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Der Orient · 1842-11-08 · Heft 46 (8.11.1842) · p. Seite 365

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Journal
Der Orient
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 46 (8.11.1842)
Date
1842-11-08
Page
Seite 365 (sequence 9)
Language
German
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365 x kann in Folge dessen als Rabbiner gewählt werden, rr wird mit einem Worte dadurch wahlfähig*). Noch aber hat die Magdeburger Gemeinde ihn nicht zu ihrem Rabbiner creirt, und, sich Rabbiner zu nennen, ohne bei irgend einer. Gemeinde als solcher angestellt zu sein, muß darum als ein ziemlich starker Grad von Anmaßung betrachtet werden, dem gebührender Weise von Seiten des Gemeinde-Vorstandes Einhalt gethan werden sollte; um so mehr, als diese, wirklich seltene Willkühr den Herren Aeltesten durchaus nicht unbekannt geblieben sein kann, indem bei Verwendungsschreiben für Hülfsbedücftige, die doch zweifelsohne auch in ihre Hände gelangen, der Herr Religionslehrer sich ja „Dr. Philippson, Rabbiner" unterzeichnet. — Die Wahrheit des Gesagten kann jedes hiesige Gemeinde-Mitglied bezeugen*— M. * * * Ich wiederhole hier das schon oben Nro. 39. in einer Anmerkung Gesagte, daß ich bereit bin, Hrn. Philippson, auf Verlangen, den Namen seines Gemeinde-Mitglieds zu nennen; ich ersuche Hrn. Philippson daher, bevor er seine Kanäle der Gemeinheit öffnet und ganze Pfützen von Scheltworten über wich ausgießt, er sich nach dem Schreiber erkundige, und sich selbst Rechenschaft abtege. Sonst glaubte ich, Hr. Philippson da Sie sich Geistlicher, in der letzten Zeit gar sich Rabbiner schrieben, da Sie selbst in Ihrem Blatte sagen, daß Sie den ganzen Lag die Bibel auf dem. Pulte aufgeschlagen haben und nach dem blauen Himmel sehen, selbst wenn er umwölkt ist, daß Sie kein böses, unfriedsames Wort über die Lippen bringen können; Sie haben das Gegentheil bewährt. Sie können schimpfen wie ein Eckensteher, und doch dabei stolz sein wie ein Geistlicher. Wort zu halten, halten Sie für eine überflüssige Lugend, und obgleich Sie dem Publikum versprochen, daß Sie nie mehr über mich ein Wort sprechen , würden, so glauben Sie sich nicht dadurch gebunden. Sie haben gesprochen von einem „letzten Wort", diesem folgte wieder ein „letztes", und so wird es wahrscheinlich wie bei den Seiltänzern fortgehen. Ich habe nicht versprochen ein „letztes Wort" und doch halte ich es als entwürdigend für mich, mit Ihnen zu streiten; aber ich gebe Ihnen mein Wort, daß mein Blatt, so lange ich leben werde und in Deutschland bleibe, fortfahren wird zu erscheinen; daß ich nie aufhören werde, so lange noch ein Fetzen von Ihrem Blatte erscheinen wird, das Gemeine in demselben, die Arroganz, die Aufge- *) Durch ein solches Documcnt und von einem solchen Manne wird man nicht einmal wahlfähig. Ein Mann, der nicht im Lalmud lesen kann, der noch bei seiner Anstellung den hebr. Text sich mit deutschen Lettern hat aufschreiben muffen, um ihn lesen zu können, ein solcher Mann sollte sich nicht so vergessen und Rabbiner sein wollen. Ist aber auch der greise Friedländer zu bedauern und scheint er auch mit geistiger Blindheit geschlagen zu sein, so ist es Hr. Philippson noch mehr. Ein Mann der dem Laufbecken so nahe stand, als er zum Religionslehrer nach Magdeburg berufen wurde, sollte nicht Rabbiner sein wollen, und sich nicht hervordrängen, als Vertreter der Juden zu erscheinen. blasenheit, die Wichtigthuerei, die Miene, als hätten Sie ganz Israel in der Lasche, als wären .Sie Protektor aller Gemeinden, als wären Sie berufen, sie dem Staate gegenüber zu vertreten, — zu geißeln und zu züchtigen. Sie haben durch Ihr arrogantes, sich hervordrängendes Auftreten noch nichts ausgerichtet; die jüdisch-theologische Facultät, die Hr. Dr. Geiger so trefflich angeregt , haben Sie durch Ihr stolzes, absprechendes, das liebe Ich nur berücksichtigendes Auftreten zu Grabe getragen. Fragen Sie Hrn. Dr. Löwe, ob Sir Moses Montefiore mich weniger achtet, obgleich ich offen gegen die Sammlung war; ich bin nicht so selbstsüchtig und unklug, seine Briefe abdrucken zu lassen. Fragen Sie an geeignetem Orte in Petersburg, wer einen Plan über Organisirung jüdischer Schulen in Polen und Rußland eingesandt und wer den Dank des Ministers der Volksaufklärung erhalten; aber es ist mir nie in den Sinn gekommen, damit zu prahlen, am Allerwenigsten indiskret zu se . Härte ich berichten wollen, wie ganz Anderes hätte ich über die russischen Schulen zu berichten? Alle dergleichen Lockmittel vermeide ich in meinem Blatte, und wie konnten Sie nur glauben, daß ich deßhalb eine solche Geißel führe, um Abonnenten zu erhaschen. Abonnenten erhält nur der, der sich mit Allen verträgt, ein Blatt das alles gehen läßt, wie cs geht, das durch einen populären klatschenden Lon einschläfert, das jede Seifenblase für ein Gebirge ausgiebt, welcher bei dem Publikum durch das „wir" zu imponiren sucht u. s. w. — Seit dem Erscheinen des „Orients" scheinen Sie Hr. Philippson es sich zur Pflicht gemacht zu haben, meine Person mit Schmähungen aller Art und mit allen nur erdenklichen Gemeinheiten, wie sie nur in dem Herzen eines falschen Propheten wohnen, zu überschütten, da mein Blatt seiner höhern wissenschaftlichen Tendenz wegen, Ihnen keinen Anhaltspunkt zu bieten scheint. Es war der 1. Jan. 1840, als die erste Nummer des „Orients" erschien, und kaum hatten Sie die erste Nummer in Händen, so ließen Sie in die A. Z. d. I. (Iahrg. 1840 S. 45) einrücken: „Wir ersuchen die löblichen Redactionen einiger jüdischen Zeitschriften, nicht mehr lange Spalten aus unserer Zeitung abzudrucken, oder die darin gegebenen Artikel zu verarbeiten. Der Kreis der jüdis6)en Literatur ist zu einfach^!), um einmal Gegebenes drei oder viermal vor dem Publikum zu reproduciren." Der „ Orient" ist aus dem Bedürfniß entstanden, der jüdischen Literatur und überhaupt der höhern Auffassung der jüdischen Zustände ein Organ zu verschaffen, da von einem andern materiellen Nutzen bei der Popularität und Verbreitung der A. Z.' d. I. nicht die Rede sein konnte. Wer die nun bald 3 Jahr alte erste Nummer nur oberflächlich angesehen, wird mir eingestehen müssen, daß schon in jener ersten Nummer die Wege des „Orients" von denen der A. Z. d. 2. wie Ost von West verschieden waren, und jeder Unbefangene, der die nun bald vollendeten drei Jahrgänge durchgebUckr, wird mir zugestehen, daß diese Verschiedenheit sich bis jetzt bewährt, und doch dieser Angriff schon beim Erscheinen der ersten Nummer! Wäre es mir um einen Geldvortheil zu rhun, so wäre das Unternehmen wohl das Ungünstigste der Welt. Sie bekommen für die Redaction ein Bedeutendes, ich redkgire das Blatt ganz umsonst und bezahle noch sehr Vieles aus meiner Lasche; das würden mir meine Freunde bezeugen. Ich habe überhaupt noch nie in meinem ganzen Leben einen materiellen Vortheil von. meinen Glaubensbrüdern erhalten; außer der Achtung, die ich bei ihnen genieße, kann ich mit Recht Red.

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