Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1842
- Issue
- 47 (15.11.1842)
- Date
- 1842-11-15
- Page
- Spalte 739-740 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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739 Bibel-Exegese. Herxheimer's Pentateuch. 740 Exod. 15, 20. Nicht. 4, 4.) und wir haben noch von feinem der Hut sein muffen; jedoch sind die Völker unterworfen und von Eroberungen ist nicht mehr die Rede. Die beiden Nomen von Juda und Joseph treten mit bedeutendem Uebergewichte hervor, der erstere aber ist Königsstamm, er trägt das Scepter und es soll ihm bleiben; ein König ist vorhanden, welchem Ascher seine besten Erzeugnisse einliefert und besonders ist es Juda, von welchem-die Eroberungen ausgegangen sind; er zehrt nunmehr ungestört an der Beute und ist so furchtbar , daß es nicht ra'thlich wäre, ihn aus seiner Ruhe aufzuscheuchen. Joseph ist eben so mächtig, ohne jedoch seine eigenen Fürsten zu haben; er wird mit Lob und Segen erhoben , wobei natürlich des Vaters Adoption von Ephraim und Manaffe nicht gedacht wird (Kap. 48.), weil der Stamm sich noch nicht zu Gunsten Levi's hat spalten müssen. Es findet sich keine Anspielung auf die Volkssage, den Auszug aus Aegypten oder das Irren in der Wüste, weil die Tradition sich noch nicht ausgebildet; keine Beziehung auf Opfer, Zehnten oder das Gesetz überhaupt, denn es sind noch keine Priester da, um ihre Satzungen auf den Moses zurückzuführen, der Priesterstamm, als solcher, ist noch nicht vorhanden, und von Levi wird nur Nachtheiliges ausgesprochen; endlich keine Spur von einem Tempel, denn Jerusalem mochte eben erst in den Besitz dep Hebräer gelangt sein, und der Dichter würde nicht unterlassen haben, auf das Heiligthum leise hinzudeuten, wäre dasselbe vorhanden gewesen. Dieß alles führt uns mit einer großen Sicherheit auf die Periode des David, auf welche schon Heinrichs und E i ch h o r n gerathen sind; V a t e r bemerkt (zu V. 8.) „man sähe sich unwillkührlich in die Zeiten von David und Salomo versetzt" und Schumann sagt sehr wahr:'„in Salomo's Zeit, aber auch nur in.dieser allein, sei alles sehr verständlich;" nur hat sich dieser wackere Gelehrte darin geirrt, daß er die schöne Dichtung dem Verfasser der Genesis selber zuschreibt, der mithin als lauckator temporis aeti nur die entschwundene Epoche ausmale. Vor David kann das Gedicht schon wegen der kriegerischen Unruhen und weil Juda noch nicht Fürstenstamm konnte genannt werden, auf keine Weise fallen; unter David aber wurden alle feindlichen Nachbarvölker, Philistäer, Edomiter, Moabiter, Ammoniter, so wie die Syrer von Zoba, Hamath und Damaskus, den Israeliten. zinsbar gemacht; der Gehorsam der Völker war unter seiner und seines Nachfolgers Regierung wirklich errungen-; Friede und Wohlstand waren eingekehrt und die Grenzen des Reiches, welche nunmehr vom Euphrat bis zum Rhinokolura ausgedehnt waren, kaum noch zu erweitern. Zugleich wird nun auch der specielle Zug (V. 4.) bedeutsam, daß ein Beschlafen der Kebsweiber als Anmaßung der Herrschaft gilt, von welchem wir gerade in dieser Periode ein historisches Beispiel haben. Nach Salomo kann der Segen nicht gedichtet sein, weil die Spaltung eintrat (s. zu Kap. 48.), der Tempel erbaut war, die Leviten sich heben und neue Spaltungen hereinbrechen, und so sind wir nothwendigerweise für die Absassungszeit des Gedichtes auf die Regierungsjahre beider Fürsten beschränkt. Nun aber ragt in dieser Zeit durch Bildung und politische Umsicht ein bedeutender Mann hervor, der mir nach allen jenen Gründen als Dichter des Segens erschienen war, bevor mir noch die obengenante Schrift von Friedrich, welche selbst auf dem Titel ihre Ansicht ausdrückt, zur Kunde gekommen: der Prophet Nathan. Er war der kluge Rathgeber Davids, dessen Tempelbau er noch verhinderte und seine sowohl als Davids Reden (2 Sam. 7, 12. 15. 1 Chron. 28, 4.) sprechen dieselben Grundsätze unserer Dichtung aus; er hatte die Geschichte des David verfaßt. (nach 1 Chron. 29, 29.); war außerdem ein NUJ V4>. nach älterem Sprachgebrauche Dichter. oder Barde Xvergl. Dichtertalente eine glänzende Probe cm der trefflichen Parabel 2 Sam. 12. Nathan hatte "den Salomo, der Bathseba Sohn , vielseitig gebildet (2 Sam. 12, 25.) und es war sein Rath' gewesen, diesen vielversprechenden Jüngling auf den Thron zu erheben (1 Kön. 1, 10 ff.), als plötzlich die letzten Lebensjahre Davids durch., fcipcn andern Sohn Adonija, der sich zum Könige hatte ausrufen lassen) verbittert wurden. In dieser Krisis, oder bei der Thronbesteigung des Salomo, könnte Nathan das Gedicht verfaßt haben und er würde dann in den Worten: dem das Scepter zu kommt, welche in.der Folgezeit dunkel werden mußten, versteckterweise sowohl die Usurpation des Adonija, als die rechtmäßigen Ansprüche des Salomo andeuten". Was die Wortauslegung betrifft, so hat Hr. Dr. H. die neuesten Erscheinungen benutzt und in einer Kürze verarbeitet, die für eine solche volksthümliche Bearbeitung des Pentateuchs vollkommen paßt. Das grammatische Element ist scharf hervorgehoben, die Etymologien natürlich und der Redezusammenhang vorzüglich festgehalren. Philosophie. B. v. Spinozas Theologisch-politischer Tractat. Von Isidor Kämpf. (Schluß der ersten Abtheilung.) Die einseitige Auffassung des Wesens der Prophetie mußte unfern Verfasser nothwendig auch zu einer schiefen Beurtheilung des Verhältnisses des Propheten zu seinen Zuhörern verleiten, -— was er in der That dadurch bekundet, daß er den Propheten nur für solche Personen berufen hält, qui rerun) a Deo reyelalarum eertam cognilioneni liahere neqcieunt, quique adeo mera fide res reyeialas ampleeli tantumpossimt." — Dem ist aber nicht also. Denn wenn auch zugegeben werden muß, daß die unmittelbare Erkenntniß nur dem Propheten zukomme, so ist doch von der mittelbaren nicht die Ueberzeugung ausgeschlossen. Möge diese immerhin eine von sinnlicher Anschauung und geistiger Auffassung gemischte sein, •— dieses würde nur, je nach der Subjectivität des betreffenden Individuums, ihre Qualität bedingen, keinesweges aber, wie .unser Vers, will, sie zu einem blinden Glauben machen. Und wirst man erst einen Blick in die Schrift, so muß man erstaunen., wie unser Verf. eine Behauptung aufstellen konnte , die fast auf jedem Blatte der Sehr, ihre Widerlegung findet. Daselbst ist stets von Prüfung und Ueberzeugung die Rede, da