Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 45 (1.11.1842)
- Date
- 1842-11-01
- Page
- Seite 359 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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359 aus Fcankenthal, jüdischer Herkunft und durch ein im vorigen Jahre erschienenes Werk über einen den deutschen Rechtsalterthümern entlehnten Gegenstand bekannt, einen gehaltvollen polemischen Vortrag gegen den Dekan Bruch aus Straßburg über das Derhaltniß der deutschen und der französischen Universitäten und ihre unausgleichbaren Differenzen. — Unter den Inseraten der Augsb. Allgem. Zeitung vom 12. Octbr. findet sich auch eine Danksagung des k. Pfarrers Döderlein, Vorstandes der Lokal- und Armenpflege zu Steinhard, und der (jüd. Gemeindevorsteher?) Nathan Emanuel und Hirsch Joseph Obermaier daselbst, dafür, daß Herr JE Emanuel, Banquier zu London, dem Lokal-Armenfonds zu Steinhard ein Capital von 237 fl. zum Ankäufe eines Grundstückes und zur Vertheilung des jährlichen Ertrages desselben an die christlichen Ortsarmen angewiesen, und dafür, daß der Obengenannte außerdem für 3078 fl. der israel. Gemeinde zu Steinhard ein eigenes Haus zu WohlthatigkeitSzwecken hat erbauen lasten und ihr für ewige Zeiten eine jährliche Rente von 175 fl. zur Besoldung des isr. Religionslehrers und zum Besten der jüd. Armen in Steinhard zugesichert hat. Rußland. Alexerndrow in der Provinz Kaukasien. Auf halbem Wege zwischen Stawropol und Platigorks, der neu erstandenen Badestadt im Kaukasus, findet man das große Kosakcndorf (Staniza) Alexandrow, das durch seinen trefflichen Gartenbau unb seine Bevölkerung, die fast ganz aus russischen Juden besteht, bemerkenswerth wird. Sprache, äußeres Ansehen, Kleidung und viele Gewohnheiten sind bei diesen Juden rein russisch, ihre Religion aber ist die jüdische. Sie haben die Beschneidung, feiern den Sabbat und die Haupt-Jahresfeste der Juden, ihre Bibel dagegen ist die alt-slavische. Bis jetzt hat man nicht erforschen können, wann und auf welche Weise diese Leute die Religion gewechselt, und wie sie vom Christenthum' zu diesem Glaubensbekenntniß gekommen, welches dem Geiste des Christenthums so zuwider ist. Die Ansicht, daß sie von den Juden des alten Nowgorod abstammen könnten, ist geschichtlich nicht erwiesen. Bei den echten Juden stehen diese russischen Subbotniks (Samstags-Leute, wie sie bei dem Volke heißen) in Verachtung. Sie wurden aus verschiedenen Gouvernements hier angesiedelt und waren bis zum I. 1838 als Bauern, Kleinbürger und .Kaufleute in Alexandrow emgeschrieben. Als der Kaiser Nikolaus im I. 1838 auf seiner Rückreise von Georgien durch Alexandrvw kam, erhielten sammtliche Subbotniks Kosakenrechte. Der Kaukasus wird nach und nach der Aufenthaltsort für freiwillige und unfreiwillige Ansiedler werden. Schon jetzt findet man in keinem Gouvernement des russischen Reichs so viele religiöse Sekten, als in der Provinz Kaukasien. Sie zahlt eine Bevölkerung von 180,000 Menschen und unter diesen über 25,000 Sektirer» Die Zahl der Subbotniks beträgt etwa 1500. Perforralchronik und Miseellen. Der Humorist vom 29. Sept. enthält eine sehr scharfe, von dem Redakteur M. G. Saphir selbst verfaßte Kritik des (Wiener) Kalenders und Jahrbuchs für Israeliten. Die Rec. führt die Ueberschrift: der Kalender und der Luach. Im Luach, meint Saphir, habe man nichts vermißt, was der Jude als Jude zu wissen nöthig habe: Angabe der Feste, der Andachtsstunden u. s. w. und was das Allerwesentlichste sei, der Messe u. Jahrmärkte. , Im Kalender sei keine Idee, keine Hauptrichtung, weder eine Sympathie noch eine Antipathie zu finden. Er vermißt (Gottlob!) das Rationelle darin. Alsdann betrachte: er die einzelnen Beiträge näher. Der beste Beitrag sei der v. Dr. M. Sachs in Prag, ihm zunächst stehe die Mannheimersche Predigt, auch die Philippsonsche Jahresüberficht und die Wercheimersche Skizze über die Wiener Wohlthätigkeitsanstalten (der Neigung der Juden zur Wohlthätigkeit macht er ein etwas sauer-süßes Compliment) läßt er noch gelten, dagegen findet er es unpassend, daß dort die Gallerie berühmter Israeliten mit Lord und LadystMonteflore, und nicht, wenn doch einmal von Damascus hätte die Rede sein müssen, mit Cremieux eröffnet habe. Nicht der Reichtum, sondern der Geist hätte hier den Maaßstab der Berühmtheit abgeben sollen. In dem Beitrage von M. E. Stern vermißt er ächte Poesie und Originalität, über Auerbachs Mittheilung eilt er rasch hinweg, Frankl findet er matter als sonst, lobt aber, sonderbar genug, die Stelle seiner Rachel, wo er seine Sehnsucht nach Kanaan ausspricht. Die Miscellen, Privatchroniken und Nekrologe tragen nach ihm allzusehr den in den „Zeitungen der Juden" üblichen ruhmredigen, kleinigkeitskramerischen u. exklusiven Ton an sich. Die A. A. Z. erwähnt (30. Sept.) der Vorfälle mit Deutz (der jetzt auf Kosten der Regierung nach Amerika eingeschifft worden ist) und eines Schreibens von Cahen an die Gazette des Tribunaux, welches eine Widerlegung der Mittheilung enthalte, als hätten die Pariser Juden dem „Verräther" Almosen gegeben. In derselben Nummer gedenkt die A. A. Z. des zum Ehrengeschenk für Montosiore bestimmten 1300 Unzen wiegenden silbernen Gefäßes und schließt mit der säubern, zuerst von einem bekannten Kritiker (d. h. von Wolfgang Menzel) gemachten Bemerkung, daß die Schuld der Juden in Damaskus schon darum unwahrscheinlich sei, weit bei dem Morde nichts zu prositiren gewesen sei. Eine Malice, die wir nur mit der Frage beantworten: Sollte nicht die Redaction blos an den Prosit denken, wenn sie das im Cottaschen Verlage erscheinende Menzelsche Literaturblatt in der A. A. Z., die derselben Firma gehört, excerpirt? Herr Cotta weiß alle seine literar. Unternehmungen zu allseitig er Empfehlung feiner Verlagsartikel zu benutzen.—-Daß Menzel selbst inkurabel ist, weiß Jedermann; glücklicherweise har seine Raserei ausgehört, contagiös zu sein. Er bellt und knurrt noch, aber Niemand kümmert sich darum; seine kritischen Zähne sind zu stumpf, als daß er noch einen Ruf zernagen könnte. Ergötzlich ist es, wie er im Literaturblatt vom 30. Sept. über das Buch „die Juden und die Kreuzfahrer in