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Der Orient · 1842-11-08 · 46 (8.11.1842) · p. Spalte 725-726

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Journal
Der Orient
Volume
1842
Issue
46 (8.11.1842)
Date
1842-11-08
Page
Spalte 725-726 (sequence 3)
Language
German
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726 725 Ueber Spinoza's theologisch-politischer Lractat. Von Isidor Kaempf. sua 3 Hinweisen und fragen, ob denn auch hier nur von einem '-kleinen Theil der Nation die Rede sei, der über den Jordan gezogen? — Man wollte denn auf die Frauen und Kinder der Stämme Rüben, Gad und Menasse Rücksicht nehmen, die nach Num. 32 und Jos. 22 jenseits des Jordan geblieben. Gleichwohl aber heißt es L. 3, 7: wjn* — Wir sehen also, daß Maimonides in Beziehung auf den fraglichen Gegenstand, nichts weniger als infallibel ist, —und wir haben daher auch keine Ursache (mit unserm Verfasser, dem die Jnconsequenz hier sehr zu Statten kommt), blindlings auf seine Meinung einzugehen. Allerdings ist der Vorzug Mosis vor allen andern Propheten eine conditio sine qua non seiner Lehre; aber nicht in äußern Umständen, wie Persönlichkeit und dergleichen (was auch ganz anti-mosaisch wäre), sondern in der Hauptsache selbst ist er zu suchen. Darüber giebt uns die Schrift den besten Aufschluß. Indem sie in Bezug auf die durch Moses vermittelte Offenbarung den Grundsatz festgestellt: )by rph-N1? ..VDD yiJn ubi (Deut. 13, 1; siehe auch Id. 4, 2), hat sie zugleich den wahren Standpunkt bezeichnet, den Moses allen andern Propheten gegenüber einnimmt; mit diesem Grundsatz hat sie ein bestimmtes Kriterium für alle spatem Prophezeiungen aufgestellt: von da an durfte kein Prophet, wenn seine Worte mehr als momentane Geltung haben sollten"), über die Lehre Mosis hinausgehen. Also in Rücksicht, daß dieser der Vermittler der umfassendsten Offenbarung geworden, überstrahlt er alle seine Nachfolger, deren Wirkungskreis durch die bereits stattgehabte umfassendste Offenbarung schon im. Voraus beschränkt und begrenzt ward. Hiermit ist aber keinesweges gesagt, daß die Erkennmiß aller später» Propheten nothwendig eine mittelbare sein müsse 8). — 7) Der Talmud unterscheidet zwischen NM DN-fln und nnni, n{0iri. erstere kommt allen Propheten zu, in sofern sie nicht gegen die zwei ersten Worte des Dekalogs verstößt, — letztere aber nur dem Moses allein. Aldo motivirt dies in seinem bereits mehrmals erwähnten Ikkarim auf folgende Weise: ^b jtcnbn n:nn p un ’^ru bnan nn *0, '•sj by )b -iDNJty Tnn pi um 'Ov 'V) d’jd Ditsa *">ipdn ve nm 's>o yvw — d. h. auch nicht einmal momentan; by ültfb nDWH ptrfc oarpin* n"o:j 'E> by )b NantfntPbN “D3 W3i "wn D"iDNty'' nm nnmn nbx to toi N-’DJ DW T3 HD )\N, HttfD blö ME)1? MD ntoTrp frsNi py nwi nurbmb ub) d-ijü3 -di ^mb nyt^. Ikk. 111, 18. — Wir möchten hier noch bemerken, daß die etwaige NM NbrNI.I eines Propheten keinesweges als ein Widerspruch gegen die Lehre Mosis angesehen werden kann, da diese selbst in Bezug auf die spätere Aeit ausdrücklich gebietet: ])ymr\ ybto* ■ Vergl. Maimonides, Einleitung zum Commentar über die Mischna. — 8) >121 rw> n3y p N1? soll nur diejenigen treffen, die in der Uebereilung geäußert: pNN, — Demzufolge wird der Grund der Verschiedenheit, die sich zwischen den Propheten in Bezug auf die Darstellungsweise der betreffenden Offenbarungen kund giebt, nicht in ihrer Erkenntniß, sondern in etwas ganz Anderm zu suchen sein. Hierüber soll uns nun folgende Betrachtung Aufschluß geben. Wie wir bereits erkannt, ist Prophetie die unmittelbare geistige Anschauung einer Wahrheit-; der Prophet befindet sich plötzlich im Besitze derselben, ohne erst auf dem schwierigen und unsicher» Weg der Speculation dazu gelangt zu sein; er ist von der Gewißheit derselben durchdrungen, und kein Zweifel kann dagegen in ihm Raum finden. So lange nun sie nur in seinem Bewußtsein lebt, ist sie etwas rein Geistiges, und hat daher weder Form noch Gestalt; so bald sie aber Andern mitgetheilt, und somit gleichsam verkörpert werden soll, muß sie nothwendig, wie jeder Körper, Form und Gestalt annehmen. Diese Operation ist aber nicht zum Wesen der Offenbarung gehörig, sondern nur etwas von Außen Herangebrachtes, und mithin von der Subjectivitat des Propheten bedingt. Sonach verschwinden alle Schwierigkeiten, die unser Vers, in Betreff der zwischen den Propheten hinsichtlich ihrer Darstellungsweise der ihnen gewordenen Offenbarungen obwaltenden Differenzen, zu erheben sich bemüht, — da diese blos die Außenseite, keinesweges aber das Wesen der Offenbarungen berühren. Daß dem aber wirklich also ist, und nicht angenommen werden kann, daß die Prophetie an und für sich blos eine Imagination des Propheten sei, läßt sich'auf's schlagendste aus der Schrift selbst Nachweisen. Die Jmagin ation weiß nichts von Reflexion, am wenigsten von der über sich selbst; sie ist intransitiv, weil sie kein Objekt sich gegenüber setzt, sondern mit dem zu Bestimmenden - identisch ist. Man wird demnach die Imagination sehr richtig als einen Zustand der Selbstbe wu ßtl o sig keit, oder des Mangels aller Re fl ex io r? bezeichnen können. Gleichwohl aber sagt der Prophet Jeremias in Bezug auf die von Gott ihm verliehene Prophezeiungsgabe: ,mjn two ’3^3 rpm ioko" ’-ny -oiN - *6) ‘ü-dtn ~ biN to!?3 nvÄJt, viiDSjn -nsy" — Jer. 20, 9. — Diese Worte liefern den unwiderleglichen Beweis, daß die Prorhetie die Reflexion nicht von sich ausschließt, und sie sind um so wichtiger, als sie über das Verhältniß des Propheten zur betreffenden Prophetie und nächst dem über das Wesen dieser selbst den besten Aufschluß geben. — (Beschluß folgt.) keinesweges aber soll dadurch eine Scheidelinie zwischen Moses, und seinen Nachfolgern gezogen werden; np aber hat mehr Mosis Beruf seinem Umfange nach zum. Gegenstände, nicht die Art und Weise seiner Erkenntniß. Das zeigt besonders der Nachsatz: 'ni n)nwn“W?, der das Vorhergehende erst näher bestimmt. — 46

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