Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 46 (8.11.1842)
- Date
- 1842-11-08
- Page
- Seite 367 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 77% known words query
- IRI
…/2360092-2360201-2360248--2720-3529807- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
367 Die Anordnung wird, wie Jeder mit uns für das Zweckmäßigste halten wird, rein chronologisch sein. Da jedoch die ganze Menge der vorhandenen Urkunden uns keinesweges zu gleicher Zeit zu Gebote steht, so werden wir sie serienweise liefern und zwar so, daß jedesmal die von einer Serie umfaßten Urkunden chronologisch jgeordnet sein werden. Ueber eine jede Urkunde werden wir der leichtern Uebersicht halber ihren Hauptinhalt mit wenigen Worten, Ort und Zeit der Ausstellung, unter jede die Bücher, in denen sie bereits abgedruckt sind, und jeder lateinischen eine deutsche Übersetzung zur Seite hinzufügen. — Serie I. Erste Urkunde. Bischof Rüdiger von Speier giebt den Speiecschen Juden einen abgesonderten und mit einer Mauer umgebenen Stadttheil, einen Begrabnißplatz, eigene Gerichtsbarkeit und mehrere andere Privilegien. 1084. 13. In nomine sanctae et individuae Trinitatis. Ego RudigeruSy qui et Ruozmannus cognomine, Nemetensis qualiscunque Episcopus. Cum ex Spireusi villa urbem facerem , putavi melius amplificare honorem Loci nostri, si et judaeos coLLigerem. Collectos igitur locavi extra communionem et habitationem caeterorum civium, et ne pejoris turbae insolentia facile turbarentur, muro eosdem circumdedi: Locum vero habitationis eorum juste acquisieram; primo namque clivum partim pecunia, partim coinmutatione: Vallem autem dono cohaeredum accepi; Locum, inquam, illuin tradidi eis ea conditione, ut annuatim persolvant 111. Libras et dimidiam Spirensis monetae ad communem usum Fratrum; attribui etiam eis intra ambitum habitationis suae et e regione extra usque naralem portum et in ipso navali purtu, liberani potestatem coinmutandi aurum et argentum, emendi vero et vendendi omnia quae placuerint, eandemque licentiam tradidi eis per totam civitatem» Dedi insuper eis de praedio Ecclesiae locum sepulturae sub haereditaria conditione. Illud quoque addidi, ut si quis judaeus aliunde apud ipsos hospitatus fuerit, nulluni ibi solvat Teloneum; Deinde, sicut Tribunus Urbis inter cives; ita Archisynagogus suus oninem judicet querimoniam quae contigerit inter eos et adversus eos. At, si quam forte determinare non potuerit, ascendat causa ante Episcopum. civitatis , vel ejus Camerarium. Vigilias, tuiciones, municiones circa suum tantummodo exhibeant ambitum; tuiciones vero communiter cum servientibus; Nutrices et conductitios servientes ex nostris licite habeant; carnes mactatas, quas viderint sibi illicitas secundum Legis suae sanctionem, licite vendant Christianis, licite emant eas Christiani. Ad summam, pro cumulo benignitatis concessi illis Legem, quamcunque meliorem habet populus judaeorum in qualibet urbe Teutonici Regni. Quam Traditionem, atque concessionem, ne aliquis meorum successoruni ejus pejorare, veL ad majorem censum eos constringere valeat, tan quam ipsi lianc conditionem sibi usurpaverint et non ab Episcopo ac- September. Im Namen der heil, und untheilbaren Dreieinigkeit. Ich Rüdiger, auch Huozmann zubenamt, Bischof von Speier. Als ich den Weiler Speier in eine Stadt verwandelte, glaubte ich die Ehre unseres Ortes noch zu vergrößern, wenn ich die Juden vereinigte. Ich brachte sie darauf außerhalb der Gemeinschaft und dem Zusammenwohnen mit den übrigen Bürgern, und damit sie durch den Uebermuth des Pöbels nicht beunruhigt würden, umgab ich sie mit einer Mauer. Ihren Wohnplatz habe ich auf gerechte Weise angeschafft, den Hügel nämlich zuerst theils durch Geld, theils durch Lausch, das Thal erhielt ich von (einigen) Erben als Geschenk. Jenen Ort, sage ich, übergab ich ihnen unter der Bedingung, daß sie jährlich drei und ein halbes Pfund Speierschen Geldes zum gemeinsamen Verbrauch der Klosterbrüder zahlen. Innerhalb ihres Wohnplatzes und außerhalb bis zum Schiffshasen und in dem Schiffshasen selbst gab ich ihnen das Recht, Gold und Silber frei zu verwechseln, und alles Beliebige zu kaufen und zu verkaufen, und eben dieselbe Freiheit gab ich ihnen durch die ganze Stadt. Außerdem gab ich ihnen vom Besitzthum der Kirche einen Begrabnißplatz mit erblichem Rechte. Auch gestattete ich, daß ein fremder Jude, der sich bei ihnen vorübergehend aufhalten wird, keinen Zoll zu zahlen habe; sodann daß, wie der Stadtvogt unter den Bürgern, ihr Erzsynagog Klagen, die zwischen oder gegen Juden erhoben werden, zu entscheiden habe. Ist dieser aber den Streit beizulegcn nicht im Stande, so soll die Sache vor den Bischof oder seinen Kämmerer gebracht werden. Nächtliche Wachen, Vertheidigungen, Befestigungen haben sie bloß innerhalb ihres Gebiets zu verrichten; die Vertheidigungen aber gemeinsam mit den Sklaven; Ammen und Knechte auf Miethe können sie von den Unserigen haben; geschlachtetes Vieh können sie, wenn es ihnen nach ihrem Gesetze zu effen nicht erlaubt ist, an Christen verkaufen, und dm Christen ist es zu kaufen erlaubt. Endlich als Gipfel meines Wohlwollens habe ich ihnen Gesetze verliehen, die bester sind als sie das jüdische Volk in irgend einer Stadt des deutschen Reiches besitzt.! Damit diese Vergünstigung und Verleihung Keiner meiner Nachfolger verringern, oder sie zu größerer Abgabe zwingen möchte, als ob sie diesen Zustand sich widerrechtlich zugeeignet u. nicht von einem Bischöfe empfangen hätten, habe ich diese Urkunde.