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Der Orient · 1842-11-15 · Beilage zu Nr. 47 (15.11.1842) · p. Seite 1

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Journal
Der Orient
Volume
3 (1842)
Issue
Beilage zu Nr. 47 (15.11.1842)
Date
1842-11-15
Page
Seite 1 (sequence 1)
Language
German
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Beilage zu Nr. 4V des Krieuts 1842. Beilage j. Forts, der Beri.dte. Deutschland. Berlin: Dr. Frankel. Das Institut des Dr. Berend. Hamburg: Wochenbericht. Gesenius u. Bellermann. Cerfberr, K-ousnl auf Haiti. Briefe von Mendelssohn. Klagen gegen Prof. Rosas in Wien. Henvch. Schwerin a. d. W a r t h e: Reform u. Kultusbericht. — Schweiz. Genf: Be.Lcht über Intoleranz. — Schweden und Norwegen. Chriftiania: Ausgang der Judensache. Deutschland. ^Berlin, 2. Oct. Die anfangs zweifelhafte Hoffnung auf das Herkommen des Dr. Frankel consolidirt sich mehr und mehr, und man kann jetzt mit Gewißheit versichern, daß derselbe, wenn auch nicht im Frühjahr, wie man anfangs vermuthete, so doch im Herbst nächsten Jahres das hiesige Rabbinat nntretm wird. Eine Bekanntmachung Seitens des Gememdevorstcmdes ist bis jetzt noch nicht erschienen. In der Spenerschen Zeitung vom 24. Oct. war ein Artikel enthalten, in welchem indirect an einen Angriff gegen das orthopädische Institut des Dr. Berend die Behauptung geknüpft wurde, daß der gebildete Arzt nothwendig christlicher Religion sein muffe. Die Vossische Zeitung vom 26. brachte darauf eine gebührende Abfertigung, und die Spenersche selbst desavouicte am 27den fraglichen Artikel, indem sie ihn als: eingesandt und nur gegen Bezahlung ausgenommen, bezeichnte. Es war erfreulich, wahrzunehmen, daß jener Angriff auf die jüdischen Aeczte im Allgemeinen und den Hni. De. Berend insbesondere, hier von allen Seiten mit der größten Indignation ausgenommen wurde, so daß sich von Neuem herausstellte, wie die gesteigerte Intelligenz, deren sich Berlin erfreut, der Intoleranz und dem Religionshaß den Boden genommen habe, und Laß diese mittelalterlichen Regungen bei uns nicht mehr Wurzel fassen können. Ich ergreife gern diese Gelegenheit, um die Aufmerksamkeit der Leser des „Orients" auf das erwähnte Institut des De. Berend zu richten, da vielleicht mancher unter ihnen im Kreise seiner Angehörigen oder Bekannten einen Hilfsbedürftigen hat, für den er den in. der Hauptstadt dargebotenen Beistand in Anspruch nehmen möchte, sich aber in Verlegenheit befindet, welcher von den vorhandenen Anstalten das größere Vertrauen zu schenken sei. Herr Dr. Berend, einer der tüchtigsten Aerzte und Operateurs unsrer Stadt, hat die Heilung der verschiedenen Mißgestaltungen des Körpers zu fernem besondern Studium gemacht, und gestützt auf eme reiche Erfahrung, begünstigt durch einen seltenen ärztlichen Scharfblick und durch die größte manuelle Gewandtheit, seit einer Reihe von Jahren glanzende Heilungsresultate, selbst in veralteten Fällen, erzielt. Res. war selbst Zeuge von der staunenswürdigen Veränderung, welche theils durch operative, theils durch orthopädische Behandlung im engern Sinne des Wortes', bei vielen Fällen von Rückgratsverkrümmungen, Deformitäten der Füße und Hände k. erzielt worden. Dabei ist der Aufenthalt im Berendschen Institute durch die freundliche Fürsorge des genannten Arztes, so wie der ihm zugesellten Lehrer und Lehrerinnen ein in allen Beziehungen so ansprechender und behaglicher, daß er den Familienkreis, dem die Curisten auf längere Zeit entzogen werden, niemals schmerzlich vermissen laßt; auch die geistige Ausbildung der Zöglinge erleidet hier keine Unterbrechung, wird vielmehr in einer Weise besorgt, welche die in eigentlichen Erziehungsanstalten vorhandenen Mittel nicht immer erreichen möchten. Hamburg, 1» November. (Wochenbericht über jüdische Verhältnisse. 27. Occbr. bis 1. Nov.) Die gelehrte Welt hat wenige Tage nach einander den Tod zweier Männer zu beklagen gehabt, deren Verlust hauptsächlich bei den Pflegern und Anhängern orientalischer ' Wissenschaft, demnach auch bei vielen Juden inniges Bedauern erregen wird. Am 23. Oct. starb nämlich in Halle der Professor an der dortigen Universität, Dr. Wilhelm Gesenius, dessen Verdienst um Aufhellung und Verbreitung der Kunde des Morgenlandes stets wird anerkannt werden müssen. Zwar erfuhren seine philologisch - kritischen Leistungen zahlreiche Angriffe von christlichen und jüdischen Sprachforschern-, wie andrerseits seine rationalistische Ansicht vom Christenthume ihm Tadel und Verketzerung von Seiten der Supcanaturalisten, besonders aus der Tholuck-Hahn-Hävernikschen Schule zuzog: dennoch wird ihm Niemand, der seinen Einfluß auf die grammatischen (besonders vergleichenden), exegetischen und lexikographischen Arbeiten der Mitwelt zu würdigen weiß, die verdiente Anerkennung versagen dürfen. Sein „Lehrgebäude", sein „hebr. Wörterbuch", der unvollendete „Thesaurus linguae liebraicae", sein „Commentar zum Jesaias" und seine Bemühungen um die phönizifche Sprache und Literatur sichern ihm, zumal bei seinen zahlreichen Schülern, einen dauernden Nachruhm. Auch der alte Prof. B'ellecmann, der als emeritirter Director des Gymnasiums zum grauen Kloster in sehr hohem Alter am 25. Oct. in Berlin aus dem Leben schied, genoß noch vor einem halben Menschenaltec den Ruf eines gründlichen Kenners der hebr. und der phönizischen Sprache. In seinen letzten Lebensjahren hatte er indessen jede öffentliche literarische Thatigkeit aufgegeben und zufrieden und beglückt im Kreise der Seinigen gelebt, während Gesenius, der freilich kaum das sechzigste Lebensjahr erreichte, mitten in seinen Studien und Plänen für die Zukunft dem irdischen Dasein entrückt wurde. ,— Haben wir auf das Grab zweier christlichen Gelehrten Worte, der Erinnerung und Anerkennung niedergelegt, so ziemt'

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