Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1842
- Issue
- 46 (8.11.1842)
- Date
- 1842-11-08
- Page
- Spalte 727-728 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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728, 727. .-Xntiltitpunb.gteptif. Antikritik und Replik. Das Litteraturblatt des Orients No. 33. vom 13 tm August enthält den Anfang einer Rezension meiner Schrift „die Juden unserer Zeit re." So mißlich cs an und für sich ist, mit Leuten, die in ihrem Fache alle Einsicht und jede Kenntniß sich allein vindiziren, Allen anderen absprechen, über einen Gegenstand, der dahin einschla'gt, zu rechten; sehen wir uns doch genöthiget, die Redaktion des genannten Blattes auf folgende Punkte aufmerksam zu machen: J. Man macht uns zum Vorwurfe, daß wir die Chassidäer Talmudisten nannten, da sie es durchaus nicht seien. Dagegen antworten wir nun, daß dieses zwar die gewöhnliche, zumeist durch P. Beer veranlaßte Meinung fei, wir aber in jedem Stäbchen in den Gouvernements Podolien und Volhynien mehrere ausgezeichnete Talmudisten mit Namen anführen könnten, die aber alle Chassidäer sind' * * *). 11. Am empfindlichsten glaubte der Herr Rezensent uns wohl damit zu treffen, daß er uns alle Kenntniß des Talmuds abspricht. Wir sind keineswegs gesonnen, hier zu zeigen, daß auch ein Christ a) vom lieben Himmel mit so viel Verstand gesegnet sei, um vom Talmud etwas zu verstehen, können aber nicht umhin, dem Herrn Rezensenten zu bemerken, daß er durch seine Behauptung eben keine schöne Probe von talmudistischen Kenntnissen gegeben habe. Das hebräische Citat nämlich, in welchem jenes Werk genannt ist, dessen Existenz geläugnet wird, enthält neben dem eigentlichen Titel auch noch an dere Worte, die nicht zu diesem gehören, und dieser Umstand, so scheint es, hat die bezeichnete Rüge veranlaßt. Wir setzen deshalb die Worte so, wie sie sich „in den Juden unserer Zeit" finden, nebst der wörtlichen Uebersetzung hierher: rpKön mn N'3önsplpD iW3 d. h. in einer Sammlung von Schriften wird der Rabbi M a i r i z i t i r t. Allerd in gs ist der Titel „ Eine Sammlung von Schriften" sehr uubestimmt und allgemein, allein der Rezensent hätte doch wissen sollen, daß sonst keine unter den hebräischen Schriften diesen Namen hat als die zitirte, und daß die angesehensten Talmudisten derselben in der nämlichen Weise erwähnt haben, wie wir 3). *) Das kann beim Herrn Prof, nur auf einem Irrthum beruhen. Ich, der Recensent, kenne ebenfalls die Chasidim Podoliens und Volhyniens aus eigener Anschauung, und muß bestimmt erklären, daß die Chasidim den Talmud nicht studiren, ja ihn sogar verachten. Ueberhaupt sind diese Chasidim so dumm wie das liebe Vieh; ihr ganzes Leben theilt sich nach zwei Richtungen hm, nämlich in tumultuarischem Beten und in Saufen von Brantwein; alle übrigen Laster schließen sich bald dieser bald jener Hauptrichtung an. Nur die Kotzker Chasidim in Polen studiren fleißig den Talmud. Rec. -) Das glauben wir auch ganz gewiß, aber der Herr Prof, scheint zu denjenigen Christen zu gehören, die nicht den^ Talmud verstehen, und dazu gehören auch in der That sehr viele Christen, sogar protestantische Christen und getaufte Juden. Rec. *) Lächerlicher konnte sich der Herr Prof, nicht machen, NI. Irrthum und Unkenntuiß der jüdischen Angelegenheiten wird uns ferner dadurch vorgeworfen, daß gesagt wird, Rabbi Israel sei Kaufmann, der Vorzüglichste unter den Chassidäern, aber nicht ihr Rabbi. Eine solche Behauptung konnte nur jener machen, der mit den Verhältnissen der russischen Juden nicht gar sehr vertraut ist. Rabbi Israel ist kein Kaufmann und war noch nie ein solcher. Als die Juden in Rußland auf kaiserl. Befehl zum ersten Male Rekruten zur Armee stellen mußten, wurden durch besondere Gnade des Kaisers die Söhne jener Familien, die zu den ersten der drei Rangklassen des Handelstandes gehörten, von der Militairpflichtigkeit befreit. Israel war kein Kaufmann, wünschte aber gleichwohl seine Söhne vor dem schweren zwei und zwanzig jährigen Joche eines russischen Soldaten sicher zu stellen. Er bezahlte daher der Negierung eine bedeutende Summe dafür, daß man ihn als Kaufmann seit Jahren in den Listen aufführen möchte, und um die Sache noch wahrscheinlicher zu machen, entrichtete er sogar jene Steuern, die er als Kaufmann von dem Zeitpunkte an, da er sich als solchen eimragm ließ, hätte bezahlen müssen. Uebrigens war Rabbi Israel nicht der einzige unter den Juden, der dieses that — 4). als daß er diesen seinen wunden Fleck nochmals vorkehrte. Ich behaupte 1), daß der Vers, die hingestellte Zeile nicht verstanden; 2) in Folge dessen natürlich falsch übersetzt; 3) kaum eine Ahnung davon hat, wie lächerlich er sich macht. Wie Ihr Buch den Titel: „die Juden unserer Zeit" führt, so heißt ein Buch:,,^^^;, das Buch ist. nicht eine Sammlung von Schriften, selbst wenn das Wort solches bedeute; so wenig als Ihr Buch „die Juden unserer Zeit" in natura, die Juden sind; dieses wie jenes ist ein Titel. Daß Sie den Titel nicht verstanden, davon will ich absehen; ebenso davon, daß Sie nicht wissen, was das für ein Buch sei; aber sagen Sie mir, wenn Jemand ein Buch citirt, dessen Titel so lautet: „in Schitta Mckubezet citirt der Rabb. Mein," so würde jedermann sagen: hier muß ein Irrthum sein; gerade, als wollte ich Ihr Buch zu irgend einem Zwecke citiren und dann sitzen: viele ein Buch, das den Titel führt „in den Juden unsrer Zeit citirt er den gelehrten Perer Beer," würde dann nicht jeder lachen und ausrufen: solche Büchertitel habe ich noch nie gelesen. Und ganz buchstäblich gleich haben Sie citirt. Sie sagen: „die Commenrare sagen insgesammt und besonders jener, dessen Titel: nwen mn W3D nscpD uBEQ ist." Ueber diesen Punkt, Herr Professor, hätten Lie hinweggehen sollen. — Rec. ' 4) In diesem Satze haben Sie mir also zugegeben. Er bezahlte wie ein Kaufmann erster Gilde, das gestehen Sie mir zu, ob er Handel getrieben, wie ein Kaufmann erster Gilde, darauf kommt's nicht an. Er hat aber noch einen ärgeren Handel als ein Kaufmann getrieben, nämlich den Handel eines Volksverführers. Die Motive, die Sie angeben, warum er sich als Kaufmann hat einschreiben lassen, sind übrigens auch falsch. Wer das Rekrutirungssystem Rußlands kennt, der weiß, daß die Behörden nicht die Individuen zu den Soldaten aufsuchen, sondern die Gemeinde, und welche chafldäische Gemeinde wird wohl aus der Familie ihres Rabbi wählen? Aber der Hauptgrund war, weil er dadurch,