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Der Orient · 1842-11-15 · Beilage zu Nr. 47 (15.11.1842) · p. Seite 2

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Journal
Der Orient
Volume
3 (1842)
Issue
Beilage zu Nr. 47 (15.11.1842)
Date
1842-11-15
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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2 es uns.nicht minder, des Todes eines Juden zu gedenken, der, des von seinen Vorfahren ererbten Namens würdig, seinem Vaterlande in seinem Berufe, wenn auch nicht als Gelehrter, mit Auszeichnung diente. Ich rede von dem franz. Consul auf Haiti Fcederik Cerfberr, der in dem unglückseligen Makmonate dieses Jahres zur Zeit des furchtbaren Erdbebens auf Gap Haxlien lebte, dort seine einzige blühende Tochter unter den Trümmern des franz. Consulatgebäudes umkommen sah, selbst durch die fallenden Ruinen mehrere Wunden erhielt, durch die darauf folgende Feuecsbrunst und Plünderung des größten Theiles seines Vermögens verlustig ging und sich zur Herstellung seiner Gesundheit und zu persönlicher Betreibung seiner bei der franz. Regierung eingereichten Ansprüche an den Staat von Haiti nach Frankreich begeben wollte. Aber schon auf der Reise nach Europa, mitten auf hohem Meere, auf der Ueberfahrt von New- Pork nach Havre, 26 Tage vor dem Einlaufen des Schiffes in diesen französischen -Hafen ereilte ihn der Tod. Seine Gattin, stand an seinem Sterbelager und wachte bis zur Ankunft auf franz. Boden über seiner Leiche. — Auch der Längstverstorbenen, denen wir durch Nacheiferung ähnlich zu werden streben sollen, laßt uns nie vergessen, sondern jede Gelegenheit wahrnehmen, ihr Andenken bei unfern Zeitgenossen zu erneuern. So führt uns jedes Jahr neuen Stoff zur Belehrung über Moses Mendelssohns Persönlichkeit und Gesinnung zu, und es wäre vielleicht rathsam, daß die Herausgabe seines Briefwechsels noch einige Jahre aufgeschoben würde, weil wir dann eine desto reichere Erndte um so sicherer erwarten dürfen, als jetzt in Deutschland die Memoiren-Literatur in Ausnahme zu kommen anfängt. — So theilt das Taschenbuch Penelope für 1843 zwei Briefe des edlen Philosophen an seine hochgebildete Freundin Sophie Becker mit, in denen besonders Mendelssohns Urtheil über den geistlichen Stand beachrenswerth ist. — Wenn dieses Urtheil nicht gerade ein allzu günstiges genannt werden darf, so ist es doch gewiß gerechter und begründeter, als das des Herrn von Rosas in Wien über die jüdischen Aerzte unserer Zeit. Obendrein hatte Mendelssohn seine Ansicht ursprünglich nicht für die Oeffentlichkeit bestimmt, wahrend Rosas seine jüdischen Collegen in der öffentlichen. Meinung herabzusetzen und ihre bürgerliche Existenz zu vernichten beabsichtigte. Doch scheint ihm dies durchaus mißlungen zu sein. . So erfahren wir aus Lewald's Europa vom ~ 24. Octbr., außer Hrn. N. Mannheimer habe auch ein jüdischer Arzt, Dr. Ignaz Jeitteles, dem kaiserl. Leibarzte Dr. Raimann, dem eigentlichen Herausgeber der medizi. Jahrbücher des österc. Staates, eine Erwiederung gegen Rosas übergeben, die dieser nach vorgangiger Censur ausgenommen habe; ferner sei von den 8 isr. Aerzten in Wien eine Entgegnung an die Polizeihofstelle eingesandt worden, und die beiden Subredakteure der „Jahrbücher", die Professoren und Doctoren Fischer und Weißgrill hätten, angeblich wegen überhäufter Geschäfte, sich von der Theilnahme an dieser Zeitschrift losgesagt, so wie 33 christliche Aerzte und Fakultatsmitglieder den Prof. Raimann zu einer Widerlegung gegen Rosas brieflich aufgesordert und im Falle der Verweigerung dieses Gesuches das Schreiben dem Drucke zu übergeben und den Fakultätsvorladungen fortan keine Folge zu leisten erklärt und beschlossen. Endlich hätten auch die böhmisch-jüdischen Aerzte gegen Prof..Rosas einen Jnjurienprozeß durch ihr Landespräsidium anhängig zu machen sich vorgenommen .und die Wiener (jüd.) Aerzte eine Eingabe an den Kaiser gemacht. — Wie Herr v. Rosas die Juden von der ärztlichen Praxis, so will man sie auch außerhalb Oesterreichs von obrigkeitlichen Würden und namentlich von der Gewalt über ihre christlichen.Mitbürger ausgeschlossen wissen. Daß man jedoch dieses Vorurtheil nicht übecal theilt, beweist unter Anderm das herzliche Lebewohl, welches der Ortspfarrer Zeuschner und der Gerichtsschulze Hepke in der L. A. Z. vom 28. Octbr. dem aus ihrer Mitte scheidenden Geh. Commerzienrath He noch, Gutsbesitzer im Bad Gleißen Nachrufen.. Sie danken ihm besonders für die auf seine Kosten erbaute Kirche, wie für die Aufnahme, in die er das Bad. durch kostspielige Verschönerungen und Verbesserungen gebracht, wie für die industriellen Etablissements, die ec daselbst mit großen Opfern begründet habe. •— Zu den abenteuerlichsten Begriffsverwirrungen, die. in unserer Zeit immer bedeutenderes Terrain gewinnen, gehört ohne Zweifel die Sucht, alles Mögliche christlich zu nennen. So hat neulich Jcmand in Berliner Blättern die Krügersche orthopädische Anstalt in Berlin warm empfohlen und besonders hervorgehoben, in welch erhabenem „christlichen" Sinne dieses Institut, dessen Segen ja auch hauptsächlich von religiöser Aussicht abhange, geleitet werde. — Was doch jetzt Alles zur Zeitfrage gemacht wird! So. ist die Anfrage in der L.A. Z. vom 25. Octbr.: „Warum werden die Statuten der Berliner Judenbekehrungsanstalt nicht den Juden, zugestellt, damit diese den Mißgriffen gewisser Bekehrer, und namentlich unbefugter Männer und Frauen gegenübertreten können? „eine Zeitftage" genannt. Da der Fragende von Seiten der Mission schwerlich Antwort erhalten wird, so wollen wir sie ibm folgendermaßen geben: „Weil dann das Fischen im Trüben abnehmen oder gar aufhören würde". Schwerin a. d. Warthe, 3. Nov. Es hat sich ein unangenehmes Gerücht von einem am vergangenen Versöhnungstage in der hiesigen Synagoge stattgehabten, blutigen Streit in das größere, Publikum einzuschwärzen gewußt, wodurch zu befürchten steht, daß das Bessere und . Zeitgemäße, dessen wir uns . eine Zeitlang erfreuen, verdächtigt und der zu wünschenden Nachah-

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