Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1842
- Issue
- 45 (1.11.1842)
- Date
- 1842-11-01
- Page
- Spalte 711-712 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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712 711 Literarische Miscelle. Die Essäer, von M. Heß. Essäer re. Berlin 1821" kommt S. 147 aus demselben Grunde auf den nämlichen Schluß und erklärt sogar den Namen pDlfTO „als offenbar zusammengesetzt aus Bart und Osin, und po^ve, -fo daß Mef, da es in die Mitte vor Vav zu stehen kam, ausgefallen ist. So wie nun Bait-Hillel das Haus, die Schule Hillels, Bait - Schammai, die Schule Schammai's d. i. die Schüler oder Mitglieder der Lehre Hitlels, Schammai's rc. bezeichnet, so kann Bait - Osin die Schule der Osener, der Osäer, Essäer, andeuten." Dagegen bemerkt Jost, Geschichte der Israeliten 3, Anhang S. 139. nachdem mehrere Stellen angeführt werden, wo der Name oder DfTO oder DirTO vorkommt. „Die Trennung des Wortes rechtfertigt sich durch keine Spur aus dem Alterthum, das Gegentheil aber ist aus obigen Beispielen erwiesen. Folglich ist die Eonjektur grundlos. — Mir aber scheinen n*ipy-|^ imb d'OTVO mit wenigem Unterschiede dieselben, oder wenigstens von den Nabbinen als einerlei Sekte betrachtet." Auch in der allgem. Gesch. des isr. Volkes, Berlin 1832. bemerkt derselbe 1. S. 519. „In allen jüdischen Quellen wird ohnehin die Sekte Zedukim und Bethusin als eine und dieselbe charakterisirt, nicht aber als zwei den Pharisäern gegenüberstehende, unter sich verschiedene bezeichnet. Es ist demnach die Etymologie dieses Wortes für die Auffindung der Essäer in alten jüdischen Quellen nicht weiter zu urgiren." Obige Ansicht widerspricht auch Chajes im LB. d. Or. 1840. 38. S. 603 aus dem Grunde, weil die reinen Sitten und Gewohnheiten der Essäer im Widerspruche stehen mit denen der Baitosim. Er hält sie daher „nicht einmal sonderlich von den Pharisäern^verschieden, um eine Sekte zu bilden; ,es waren blos jene Frommen O'H’Dn und Heiligen D^np unter den Pharisäern, auf welche die Talmudisten hinzielten, wenn sie von einer „heiligen Gemeinde in Jerusalem, ,Y^np »Tiy von den Sittlichfrommen ppim, yfhyiot, erzählen, welche das Schema-Gebet mit dem Aufknospen der Sonne beschlossen." Auf anderem Wege hat schon vor ihm aus denselben Gründen Rapaport in Bikure ha-Jttim 1829. S. 118 in Anm. 20 zur Biographie des Kalir dem Meor Enajim widersprochen und er kam auf dasselbe Resultat. Auch dieser hält die Essäer für die im Talmud genannten pp^m, welche auch D^rpm NiPHp ivS'ip oder ri^np my heißen. Ein solches unabhängige Zusammentreffen zweier so tüchtigen jüdischen Gelehrten laßt fast keinen Zweifel hierüber übrig. Wie wäre es auch anders zu erklären, daß die Essäer nirgends in hebräischen Quellen zur Sprache kommen. Demnach wäre es gar nichts Außerordentliches, wenn mehrere Gebete, die sich noch in unfern Gebetbüchern erhalten haben, von den Effäern herrühren, wie Rapaport dieses von JHN % und nm mnx a. a. O. vermuthet. Man sieht daher auch nicht ein, warum Geiger, Zeitschr. 1, S. 397 dagegen bemerkt: „Die Zurückführung mehrer Gebete auf die Essäer A. 20 ist gewiß sehr zu bezweifeln." Hoffentlich wird die im Orient 1842. 8. S. 61 von Frankel versprochene Abhandlung „lieber die Entstehung und Ausbildung der israelitischen Gebete" weitern Aufschluß darüber ertheilen. Auf jeden FallZkann dieses keinen Grund zur Abschaffung einiger Gebetstücke abgeben, wie Holdheim sich darauf in der Allg.Zeit. d.Jud. 1842. 8. S. 110 beruft. Voreilig war es daher auch von Chor in in seinem „Hillel" Bikure ha-Jttim 1823. S. 22 nach De Rossi geradezu die Baitosim „Essäer" zu übersetzen, und von ihnen zu behaupten, daß sie prahlten, göttliche Erscheinungen zu schauen. Unpassend ist auch die Erklärung Landau's in Bikure ha-Itim 1824. S. 58 von DirpA DWDVDK/ DIlD 30, a, nämlich die Essäer, welche auch ftsQctrtsvToL genannt werden, darunter zu verstehen. Noch unbegründeter ist die dort geäußerte Ansicht, daß die LXX in Ies. 26, 14 deswegen Dp' DWET) öftesten ovds iazgol ov prj avccGztfßovGi, die Essäer dadurch zu Schande zu bringen, weil sie das zukünftige Leben leugneten. Sind uns nun die Essäer auf diese Weife nähergebracht worden, so fällt auch die Vermuthung in dem Aufsatze „die- Beschneidung bei den Israeliten" LB. des Or. 1842. Nr. 7. S. 105 weg, wonach die Castration, welche von Strabo mit dem Worte bcn Israeliten zugeschrieben, den Effäern zugewiesen wird. Denn nach dem mosaischen Gesetze ist diese Verstümmelung verboten. Vergl. Eben Ha-Eser 5, 11. Dev Ausdruck des Strabo ist zwar etwas unbestimmt, xul tisqlzo{ieii ncci iuzofiai v.ai sÜ tlvcc zoluvzu ivofiiad'rj, Mkr scheint vielmehr, daß hzopcei sich auf das Ausschneiden der verbotenen Theile am eßbaren Fleische, wie das verbotene Fett und die verbotenen Adern, beziehe, welches-dem Griechen wohl aus Deisidämonia entstanden scheinen mochte. Selbst das TtsQtzoßal scheint hier nicht auf Beschneidung wz zu gehen; denn Strabo mußte aus dem Herodot und andern alten Autoren wissen, daß dieses ein viel älterer Gebrauch sei, der sich längst schon auch bei andern Völkern fand, folglich konnte er davon nicht behaupten, daß er erst entstand, als die späten Nachfolger des Moses ausgeartet waren. Vielmehr scheint nzgizofiod hier auch auf solche Vorrichtungen zu passen, welche mit dem eßbaren Fleische vorgenommen werden, wie das Entfernen der wONp, welche theils wegen;£>n, theils wegen q-j wegzunehmen sind. Doch wir kehren zu unfern Effäern zurück. Sind diese nun mit den oyni identisch, so fragt es sich, wie ihre Benamungen zu einander paffen. Ueber den Namen Essäer hat Bellermann S. 7. seq. nicht weniger als 14 Meinungen angeführt; und es ist merkwürdig, daß man schon zu den Zeiten Philo's über die-Bedeutung des Namens Essäer nicht im Klaren war, denn er erklärt die Ableitung von oßiozrjg für unrichtig. Vergl. Bellermann S. 74. Wie steht es aber nun mit dem Worte ppvil? Nach dem neuesten Wörterbuch, das sich auch über den Talmud erstreckt (Grimma 1840), soll der Singular svdogog, einen Mann von gutem Rufe bedeuten. Fürstin derConcord. S. 883. 4. bringt es in Verbindung mit pny „stark, fest sein" also fidelis, orthodoMis. Im Aruch wird es auch erklärt