Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1842-11-01 · Heft 45 (1.11.1842) · p. Seite 355

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 45 (1.11.1842)
Date
1842-11-01
Page
Seite 355 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2360092-2360201-2360247--2707-3529785
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

355 Großbritannien. London, 14. Oct. Da ich weiß, wie sehr Sie sich freuen, wenn Sie von dm Wohlthaten unseres Sir Moses erfahren, so beeile ich mich, Ihnen Folgendes zu berichten. Den kommenden Monat (November) reift der bei der Expedition nach Syrien so berühmt gewordene Colonel Churchil wieder nach dem Orient, und er gedenkt mehrere Jahre dort zu verbleiben. Sir Moses und Lady Montefiore haben ihm ein kleines Kapital in die Hände gegeben, von welchem er den armen Israeliten des heiligen Landes kleine Anleihen zu 500 oder 1000 Piaster machen soll, die aber mit zwei oder drei Procent zurückgezahlt werden müssen, damit das Kapital sich erhalte. Bedenkt man, welche freundliche Aufnahme Colonel Churchil von unseren Glaubensbrüdern gehabt und wie freundlich gesinnt er sich gegen dieselben gezeigt, so erleidet es keinen Zweifel, daß seine Anwesenheit in Syrien unsem Brüdern höchst angenehm sein muß. Loewe. Bei dem jetzigen Streite über die Vertheilung der Armengelder in Jerusalem ist diese Nachricht von großem Interesse. Unsere Brüder in Palästina bedürfen unserer tatkräftigsten Stütze, aber die wahre Unterstützung liegt nicht in Vertheilung von Almosen und Spenden, sondern darin, daß man der armen Volksklasse Mittelund Wege zeige, wie sie sich selbstständig aufhelfen könne und dann die nöthigen Zuschüsse leihweise gebe. In dieser Weise machen wir aus dem Armen allmälig selbst einen Contribuenten, wir bringen ihn zu dem schönen erhebenden Selbstbewußtsein, wahrend bei Almosenvertheilung die Armuth gehegt und gepflegt wird, ohne sie zu vernichten. Die Summe der Spenden, welche jährlich nach Jerusalem gesandt wird, sollte wahrlich lieber zu solchen Anleihen oder zur Aufhebung mancher Familien verwendet werden, als zur bloßen Almosenvertheilung, vorzüglich wenn dieselbe in der Weise geschieht, wie das Amsterdamer Comite es ausführt, welches in seinem sündlichen Stolze glaubt, daß es keine Rechenschaft abzulegen brauche. Jede Genossenschaft, die vom Publikum Spenden zur Vertheilung empfängt und keine Rechenschaft ablegt, muß wenn nicht des Unterschleifes doch wenigstens der unverantwortlichsten Nachlässigkeit verdächtig sein. Das Publicum sollte sich mit Verachtung von einem Comitö wegwenden, das noch dreist genug ist, eine Rechenschaftsablegung zu verweigern. — Red. . Deutschland. Frankfurt a. M., 13. Octbr. Der Streit über die Wahl des Weges zur Absendung der Spenden nach dem heiligen Lande dauert hier in den Journalen fort zum wahren Bedauern jedes Menschenfreundes. Denn diejenigen, welche den alten Weg beibehalten wollen, wissen keinen andern Grund für ihre Sache anzugeben, als die Ehrlichkeit und die Achtbarkeit der Uebernehmer, während jeder Unbefangene vollkommen überzeugt ist, daß die Vertheilung auf das Unverantwortlichste vorgenommen werde. Doch ich will hier blos mittheilen. Auf die drei Erklärungen, die in der vorvorigen Nummer ausgenommen wurden, erfolgte hier in einem Journale folgende Aufforderung: „Das hiesige Comite zur Empfangnahme der milden Gaben für die israelitischen Armen in Palästina findet sich zur nochmaligen Erklärung veranlaßt, daß es aus den früher bereits angegebenen Gründen von dem Entschlüsse, die diesjährigen Beiträge dem Hauptcomitö nach Amsterdam einzuschicken, nicht abgehen wird. Es fordert'demnach diejenigen Conttibuenttn auf, in deren Namen die Verwahrung in der Beilage der O ber-Posta mts-Z eitung Nr. 284 abgegeben sein soll, ihre diesjährigen Beiträge bei dem Herrn I. M. Kulp bis zum 24. d. M. wieder in Empfang zu nehmen. Spätere Reclamationen können nicht berücksichtigt werden". — Auf diese folgte aber bald folgende Berichtigung: „Nicht ein unbedeutendes finanzielles Interesse, nicht lächerliche Aengstlichkeit um die gegebenen Beiträge, sondern das höhere moralische Interesse für öffentliche Gerechtigkeit und die lebhafteste Theilnahme an dem Schicksale bedrängter Armen baden die „Verwahrung" in der Beilage zu Nr. 284 der O. P. A. Z. hervorgerufen. Das Comite für die Palästina-Spenden sei und bleibe daher seiner schweren Verantwortlichkeit, den berechtigten Armen gegenüber, ernstlich eingedenk, und erwarte übrigens keineswegs von den Protestirenden, daß sie irgend kleinlich genug denken möchten, um das bereits gegebene Almosen wieder zurückzufordern und etwa dadurch ihre gerechten Ansprüche auf öffentliche Rechnungsablage wegen der seit vielen Jahren erhobenen Gelder einigermaßen aufzugeben. Im Namen mehrer Contribuenten. I^erfferu, im Septbr. (Verspätet.) Entwurf zu einem Lehrplan und den sonstigen Einrichtungen für die israelitische Religionsschule im Herzogthume Nassau. Nach dem Muster der isr. Religionsanstalt in der Hauptstadt Wirsbaden von Benjamin Höchstadter, isr. Religionslehrer und Prediger. Vorbemerkung. Nachdem der Unterzeichnete von Seiten Herzog!. Landes-Regierung zur Einsendung nachstehenden Entwurfs, vorzüglich aber zur Abfassung einer übersichtlichen Darstellung sämmtlicher Lehrgegenstände der israelitischen Religionsschule mit Angabe der hierzu zu verwendenden Lehrbücher und Unterrichtsstunden aufgeforderr wurde, entledigte er sich auf folgende Weise des hohen Auftrags: I. Uebersichtliche Darstellung der Lehrgegenstände. A. Obere Abtheilung der Religionsschüler (v. 10—14. Lebensjahre). a) Israelitische Religion: Katechetisch behandelt. — Entweder nach dem sehr verbreiteten Johlsohn'- schen Lehrbuche, oder um allen dogmatischen Streitigkeiten 45 *

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.