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Der Orient · 1842-11-01 · Heft 45 (1.11.1842) · p. Seite 358

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Journal
Der Orient
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 45 (1.11.1842)
Date
1842-11-01
Page
Seite 358 (sequence 11)
Language
German
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358 Hamburg, 21. October. (Wochenbericht über jüdische Verhältnisse. 14 — 21. Octbr.) Wie weit noch selbst die gebildetsten Männer des vorigen Jahrhunders in der Toleranz zurück waren, ist aus dem Urtheil ersichtlich, das der berühmte Verfasser der Lebenslaufe rc., von Hippel in Königsberg, vor etwa 50 Jahren über die Juden fällte. Es findet sich in dem eben erschienenen Buche: „Reminiscenzen: Göthens Mutter; nebst Briefen und Auszeichnungen zur Charakteristik anderer merkwürdigen Männer und Frauen von Dr. Dorow. Leipzig 1842." Aus einer in der Vossischen Zeitung vom 13. Octbr. enthaltenen Anzeige dieses Buches, in welcher der Rec. seine Hoffnung eines steten Fortschrittes der Toleranz-Idee ausspricht, geht hervor, daß Hippel die Juden als eine besondere Menschenrace betrachtet habe, denen ja unmöglich die bürgerlichen Rechte der Christen verliehen werden dürften. Der sehr praktisch gesinnte Minister Schrötter machte ihn aber darauf aufmerksam, daß er anzugeben vergessen habe, was dann mit den Satans (da sie doch einmal da wären) anzufangen sei. — In Detmold ist ein Entwurf einer neuen Städteordnung den bisherigen Communalbeamten (Bürgermeister u.siw.) zur Begutachtung vorgelegt worden. Es heißt in demselben, in Bezug auf die Juden, im §. 30. Das Recht, als Schutzverwandtec an einem Orte zu wohnen, fällt zusammen mit dem Heimathsrecht. Die Schutzverwandten sind zu städtischen Abgaben und Lasten heranzuziehen, tz. 35. Schutzjuden gehören zur Klasse der Schutzverwandten und sind vermöge des landesherrlichen Geleits zur Niederlassung berechtigt. Die Erwerbung bürgerlichen Grundeigenthums bleibt ihnen unbenommen (L. A. Z. vom 14° Oct.) — Am 12. Octbr. wurde in Hamburg ein Fest seltener Art begangen. Ein ehemaliger Vorsteher der hiesigen Wandsbecker Gemeinde feierte nämlich an diesem Tage seinen sechzigsten Hochzeitstag. Dieser im achtzigsten Lebensjahre stehende, aber noch völlig rüstige Greis heißt Levin Lazarus (mit s. jüd. Namen Leb Stiber). Von seinen Lebensumständen füge ich hier nur dasjenige bei, was auch außerhalb Hamburgs einiges Interesse haben kann. Zu der Zeit, als es in Hamburg noch eine Hamburger, eine Wandsbeckec und eine Altonaer Gemeinde gab, von denen jede ihren besondern Gemeindevorstand (Kahal) hatte, gehörte auch der Obengenannte zu den für die hiesige Wandsbecker Gemeinde erwählten Vorstehern. Bei der Trennung und resp. Ausiösung dieser Gemeinden als besonderer Corporationen trat er von der Verwaltung ab, wandte seine Sorgfalt aber noch immer einigen öffentlichen Anstalten der nun ein Ganzes bildenden Gemeinde zu. So blieb er Mitdirektor der Talmud-Tora und Vorsteher des Beerdigungsvereins. Seine Frau, geborne Peine, stammt, wie auch er, von zum Theil berühmten jüdischen Gelehrten ab. Ec selbst ist der Schwiegervater des um seine Gemeinde hochverdienten Banquiers und präsidirenden Gemeindeältesten Wolf Marburg in Altona, welcher sich am Morgen des festlichen Tages um 6 Uhr mit seiner ganzen Familie (Kindern, Enkeln und Urenkeln) zum Glückwünsche bei dem alten Ehepaare einfand. Der Jubilar selbst ist noch jeden Morgen einer der. ersten Besucher der "Synagoge unv betreibt noch sein Geschäft (er ist der einzige jüdische Wagenhändler in Hamburg); für seine körperliche Kraft diene zum Beweise, daß ihm noch kein Zahn fehlt. Er gehört der streng orthodoxen Partei an und beschäftigt sich in Musestunden viel mit dem Talmud, in dem er sehr bewandert ist, auch hat er dem „Schaß-Chewra" genannten talmud. Verein, welcher sich täglich in seinem Hause versammelt, eines seiner Zimmer unentgeldlich eingeraumt Die geistlichen Beamten und die Notabilitaten der Hamburger und Altonaer jüd. Gemeinde statteten ihm (am 12. Octbr.) ihre Gratulation ab. — Vemerkenswerth ist, daß er in einer sehr glücklichen Ehe lebt, obwohl er nicht frei oder nach vorher angeknüpfter Bekanntschaft wählte, sondern sein Vater lediglich durch die Autorität und den Machtspruch eines jüdischen Gelehrten (also recht eigentlich par ordre de moulti) dahin bestimmt wurde, ihn gerade mit dieser Frau zu verbinden. Gewiß ein eigenthümlicher Charakterzug jener Gottlob verschollenen Zeit. — Nach Hamburger Blättern hat sich daselbst vor Kurzem ein „Friedensverein" gebildet, an dem Christen und Juden Theil nehmen. Dieser Verein bezweckt, dem Aberglauben, dem Pietismus und der Intoleranz durch Wort und Schrift entgegen zu arbeiten. Dogmatische und politische Erörterungen sind gänzlich ausgeschlossen. Jeder Theilnehmer halt nach wie vor an seinem positiven Glauben fest und keine religiöse Ansicht wird angetastet. — In Kurzem werden einige der von mehreren Mitgliedern bereits gehaltenen moralischen Vorträge, unter Anderm einer von Herrn Dr. Salomon gedruckt erscheinen. — Nach der Voss. Zeitung vom 12. Octbr. ist der berühmte Componist Halevy in Glogau geboren, von wo seine Eltern nach Paris zogen; hier übergaben sie ihn der Leitung Cherubini's, dessen Lieblingsschüler er in kurzer Zeit wurde. — Die in Koblenz erscheinende, sich den liberalen Blattern anschließende Rhein- und Mosel-Zeitung theilt aus Amsterdam vom 6. October folgende etwas cathselhaft-dunkle Nachricht mit: „Die letzte Wahlversammlung zu Amsterdam hat wiederum den Beweis geliefert, daß die Hauptleiter der Versammlung machen können, was sie wollen. An die Stelle des verstorbenen Mitgliedes des Nathes, Mendes de Leon, wurde wiederum ein Israelit gewählt, nicht weil ec von den anwesenden Wählern als der geschickteste betrachtet wurde, sondern blos darum, weil man es für passend hielt, daß auch ein Israelit im Rathe sitze." — Bei Gelegenheit des diesjährigen Straßburger Gelehrten-Congresses hielt ein rheinbaierscher Jurist, Herr Bernaps

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