Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1842
- Issue
- 46 (8.11.1842)
- Date
- 1842-11-08
- Page
- Spalte 723-724 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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723 724 Ueber Spinoza's theologisch-politischer Tractat, Von Isidor Kaempf. Mosis und der aller übrigen Propheten stattgehabte j Differenz nicht selten von der Ansicht des Talmuds abweicht 3), ja zuweilen sogar in der Schrift selbst ihre Widerlegung findet. So findet seine Behauptung, daß :• alle Propheten außer Moses die Offenbarungen nur traumend empfangen hatten, in Jos. 3, -7 ihre Widerlegung; daselbst He/ßt" e^: •* Gotj spx^ch zu Josua: OM Dyi briN mn, wobei Josua unmöglich im Schlafe sich befunden haben kann, indem aus dem - vorhergehenden V. deutlich hervorgeht, daß man sich bereits auf dem Zuge befand; auch wird. er. bei. den Worten ^PIN schwerlich gezittert haben ^). Dasselbe gilt auch von der nach 1 Sam. 3, 4 ic. dem jungen Samuel zu Theil gewordenen Offenbarung. Denn als Eli sich überzeugt hatte, daß es der Herr sei, der dem Knaben zurief, lehrte er diesen eine Antwort auf einen etwaigen fernecn Ruf, was er keinesweges gethan haben würde, wenn ec der Meinung gewesen wäre, daß Samuel, um einer Offenbarung theilhaft zu werden, erst in den Schlaf gerathen müsse, indem ja der Schlafende unmöglich einen Gebrauch von der ihm in den Mund gelegten Antwort hatte machen können. Gleichwohl aber lesen wir, daß Samuel gethan, wie Eli ihm geheißen''). Auch zeigen ja die muntern Worte: nNip '1, Dl, mit denen der bereits dreimal Getauschte (LI). ib. 8) zu seinem vermeintlich ihn rufenden Lehrer hineilt, von der unbefangenen heitern Stimmung des gottgeweihten Jünglings. Nicht minder wird die Behauptung, daß alle Propheten außer Mo sie s nur zu. gewissen Zeiten Offenbarungen erhalten konnten, durch 2 Reg. 3, 15 widerlegt. Denn wenn auch nach dieser Stelle der Prophet Elisa erst einer Vorbereitung zur Erlangung der Offenbarung bedurfte, so geht doch nicht weniger daraus hervor, daß die fragliche Vorberei- 3) So sagt er $.'35. im More Nebuchim II, 33: y\Djnjon irn *6 dd in loyoiip S inii' ii' riy Nim, 111 rob nmb min ^>in, Vi&y'-bb in ypw.no. din' Mi5? ui inn minn1?, — während es doch im Talmud entschieden ist: .ID' N^>1 *OJN üiyüüf »HHD Makkot fol. 24 a. Er sucht zwar, diesen talmudischen Ausspruch mit seiner Behauptung in Uebereinftimmung zu bringen, aber auf keine befriedigende Weise. Vergl. Jkkarim tu, 18, worauf wir nochmals zurückkommen werden. — 4) Die Stelle Dan. 10, 8. die Maimonides als Beleg seiner Behauptung citirt, beweist nichts, da Daniel kein Prophet war, wie solches durch die Stelle seines Buches im Kanon hinlänglich bekundet wird. Man vergl. besonders folgende Stelle im Talmud: ,f^ob *?ND1 'JN 'D'Nli uw jnd> 'di iNi xb ’dj/ ivi *wn Dmvm ,iN-iai-nN -.N2N -O N«n Dl NET) ’N) HTTP DUDN —?D'WN.1 111’NI, 1')'!2 'DDJ? TON *, 'Dl DN^Dl , 1HHDT , MH .11 Nil ND3 IN1? 11'Nl, 'NDJ" — Megilla fol. 3 a.— 5) Daß Samuel den Namen Gottes wegließ, zeigt um so mehr von seiner ruhigen Fassung, die ihm zu erwägen gestatte, ob es auch wirklich der Herr sei, der ihn gerufen. tung, zw welcher ihm die Mittel stets zu Gebote stattden, ihren Zweck nicht verfehlte, mithin die Erlangung der Offenbarung nur von ihm selbst bedingt war^). Und wie oft findet man nicht, daß Propheten auch ohne alle Vorbereitung zur Offenbarung gelangten l Der Prophet Mich aj hu den Zimla tritt, vor den König Ach,ach. hU,, und,, ohne erst Men,, W, zur Vorbereitung in Anspruch zu nehmen, ruft er dem Könige zu: yDtt/!M 111; 1 Reg. 22, 19. Daß hier aber nicht von einer langst erhaltenen Offenbarung die Rede sei, ersteht mau, deutlich aus Vers> 14 des angeführten Kapitels, wo der Prophet der fraglichen Offenbarung als noch bevorstehend Erwähnung thut, indem er sagt: M 'N 'Dl IDfcÖ 12N -n« D. — Die Ansicht des Maimonides über die zwischen der Prophetie Mosis und der aller seiner Nachfolger stattgehabten Differenz muß aber um so unzuverlässiger erscheinen, als er selbst in ihren nähern Bestimmungen sich schwankend zeigt. In der bereits angeführten Stelle des Mischna-Commentars, sucht er die fragliche Differenz, wie wir gesehen, in vierfach er Beziehung zu bestimmen, — dies genügt ihm jedoch im More Nebuchim nicht; Th. 2 Kap. 35 des hier genannten; Buches bemüht er sich, die in Rede stehende Differenz zwischen Moses und den übrigen Propheten auch auf die Wunder auszudehnen, indem, er sagt: pjyn pi ■nio dj'n rn-niiN -o,, inbiMiiN’iiJDi tdin^id uy Sun : D'N'U.l IN# was er noch naher bestimmt mit den; SBorten: wyj in D'N'IJ.i DiNi#y ii#n niN^Din-!?1 ywStf\ in'^N niniNi, din ^ao ditp du mn, an*? .1111.1 niM.i .161; du n^o rfrn N'11 -*?i niniN pi 111 ,n'd.iidi niniN nwywrhyb ndj cip n^, ii vbp rwyw ioi )Sypbinm h hindu, njikmi iniN.i Dy^ hiniNi-b1? 111 uy n'U np n^i : hon nihi-, nm bxyDy1?-in. — Den Einwürfen, die ihm etwa aus Jos. 10, 12 und 1 Reg. 18 gemacht werden könnten, sucht er' durch die Bemerkung, zu begegnen, daß es von Josua nur heißt: *?nu#' Dy1? IriNi, und nicht >N1L7' -^1, wie von Moses, und was das Wunder des Propheten, Elias am Berge..Karm ei betrifft, so wäre dabei nur ein kleiner Theil der Nation gegenwärtig gewesen. — Abgesehen aber von dieser — wir müssen gestehen — etwas spitzfindigen Ausflucht, möchten wir auf Jo- 6) Daß Elisa zur Prophezeiung erst eines Saitenspiels bedurfte, wird Pesachim sol. 117 a durch die Bemerkung erklärt:'-ntiyy..■-pno.»TW »DXM j\\\ Diesen Ausspruchs scheint unser Vers, im , Auge zu .Wen, wenn er etwas gereizt sagt: ,,Q.uod autem alii dicere volunt, Deum iratis et tristibus non revelari, ii quideni somniant“. Tr. Cap. II. — Allein er selbst träumt. Der erwähnte Grund des Talmuds ist ein sehr vernünftiger, und findet m der Schr. vielfache Bestätigung. — .