das göttliche Wesen in feiner Absolutheit kennen zu lernen, worauf er belehrt wird, daß es dem Sterblichen nur vergönnt sei, zuc Erkenntniß der Eigenschaften Gottes zu gelangen und von ihnen auf dessen Wesen a posteriori' (mriN) zu schließen, — keineswegs aber, dies a priori (md) aufzufassen. Sonach zeigt sich hier nicht die geringste 1) Bedeutungsvoll sind die Worte: b 7 D”"*?D TGyN* W 5 Schöpfer selbst giebt hier Aufschluß über den Zweck seiner Schöpfung : den Geschöpfen wohl zu thun. Moses wünscht, Gottes Herrlichkeit zu schauen; dieser erwiedert ihm: Ich werde Dir meine Güte zeigen, — darin besteht meine Herrlichkeit. Bedarf es mehr zu unserm Trost? — Darüber schlüpft aber unser Vers, hinweg — aus leicht begreiflichem Grunde. — Spur von einem Anthropomorphismus. Unserm Verf. aber beliebt es, Alles auf den Kopf zu stellen, um sein Pnncip zu retten; das darf aber uns nicht abhalten, - der Wahrheit ihren Tribut zu. zollen. Wir erkennen es klar, daß die fragliche Stelle, in ihrem natürlichen Sinne aufgefaßt, unserm Verf. einen Strich durch die Rechnung macht. Wer den theologisch-politischen Tractat mit Aufmerksamkeit durchgelesen, wird mit uns der Ueberzeugung sein, daß dem bezeichneten Werke noch eine ganz andere als die vom Ve^f. vorgeschützte und von uns im Eingänge unserer Abhandlung bereits angeführte Tendenz zu Grunde liegt, nämlich die, das lumen naturale vom lumen supernaturale; cher mit andern Worten, die Philosophie von der Religion gänzlich zu trennen. So sehr unser Verf. auch gegen alle Voraussetzung bei der Interpretation der Schr. eifert, so nachdrücklich er auch verlangt, daß man nur dasjenige als Lehre der Schrift anerkennen solle, was aus einer strengen Untersuchung derselben sich ergeben: so glaubt er dennoch (wahrscheinlich gestützt aus das Sprüchwort: Nulla regula sine exceplione) berechtigt zu sein, sich als eine Exception zu betrachten, und daher bei seiner Interpretation wohl so manches voraussetzen zu dürfen. Und wenn ihm im Tractat überhaupt eine Consequenz zuzuerkennen ist, so ist es die, daß er sein Ziel stets im Auge behält und Alles (freilich nicht selten mit Verstoß gegen die Wahrheit, doch) geschickt darauf hinzuleiten weiß. Die bezeichnet Tendenzliegt unserm Verf. so nahe am Herzen, daß er schon in der Vorrede zum Tr. aus der Rolle fällt, indem er da nicht widerstehen kann der Versuchung zu prophezeien, „Scripturam rationem absolute liberam relinquere, et nihil cum Phil,osophia commune habere, sed tani hanc, quam illam proprio suo talo nili“. — Nun wagt es aber die Schrift, gleichsam unserm Verf. zum Trotz, auch speculative Gegenstände, wie die Attribute Gottes rc., die unser Verf. gern in die Philosophie verwiesen wissen möchte, in ihr Bereich zu ziehen; ja, nun untersteht sie sich sogar, die Grenzen des menschlichen Wissens zu bestimmen und dem Streben danach eine Richtung vorzuzeichnen: da gerat!) unser Verf. (der als echter Republikaner keinem Einzelnen eine Machtvollkommenheit einräumen kann) außer sich, da fühlt er sich gedrungen, über die Wahrheit hinauszugehen und die Schrift grade das Gegentheil von dem sagen zu lassen, was sie eigentlich sagen will^). 2) Unser Verf. hat, wie wir, bereits bemerkt, im ersten Cap. des Tr. einen langen lexikalischen Artikel über 'n nn geschrieben; warum that er nicht desgleichen auch in Betreff der Verba riNI , ntn . 2C.? — Und doch beruhen seine Angriffe meist auf der Willkühr, mit welcher er den Sinn der fraglichen Verba jedesmal zu bestimmen beliebt. Man 47*