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Der Orient · 1842-11-15 · Heft 47 (15.11.1842) · p. Seite 373

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Journal
Der Orient
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 47 (15.11.1842)
Date
1842-11-15
Page
Seite 373 (sequence 9)
Language
German
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373 hung einer Synagage in irgend einer, sei es auch der größten Gemeinde. Der „neue israelitische Tempelverein" steht nämlich als gottesdienstliches Institut, ungeachtet seine Einrichtung und Verfassung bereits vielfach nachgeahmt und benutzt worden, und obwohl er auf die Gesittung der Jugend, auf die Anerkennung unserer Glaubensgenossenschaft von Seiten anderer Confessionen und die Unterstützung der Ln unserer eigenen Mitte lebenden ärmeren Klasse einen großen und dauernden, selbst von seinen Gegnern nicht bestrittenen Einfluß gehabt hat, — jener Verein, sage ich, steht trotz dieser für ihn sprechenden Verhältnisse noch immer isolict in Deutschland da, und, was das nach innen wirkende Moment anbetrifft, auch noch eben so isolirt der überwiegenden Anzahl der Gemeindeangehörigen in Hamburg selbst gegenüber. Trotz dieser Sonderung und ungeachtet er bis jetzt nicht als Gemeinde von Seiten der Behörde anerkannt wurde und selbst wenn ihm dies verstauet wäre, wohl schwerlich dazu geneigt sein dürfte, seine Zukunft von der des, dem alten Ritus treugebliebenen TheileS der jüdischen Einwohner Hamburgs zu trennen, kann die historisch-begründete und daher legitime Existenz des Vereines, der jetzt 24 volle Jahre besteht, weder geleugnet noch bestritten oder mit irgend einer Aussicht auf Erfolg angefochten werden. Da ich indessen diesmal nicht auf die bisherigen Zustande und inneren Bewegungen, die der Tempelverein erfahren und durchgemacht hat, näher eingehen, vielmehr dies auf eine andere — nahe bevorstehende — Gelegenheit .aufsparen will, so wende ich mich unmittelbar zur Relation über die Feier des 18. Oct., deren Details wir mit anerkennenswerther Genauigkeit mitgetheilt worden sind. Die alljährlich im Tempel stattsindende Feier der Leipziger Völkerschlacht wurde auch diesmal in der üblichen Weise abgehalten. Herr Dc. N. Frankfurter hielt die Festpredigt. Kein Wunder, daß auch auf die besondere Bedeutung, welche der 18. Oct., als Stiftungstag des Vereines, für denselben an sich tragt, aufmerksam gemacht wurde. Der Redner verbreitete sich über den Sieg des Rechtes und des Lichtes, der einst an jenem Tage errungen worden sei und dessen Früchte auch den Juden im Allgemeinen und dem Tempelvereine insbesondere zu Gute gekommen seien. Ohne leugnen zu wollen, daß manche Hoffnung zerstört, manche Blüthe nicht zu voller Entfaltung gekommen, mancher wohlbegründete Anspruch unberücksichtigt geblieben sei, müsse man doch andrerseits einräumen, daß das Bewußtsein des Rechtes durch die letzten Kriege und seit ihnen fort und fort erstarkt sei, daß die Selbstachtung in steigender Progression zugenommen, daß das Selbstgefühl sich in immer weitere Kreise hin ausgedehnt habe. So sei der Sieg des Rechtes, oder, wenn wir wollen, der echte, wenn auch nicht laute Triumph der Rechlsidee zugleich die Quelle des Segens für die Glaubensgenossenschast der Juden geworden. Auch innerhalb dieser sei Manches, ja Vieles anders und besser geworden; immer enger schlinge sich das'Band gemeinsamer Nationalität, durch den Austausch der Bildung, durch die Theilnahme an der allgemeinen Intelligenz vermittelt, um die Angehörigen des Staates, wenn sie die Gottheit auch auf verschiedene Weise, in andern Hausern der Andacht anbeteten. Auch der Tempelverein habe die Wohlthaten des Friedens, der wiederbelebten geistigen Thätigkeit, des von Neuem erwachten religiösen Sinnes zu preisen und zumal diesen Tag als den Ausgangspunkt für die Gegenwart und für alle Zukunft zu betrachten. Bei der, um die Mittagsstunde vollzogenen Feier der Grundsteinlegung sprach Hc. Dr. Gotthotd Salomon über den Glauben, der den Verein gegründet, die Liebe, die ihn erhalten und gefördert habe und die Hoffnung, die sich aus seiner Vergangenheit für die Folgezeit entwickele. Es habe nicht an Hindernissen gefehlt, welche dem Emporkeimen der Anstalt entgegengestellt worden waren; auch im Schooße der Theilnehmer selbst habe sich manche Divergenz gezeigt, an die er nicht erinnern wolle; aber mit kräftigem, lebendigem Glauben sei man ans Werk gegangen; man habe, den Ahnen gleich, mit der einen Hand den Bau aufführen, mit der andern die feindlichen Angriffe, bewaffnet abwehren müssen; aber um so tröstlicher sei der Gedanke, daß in einer Stadt, die jetzt 5 Gotteshäuser in Trümmern liegen sehe, schon wieder an den Aufbau eines neuen gedacht werden könne, ohne daß das alte ein Raub der Flammen geworden wäre. Und die Liede habe sich dabei kräftig, ausdauernd bewiesen; vor keinem Opfer habe sie zurückgebebt; deß sei dies sich emporhebende Gebäude in vollem Maaße Zeuge. Und alle, die jetzt dieser Feier beiwohnten, lebten der Hoffnung, daß sie noch allesammt, Männer, Frauen und Kinder und selbst hochbetagte Greise, in der neuen Gotteswohnung dem Höchsten Preis und Dank darbringen würden, und ihnen, fügte der Redner mit prophetischer Begeisterung hinzu, ihnen würden sich noch Viele, vielleicht einst Alle anschließen, welche jetzt noch dem Vereine fern ständen; auch sie würden einst erkennen, daß hier ebenso die echte Andacht, das unerschütterliche Gottvertrauen, die kindliche Anhänglichkeit an die heiligen Lehren der Religion walteten. . Nachdem dann durch Herrn Dr. Gabriel Ri esser, welcher zu den Mitgliedern der Tempeldicection gehört, die Urkunde vorgelesen und der Akt der Grundsteinlegung selbst vollzogen war, hielt Hr. Dr. Frankfurter ein Schlußgebet, welches sich durch seinen versöhnlichen, milden Ton auszeichnete. Derselbe Ton charakterisirte die ganze Handlung, welche in der That ohne allen äußeren Prunk ausgeführt wurde. Die einfache Form der Feier war unstreitig deshalb gewählt worden, um nicht dm alten Zwiespalt durch irgend eine Osten-

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