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Der Orient · 1842-11-08 · 46 (8.11.1842) · p. Spalte 731-732

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Journal
Der Orient
Volume
1842
Issue
46 (8.11.1842)
Date
1842-11-08
Page
Spalte 731-732 (sequence 6)
Language
German
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731 Züd. Merthumskunde. Die Beschneidung bei den Israeliten. Bon Dr. Bergson. 732 -in Palästina angesehen ward, ohne welches Niemand in den israelitischen Staat als Bürger ausgenommen und somit zum jüdischen Staatsbücgerrecht (s. v. v.) qualisicirt sein konnte, und er hat das Verdienst, nachgewiesen zu haben, daß die Beschneidung kein Religionsgebot war. Wenn die biblischen Stellen, auf die Michaelis seine Behauptung stützt, genau und unbefangen betrachtet werden, so gewinnt diese Ansicht viel für sich, und die Widerlegungen, die man Ln der neuern Zeit dagegen gemacht, scheinen in der That gehaltlos zu sein, indem sie auf die alte, schon längst vergessene Parallelisi'rung der Beschneidungmit der Lauft sich berufen. So sagt einer der jüngsten Schriftsteller^) in dieser Beziehung, daß Michaelis Einwendungen gegen die altern Dogmatiker, welche die Beschneidung nicht ohne Grund mit der Taufe der Christen verglichen hätten, nicht ausreichten. Beides nämlich wären Religionsgebräuche, dort zur Aufnahme in das Volk Gottes, hier unter die Bekenner 'von Christen, Beides würde als Zeichen eines Bundes zwischen Gott und dem Menschen betrachtet und wäre mithin als Zeichen der göttlichen Gnade anzusehen, sofern der Mensch nun die eingegangenen Bedingungen erfülle. Es bleibt aber die Frage, ob die Aufnahme in das Volk zugleich als ein Uebertritt in ihre Religion anzusehen sei und ob auch im Alterthume die Ertheilung des Bürgerrechts an ein privitegictes Glaubensbekenntniß, wie noch manchmal heute, geknüpft war. Jedenfalls befindet sich hier einer der jüngsten Schriftsteller über unsren Gegenstand auf einem der verjährtesten Standpunkte, nämlich auf dem spiritualistifch-religiösen der Kirchenvater. Auf diese Controverfe kommen wir noch weiter unten zurück und begnügen uns nur noch schließlich mit einer Bemerkung, die zn Gunsten der nationalpolitischen Ansicht zu sprechen scheint. Es könnte beim ersten Blick als etwas Auffallendes erscheinen, daß die Beschneidung in der Bibel gerade mit der Feier des Osterfestes in Zusammenhang gestellt und daß erstere als die Bedingung geltend gemacht wird, ohne die jeder Fremde von der Theilnahme an diesem Feste ausgeschlossen bleiben mußte. Dagegen werden außer dem Mitgenießen des Paffahopfers alle anderen Rechte und Privilegien, die der Fremde durch die Beschneidung erlangte, stillschweigend übergangen, obgleich dieselben wie z. B. das Recht, israelitische Frauen zu heirachen und dgl. m. faktisch bestanden haben. Allein das Auffallende hierbei verschwindet bald, wenn man bedenkt, daß es -gerade das Passah war, welches, wie schon Spencer es richtig erkannte und als teslmii genlllitium bezeichnet hat, als das einzige Nationalfest der Israeliten gegolten hat, da an die Erinnerung des Auszuges aus Egypten 16) A. G. Hoffmann in Ersch und Gruber's Encyclopädie der Wissensch. und Künste, Bd. 9. Art.: Beschneidung. 1832. und der Emancipation aus dem Sclavenstande die Selbstständigkeit und der Ursprung aller Nationalität bei den Israeliten geknüpft war; folglich konnten blos solche Individuen zur Theilnahme an dieser Nationalfeier zugelassen werden, die durch einen Naturallfationsact, wie ihn die Beschneidung darstellt, in den politischen Verband der Israeliten sich hatten ausnehmen lassen. Man erlangte dadurch das politische Recht, zur israelitischen Nation zu gehören, an allen ihren Rechten und Pflichten zu parlicipiren, ohne deßwegen ihre Religion angenommen zu haben oder annehmen zu müssen. Hierdurch scheint obige Ansicht viel an Wahrscheinlichkeit zu gewinnen. (Fortsetzung folgt.) Literarische Berichte. Nekrolog. AlvEGOVGL ZTjV GVVBGtV aVTOV rcollolf scog tgv aicovog ovx £^ccXsiq)Q'7]6sziXL * ovx dnoözrjGBTca r6 fivrjfioGvvov avzov, xcd övofLDi avzov &rjaszca stg ysvsdg ysvEcov. Sir. XXXIX, 9. — Die Wissenschaft hat einen großen Verlust erlitten, — der Eonsistorialrath und Professor Dr. Gefenius llst nicht mehr. In ihm ist, wie der gerechte Klageruf eines seiner Verehrer lautet, ein freisinniger Theolog, ein scharfsinniger Kritiker, ein gewandter Sprachforscher, ein fleißiger und fruchtbarer Schriftsteller, ein thäriger und beliebter Lehrer der akademischen Jugend und für Viele ein bewährter und liebenswürdiger Freund schlafen gegangen.. Wie sein Auftreten in der Wissenschaft, welcher er diente, Epoche gemacht hat, so knüpft sich an sein Hinscheiden unabweisbar das Gefühl einer augenblicklich entstandenen Lücke, welche die jüngere Generation allmälig auszufüllen streben muß. Und dazu hat er selbst genug vorgearbeitet; an seinem belebenden mündlichen Vortrag, wie durch die Anregung, die sein rastloser Fleiß , in einer Reihe von Schriften gegeben, haben sich neue Kräfte herangebildet, die das Werk nicht ruhen lassen und das weiter führen, was er an seinem Theile so eifrig als glücklich gefördert. Wir lassen hier eine kurze Uebersicht der wichtigsten Data seines Lebens folgen. Daß dies in diesem Blatte geschieht, wird Keinen befremden, der die Verdienste des Verewigten um das Studium der hebräischen Sprache überhaupt und das der Rabbinen insbesondere gehörig zu würdigen weiß. Wilhelm Gesenius wurde am 3. Februar 1785 zu Nord Hausen geboren; nachdem er auf dem Gymnasium daselbst sich vorbereitet, bezog er zuerst die Universität zu Helmstädt, dann die zu Göttin gen. Hier hörte er den damals bereits alten Eichhorn, und das fertige He-

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