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Der Orient · 1842-11-08 · Heft 46 (8.11.1842) · p. Seite 362

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Journal
Der Orient
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 46 (8.11.1842)
Date
1842-11-08
Page
Seite 362 (sequence 3)
Language
German
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362 häufige Streitigkeiten zwischen ihnen, den Griechen, die ihre Partei ergriffen, und den Juden vorgefallen. Unter dem Einfluß dieser Gefühle des Haffes drangen am 15. August.mehrere griechische Matrosen in das Haus eines Juden zu Galata; Niemand befand sich darin als Weiber und Kinderdie alsbald um Hilfe zu rufen begannen. Auf dies Geschrei kam ein Slavonier herbei, und. machte Anstalt, die Griechen hinauszuwerfen, die aber nun mit ihren Meffern auf ihn eindrangen. Er aber, ein kräftiger Mann, der auch feinen Dolch bei sich führte, gebrauchte diesen mit solcher Wirkung, daß zwei der Angreifer todt auf dem Platze blieben, als die Wache herbei kam und ihn ins Gefangniß führte. Die Armenier und Griechen haben nun, wie es scheint, eine gemeinsame Verabredung getroffen, in keine weitere Berührung mit den Juden zu treten, und selbst Andere, hierdurch in Besorgniß versetzt, haben jeglichen Verkehr mit dem verlaumdeten Volke aufgehoben. Der Oberrabbiner hac dem Gcoßvezier Vorstellungen gemacht, der das Versprechen gegeben, dazwischen zu treten, und den Behörden befohlen hat, diesem beklagenswerthen Zustand der Dinge ein Ende zu machen. Times. Deutschland. Hamburg, 12.Oct. (Neuere Intoleranz.) Es ist ein sehr trauriges Zeichen, wenn in einer so viel von Aufklärung und geistigen Fortschritten redenden Zeit hie und da Thatsachen austauchen, wie man. sie kaum im Mittelalter hatte erwarten sollen. Vor einigen Wochen trug sich eine Begebenheit zu, die wegen eines dabei zur Sprache gekommenen Faktums wohl verdient, in weitern Kreisen bekannt zu werden. Ein junger Mann jüdischer Religion, der die Rechte studirt hatte, wünschte, da er in Jena seine Studien begonnen, dort auch zu promoviren. Er wandte sich deshalb erst behufs näherer Erkundigung an einen dortigen Professor, der nach einiger Zeit, vielleicht im richtigen Gefühle, wie wenig ehrenvoll die ganze Wahrheit für die Universität sei, erwiederte, ältere Statuten verhinderten die Pcomovirung eines Juden. In der Zwischenzeit jedoch hatte er sich schon an den Decan selbst gewandt, von dem er nach einigen Tagen folgende Antwort erhielt: „Ew. Wohl, bedauere ich lebhaft, auf Ihre geehrte Zuschrift erwiedern zu muffen, daß nach höchst bestimmten Vorschriften der Durchl. Erhalter unserer Universität vom Jahre 1830 der hiesigen juristischen Facultac die Graduirung eines Bekenners des mosaischen Glaubens untersagt ist. Hochachtungsvoll Ihr ergebenster C. Guyet, b. Z. Decan. Jena, 17. August 1842." Wir können nicht verhehlen, daß dieser Brief auf uns einen sehr traurigen Eindruck, wir möchten sagen den Eindruck des Mitleids mit Regierungen machte, die im Jahre 18 30 sich bewogen finden konnten, ausdrücklich den Juden die juristische Promotion auf'ihrer Universität zu verbieten. Mit früheren Zeiten ist nicht viel zu rechten, Unduldsamkeit lag in ihrem Geiste, daß aber das neunzehnte Jahrhundert noch solche Erscheinungen bietet, ist im höchsten Grade betrübend. Cs ist hier doch nicht von einem direkt auf das Wohl und Wehe des Staates Ein. fluß übenden, nicht einmal auf irgend eine amtliche Stellung sich beziehenden Verhältniß die Rede, wo der Vorwand des der heutigen Intoleranz so oft im Munde liegenden sog. christlichen Staates hatte erhoben werden können — man weiß, wie geringen Einfluß in bürgerlicher nnd socialer Beziehung ein Doctortitel in unserer Zeit ausübt. — Oder kann es irgend einen haltbaren Grund für eine solche Ausschließung geben? Man wird doch unmöglich einem ganzen Volksstamme die Fähigkeit zu juristischer Ausbildung bestreiten wollen; geht ja zumal der jedesmaligen Promotion eine Würdigung der besonder» Befähigung voraus, man hatte sich also an das Individuum halten sollen. Oder liegt in dem Doctortitel und dem jüdischen Bekenntniß etwas schlechthin mit einander Unvereinbares? Gewiß nicht. Wie wenige deutsche Universitäten möchten wohl in dieser Beziehung an irgend eine Unterscheidung denken, selbst im streng katholischen Oesterreich kann der Jude doch wenigstens Doclor juris Chilis, wenn auch nicht canonici werden. Man möchte also nicht irren, wenn man den Grund der oben angeführten Ausschließung in einem Geiste religiöser Intoleranz sucht, der wahrlich unserm Jahrhundert wenig zur Ehre gereicht-. Ein Hamburger Jurist. Hamburg, 24. Octe Durch ein, Sonnabend den 22. Oct. veröffentlichtes Decret des Senates ist die Wahl der Herren Joel von Halle und Samuel Levy (der schon früher dieselben Funktionen bekleidete) zu Obervorstehern (Paruassi'm) der Hamburger hochdeutscheisraelitischen Gemeinde bestätigt worden. Herr Samuel Levy tritt für den verstorbenen.Herrn Isaak Hartvig in die Cultuskommission ein. . Hamburg, 28. October. (Wochenbericht über jüdische Verhältnisse. 20 — 27. Octbr.) Die Verhandlungen, welche im verwichenen Sommer im norwegischen Storthing über die Aufnahme oder die ferner fortdauernde Ausschließung der Juden geführt wurden, sind nur in spärlichen Fragmenten zu uns gelangt. Schon über das, was in Dänemark und Schweden die Gemüther bewegt, ist man in Deutschland sehr unvollkommen unterrichtet und ist vollends in unseren Zeitungen von Norwegen die Rede, so erscheint uns dies Land noch immer wie in kimmerisches Dunkel gehüllt und unwillkürlich erwachen die Gedanken an die ultima Thule oder an die Hyperboräer. Es bleibt nichts übrig, als sich an Bücher zu halten, in denen die Entstehung l des jetzigen norwegischen Staatsgebäudes ausführlich dar-

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