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Der Orient · 1842-11-08 · 46 (8.11.1842) · p. Spalte 733-734

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Journal
Der Orient
Volume
1842
Issue
46 (8.11.1842)
Date
1842-11-08
Page
Spalte 733-734 (sequence 7)
Language
German
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733 Nekrolog: Doctor und -Professor Gesem'us. 734 bräischlesen dieses Begründers der höhern biblischen Kritik fetzte ihn in Erstaunen, da er bisher der Meinung gewesen, dass das Hebräische nicht ohne Stottern zu lesenfei *). Die originelle und ansprechende Lehrweise Eichhorn's mochte es auch gewesen sein, die den strebsamen Geist des jungen Mannes für das Studium der orientalischen'Sprachen, namentlich der hebräischen gewann. Hier begann er bereits als Repetent der Theologie die Vorarbeiten zu seinem hebräischen Lexicon. Im Jahre 1809 erhielt er einen Ruf nach Heiligenstadt, um als Professor auf dem dortigen Gymnasium zu wirken; hier schrieb er seinen „Versuch üb e r di e maltesische Sprache" *). Aber schon im folgenden Jahre wurde ihm eine außerordentliche Professur der Theologie an der Universität zu Halle übertragen, und ein Jahr darauf wurde er zum Ordinarius ernannt. Um diese Zeit erschien sein größeres hebräisches Lexicon, .wovon er 1815 einen Auszug veranstaltete, der fünf Auflagen sich erfreuet3). Im Jahre 1813 hatte er bereits eine kleinere hebräische Grammatik herausgegeben, der 1817 das „Lehrgebäude der hebräischen Sprache" folgte. Von der Grammatik, deren neue Auflagen stets verbessert erschienen, ist vor Kurzem die 13. Auflage herausgekommen. Im Jahre 1815 gab er auf die Veranlassung, daß er zum Dr. der Theologie promovirt wurde, die geistreiche Abhandlung über den Pentateuch der Samaritaner heraus. Als epochemachend für die alttestamentliche Exegetik kann sein im Jahre 1823 erschienener Cvmmentar zum Jesaja, bezeichnet werden. In diese Zeit fallen auch seine, besonders für die biblische Geographie 'wichtigen Anmerkungen zu Burckhardt's Reisen. Nicht unerwähnt dürfen auch die Geschichte der hebräischen Spruche und Schrift, und die Monumenta Phoen i 6 i a e bleiben. Doch das umfassendste Werk seiner schriftstellerischen Leistungen bleibt sein „Thesaurus 1 i n g u ae heb r a e ae ", von dem das erste Heft 1829, und das fünfte 1842 erschien — bei der Radix ^2$ ist er stehen geblieben! -...... ns—ig iDNi ijpn “tetjftii rpch — Nächst der Vollendung des Thesaurus geht für uns auch noch die zweite Auflage des Commentars zum Jesaja verloren Denn als Jemand den Verewigten kurz vor seiner letzten Krankheit fragte, ob das Gerücht gegründet sei, dass er die Freunde des biblischen Studiums bald mit einer zweiten Ausgabe des Commentars zum Jesaja erfreuen werde, erwiederte er: „Im Kopfe habe ich ihn bereits auf's Neue durchgearbeitet; wenn ich daher erst daran gehe, soll er bald *) Dies habe ich aus seinem eigenen Munde. 2) Der vollständige Titel dieser interessanten Schrift lautet: „Vers, über die malt. Spr. zur Beurtheilung der neulich wiederholten Behauptung, daß sie ein Ueberrest der altpunischen sei, und als Beitrag zur arabischen Dialektologie." Schon hier kündigt sich der künftige große Sprachforscher an. 3) Die vierte wurde lateinisch bearbeitet, wobei Dr. Fürst die Stellen verglich. zu Stande gebracht sein" 4 5). — Auch die Geschichte der hebräischen Sprache und Schrift beabsichtigte er auf's Neue herauszugeben, In der letztern Zeit hat er sich auch viel mit einer neuen Erklärung der punischen Stellen im Poenulus' von Plautus beschäftigt; er trug sie im mgern Kreise der exegetischen Gesellschaft vor, wo sie mit dem ungetheiltesten Beifall ausgenommen und für die gelungenste aller bisher er-' schienenen erklärt wurde. Er zögerte, mit Herausgabe derselben wahrscheinlich nur darum, um zuvor noch die in der „Zeitschrift für die Kunde des Morgenlandes" erschienene Ewald'sche zu beurtheilen. Sein Audieorium war stets das zahlreichstes) — denn bei all der Tiefe und Gründlichkeit seiner Forschungen, war dennoch seine Mittheilung methodisch geordnet, war sein Vortrag licht- und geschmackvoll. Seine Aussprache des Hebräischen war ausgezeichnet schön,— während er sich streng an die masoretische Accentuation hielt, unterließ er auch nicht, die Abstufungen der Vokale in Hinsicht ihrer Quantität scharf zu markiren. Seine Vorliebe für die rabbinischen Commentatoren ist weltbekannt, besonders aber stand Jbn Esra bei ihm in grossem Ansehen. . Wie oft hörte ich ihn sagen: „Ja, Jbn Esra, der war der freisinnigste unter den Rabbinen!" — Durch seine Unbefangenheit wie seinen Takt in der Kritik gelang es ihm, die bis zu seinem Auftreten noch immer unter vielen christlichen Theologen heimisch gewesenen Vorurtheile gegen das Studium der Rabbinen zu verscheuchen. Ja, er ist gewissermaßen als der Restaurator (wo nicht als Begründer) der wissenschaftlichen Behandlung der Rabbinen unter den israelitischen Gelehrten selbst zu betrachten. Durch ihn wurde man innerhalb des Judenthums auf die eigenen Schätze aufmerksam gemacht, und lernte sie brauchen; durch ihn-gewann man daselbst die heilsame Ueberzeugung, daß die heilige Sprache, als Wissenschaft, nur im Zusammenhänge mit den übrigen semitischen Sprachen behandelt werden muß.- Welche gesegnete Früchte diese Erkenntniß bereits getragen, ersieht man aus den hohen Leistungen mehrer hervorragender Geister in Israel auf dem orientalisch - philologischen Gebiete. Der Redakteur dieses Blattes, Lebrecht u. A. waren seine Schüler. Und die so vielfach sich kundgebende Strebsamkeit einer nicht unbedeutenden Anzahl israelitischer Jünglinge auf dem bezeichne-' ten Gebiete, berechtigt zu der höchst erfreulichen Hoffnung, daß die Zeit nicht mehr fern sei, in der (wie in der arabisch- 4) Die Vorarbeiten zu seinen Schriften machte er auf die eigenthümlichste Weise. Er verarbeitete Alles im Kopfe, und selbst das Wenige, das er dem Papiere unvertraute, ward so hieroglyphisch abgefaßt, daß es schwerlich von einem Andern aufgelös't werden konnte. Es steht daher sehr um die Entzifferung seines Nachlasses zu fürchten. Doch ist von dem Geiste und Scharfsinn seines Schülers Roediger, dem unstreitig dieses eben so schwierige als wichtige Geschäft übertragen wird, Viel zu erwarten. 5) Die Anzahl seiner Zuhörer stieg nicht selten bis über 400. —

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