Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1842
- Issue
- 46 (8.11.1842)
- Date
- 1842-11-08
- Page
- Spalte 729-730 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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729 Iüd. Alterthumskunde. Die Beschneidung bei den Israeliten. Von Dr. Bergson. 739 Soviel wollten wir jetzt auf die manchmal sehr beleidigenden Ausfälle des Litteraturblattes erwiedern» Hat sich einmal der Sturm und das Gerede gelegt, so werden wir in längeren Artikeln die gegen uns erhobenen Einwürfe zurückzuweisen wissen 5). Recht sehr überraschte uns aber das Verbot der Juden zeitung in Betreff des Ankau'fes unserer Schrift; denn während'wir bisher der festen Meinung lebten, ein Neuerer wisse den Seinen nur zu erlauben, nichts zu verbieten, haben wir uns nun mit einem Male des Gegentheiles überzeugen müssen. — B. Mayer, Prof. d. oriental. Sprachen. Jüdische Alterthumskunde. Die Beschneidung bei den Israeliten. Vom historischen, kritischen und medicinischen Standpunkt. Von Dr. Joseph Bergson. (Fortsetzung.) Moses habe nirgends befohlen oder ermahnt, (erklärt Michaelis weiter,) daß man Jemanden, der nicht Abra- Hamide oder Leibeigner eines solchen sei, beschneiden sollte, außechm Falle er naturalisi'ct zu werden und am Osterfeste Theilzu nehmen verlangte; in den sämmtlichen historischen Büchern des Alten Testaments suche man vergebens nach einer Spur von einer zur Seligkeit für Ausländer, die den wahren Gott erkennen, nöthigen oder auch nur irgend zum Bekenntniß ihres Glaubens erforderlichen Beschneidung, nicht einmal in der Geschichte Naemans^), wo dieser aus Dankbarkeit für den durch des Propheten Elisa's Rath geheilten Aussatz sich zum Herrn bekehrt und seinen alten Götzendienst. abschwört, sei von Beschneidung die Rede. Erst zur Zeit der babylonischen Gefangenschaft wäre die Meinung aufgekommen, daß die Beschneidung zur Seligkeit führe, und hatte in spätem Zeiten viel Anktang und große Verbreitung gefunden, wogegen der Apostel Paulus in seinen Episteln sich erhoben hat. Hier ist es nun, wo Michael.is auf den von uns oben nachgewiesenen Ursprung der spiritualistischreligiösen Auffassungsweise der Beschneidung zurückkommt und als Beleg hierzu das Beispiel des Eleasar H) citti't. Jzates nämlich, König von Adiabene oder Assyrien im daß er Kaufmann erster Gilde war, mehr Spielraum zu Betrügereien gewann. Ree. 4) Wir bieten ihm dazu unser Literaturblatt an. Die Red. 13) 2 B. Könige 5, 15. 17. 14) Jusephus, Antiquitäten Lib. XX, cap. 2, §, 5. engem Sinne, hatte noch als Prinz einen Juden, Ananias, wegen seiner reinen Religion liebgewonnen und sich von ihm in derselben unterrichten lassen. Kurz darauf gelangte der Prinz zur Regierung und wollte nun als unumschränkter Herr seines Willens sich zur israelitischen Religion öffentlich und vom Throne aus bekennen. Er glaubte aber, dieses ohne vorangegangene Beschneidung nicht thun zu können. Die Königin Witwe, seine Mutter Helena fürchtete, daß das assyrische Volk, wenn es erführe, daß sein König sich beschnitten, von ihm abfallen und einen seiner jüngern Brüder auf den Thron setzen würde; sie widerrieth daher ihrem Sohne die Operation und ließ, um sein Gewissen darüber zu beruhigen, den ehemaligen Jugendfreund und Lehrer Ananias über diesen Punkt befragen. Dieser, ein weiser und toleranter Mann, stimmte der Ansicht der Mutter bei und sagte zum Könige: er würde ihn sofort für immer verlassen, wenn er sich beschneiden ließe; der König könne den wahren, einigen Gott nach israelitischen Glauben auch ohne Beschneidung verehren; denn nur in der Erkenntniß Gottes bestände dieser, keineswegs in der Beschneidung. Das Gesetz Mosis schreibe keinem Heiden, wenn er den israelitischen Glauben annehmen wolle, die Beschneidung vor. Der König Jzates folgte diesem Rache eine Zeit lang. Als aber kurz darauf ein jüdischer Religionsschwarmer aus Galiläa, Eleasar, an den Hof des Königs kam, und über den streitigen Punkt vom Könige zu Rache gezogen ward, drang er bei diesem durchaus auf die Beschneidung, als eines der ersten Religionsgebote, ohne die man an der Seligkeit keinen Theil haben könne. Der König ließ sich dazu von ihm überreden, und die Operation an sich nach damaligem Ritus vollziehen. Hier weist nun Michaelis nach, wie Ananias sehr richtig den strengen Unterschied zwischen Naturalisalionsgesetzen und Religionsgeboten gekannt und die Beschneidung zwar zu den erstern, aber durchaus nicht zu den letztem zählen wollte, wie dieses Eleasar in seinem Religionseifer that. Einen fernem Beleg hierzu liefere Josephus 15). Dieser große Alterthums- und Geschichtsforscher, der im Kriege zugleich als Held sich auszeichnete und daher gewissermaßen der israelitische Julius Eafar genannt werden könnte, sing auf einem Streifzuge zwei arabische Häuptlinge ein. Die israelitischen Krieger, die unter seinem Befehl standen, wollten die Gefangenen zur Annahme ihrer Religion und vor Allem zur Beschneidung zwingen. Josephus gab dieses nicht zu, stellte die Krieger zur. Rede und bewies ihnen, daß man in der Religion Keinem einen Zwang anthun dürfe und cs sei jedem zu überlassen, wie ec Gott dienen wolle, ob beschnitten oder un beschnitten. 'Aus allem Diesim gelangt nun Michaelis zum Schlußsatz, daß die Beschneidung blos als ein Requisit 15) Vita Josephi §. 23.