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Der Orient · 1842-11-01 · 45 (1.11.1842) · p. Spalte 713-714

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Journal
Der Orient
Volume
1842
Issue
45 (1.11.1842)
Date
1842-11-01
Page
Spalte 713-714 (sequence 5)
Language
German
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713 Jüdische Ätterchrrmskunde. Die Beschneidung bei den Israeliten. Don Dr. Bergson. 714 Schwache, wobei Natan-wohl an kaLigalu8 dachte. Chajes a. a. O. erklärt pp'N) v&mol, Sittlichfromme. Es scheint mir. überhaupt von fatigare abgeleitet werden zu müssen; denn fatigare heißt doch ursprünglich fatim agvre, viel und oft thun, welches so ziemlich mit &EQcc7t£veo, woher die Essäer auch Therapeuten genannt worden, übereinstimmt. Daß Therapeuten aber die griechische Uebersetzung von ndn, heilen, ist, woher sie genannt wurden, indem sie durch strenge und häufige Ausübung der Lugend die Seelen heilten, das hat Bellermann S. 7 dargethan. Auch im Darkei Mosche S. 6, a (Zolkiew 1840) kommt Chajes auf die Essäer zu sprechen und führt für die Meinung, daß dieselben mit den Watikim identisch seien, noch an pDHpnDnpra mn, nämlich, wie ich glaube, Hrn.Nachman Krochmal. Wenn Chajes aber daselbst meint, daß das nriDttD im Talmud Chagiga 20, a p ivv bw nfiDttD rtipn riinia by rr>n iw (vergl. die Mischna das. 18, d) von der Schürze, n£QlrQco[icc, zu verstehen sei, welche die in den Wund der Essäer Aufgenommenen im ersten Jahre erhalten, nach Josephus vom jüdischen Kriege 2, 8, 7, so scheint derselbe hier der Wahrheit nicht entsprochen zu haben; denn es heißt daselbst auch: by NlJUtt p prw DNDn!? d*yid mnDBD nmni w ho anipn mruo, welches vom vorigen nnDBD wohl nicht verschieden ist und nicht zu. den Gebräuchen der Essäer paßt. Eben so unpassend wird daselbst die Beraita im Talmud Bechorot 30, b jpDpß CPD-pl? von den Aufgenommenen bei den Effa'ern erklärt, so daß unter jene Kleider oder Symbole bedeute; worunter wohl das Händewaschen zu verstehen ist, wie es Raschi, Maimuni und Naran im Aruch nehmen. Die Entstehung dieser Bildungsrichtungen ist wohl allma'lig gewesen durch die Umstände und Verhältnisse herbeigeführt, wie dies Jost Gesch. des isr. Volkes 1. S.5l7. entwickelt hat. Wenn Plinius Naturgeschichte 5, 15 die Essäer eine außerordentlich lange Aeit bestehen läßt per seeuloruin rnitlia, so liegt hier eine Uebertreibung und zugleich eine Verwechselung der Essäer mit dem ganzen isr. Volke zu Grunde. Er kann daher schwerlich Rapaports Vermuthung bestätigen, Bikure Ha-Jttim 1823. S.62, daß die- Essäer Abkömmlinge von Jonadab den Rechab seien, deren Jer. 35, 19. 2 Könige 10, 15. Erwähnung geschieht. Wahrscheinlich hat sowohl die pythagoräische als auch die stoische Philosophie Einfluß auf sie ausgeübt. Vergl. Jost Geschichte 9. Bd. im Verzeichniß S. 51. Merkwürdig ist, daß auch Philo in der verlornen Schrift „die Vertheidigung der Juden" in einem Fragmente,' das uns Eusebius Praep. ev. 8, 11 aufbewahrt hat, nach Bellermann a. a. O. der Meinung ist, daß Moses schon die Gemeinschaft der Essäer eingeweiht habe. Dies streitet aber so sehr mit dem Geiste der mosaischen Lehre, welche das ganze Volk Israel ein &£/np Q)) heißt, daß man dies fast zu den Beweisen rechnen kann, der Verfasser der phitonischen Schriften sei kein Jude gewesen. M. Heß in Trier. Jüdische Alterthumskunde. Die Beschneidung bei den Israeliten. Vom historischen, kritischen und medicinisch en S tandpunkt. Von Dr. Joseph Bergfon. (Fortsetzung.) 3. Die national-politische Ansicht. Lund. Spencer. Michaelis. Es ist eine zwar bereits im Pentateuch angedeutete, aber erst von den spateren Alterthumsforschern und Kritikern streng durchgeführte und bis zur Evidenz erhärtete Behauptung, daß in der Beschneidung, als einem rein mosaischen Rechtsstatut durchaus kein anderer, als ein nationaler, politischer, gleichsam staatsbürgerrechtlicher Inhalt enthalten sei, und daß dieselbe, mit Ausschließung aller ihr fälschlich untergeschobenen religiösen Momente, erst durch diese national-politische Anschauungsweise in ihrem eigentlichen Werthe erkannt werde. Der erste, der diese Ansicht zu vertreten suchte, ist Johann Spencer. Denn sein Zeit- und Fachgenosse, Johann Lund, hat diese Ansicht weder gewürdigt, noch überhaupt gekannt, obgleich das Werk von Lund aus dem 1.1704, achtzehn Jahre spater erschien als das von Spencer. Lund betrachtet die Befchneidung zwar in. Bezug auf die Beobachtung der Gesetze Mose's, allein mit entschiedener Hinneigung, diese Gesetze nicht als politische, staatliche, sondern blos als ceremonielle aufzusassen. So sagt er unter Anderm *): Wollte Jemand aus den andern Völkern dem Volke Israel in der Religion gleich werden, mit in diesen Bund treten, das Gesetz Mosis mit ihnen halten, und ein Fremdling der Gerechtigkeit werden, so mußte er sich nothwendig beschneiden lasten, sonst konnte er dazu nicht gelangen. Zwar stand es in seinem freien Witten, ob er das mosaische Joch auf sich nehmen wollte, oder nicht; denn, weil das Ceremonialgesetz den Kindern Israel absonderlich gegeben war, und sie eigentlich verband, ward Niemand von Fremden diese ihre Religion auzunehmen gezwungen, wo er nicht selbst wollte, wie aus Maimonides bekannt ist. Wenn er es aber auf sich zu nehmen beschloß, stand es nicht mehr in seinem freien Willen, ob er sich beschneiden lasten wollte, oder nicht, sondern so fern ec dem Volke Gottes in der Religion in Allem wollte gleich sein, mußte die Befchneidung an ihm vollzogen werden. Und hier citirt Lund die Stelle aus Exod. 12, 48. und beweist aus ihr gegen Möller: lucinism. p. 689, daß die Israeliten keinen Proselyten zu ihrer Religion zu bekehren suchten, und daß die Befchneidung blos der erste Akt gewesen ist, durch den die Fremdlinge zum 1) Die alten jüdischen Heiligthümer, Gottesdienst und Gewohnheiten. Opus posthumum von Juharmes Lundius. 1704. S. 816.

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