Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1842-10-25 · 44 (25.10.1842) · p. Spalte 701-702

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
1842
Issue
44 (25.10.1842)
Date
1842-10-25
Page
Spalte 701-702 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/8555529-9894039-9894106--2352-3529779
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

tOl Die Wormser Grabschrift und unsere Zeitrechnung. Bon Dr. I. A. Frankel. 702 nuten enthält/ nothwendig das Sonnenjahr, welches 365 Tage, 5 6) Stunden, 48^ Minuten, also plus 10 Tage, 21 Stunden und Ax Minute zahlt, berücksichtigt werden mußte, wollte man nicht ein und dasselbe Fest bald im Sommer > bald in der Regenzeit feiern. Man nahm deshalb in gewissen Jahren 13 Monate an, und fand die richtigste Ausgleichung zwischen Sonnen- und Mondjahren, indem man während eines neunzehnjährigen Cyclus, "Miß genannt, sieben Schaltjahre, nämlich das 3. 6. 8. 11. 14. 17 und 19 zu dreizehn Monaten feststellte. So wurde die ganze Zeit in Cyclen oder Machsorim getheilt. Die angeführte, 52 (4 X 13) Cyclen oder 988 Jahre enthaltende Tabelle des Tur beginnt mit dem 276. Cyclus oder dem 5055. Jahre und schließt mit dem 318. Cyclus oder dem 6042. Jahre. Um das Jahr 4036 zu berechnen, suchten wir dessen Cyclus auf, wodurch wir fanden, da 5055 — 4036 Jahre gleich 1019 Jahren, gleich 53 Cyclen und 12 Jahren, ferner da 267 — 53 Cyclen und 12 Jahre gleich 213 Cyclen 7 Jahren, das Jahr 4036 das siebente tm 214. Cyclus war. 5055 Jahre 4036 1019 Jahre 53 Cyclen 12 Jahren. 267 Cyclen 53 Cyclen 12 Jahre 213 Cyclen 7 Jahre. Allein das siebente Jahr eines Cyclus kann n i e ein Schaltjahr sein, wie aus der oben aufgestellten Reihe sichtbar wird, folglich kann auch die den Monat Adar Rischon angebende Grabschcift nicht das Jahr 4036 meinen. Wir fanden ferner da die Tabelle 4 X 13 Cyclen unter bestimmte Formeln und Gesetze bringt, welche sowohl rückwärts d. h. vor dem 267. als auch vorwärts d. h. nach dem 318 Cyclus gelten müssen, daß der Cyclus 213 dem 317. gleicht; in diesem Cyclus aber und zwar im siebenten Jahre desselben war der Erste des Monats Adar am Montag u. der 6. am Sonnabend, folglich war auch im 7. 8) Maim. weiß zwar in Hil. Kid. Hach. Kap. 9 lex 1. von Persern und Griechen zu sprechen, welche dem Sonnenjahre nicht volle 6 Stunden geben; doch bei diesem Vergleiche zwischen Sonnen- .und Mondjahr (im Kap. 6 lex 4) zahlt er ersterem noch volle 6 Stunden zu, und gibt demnach den Unterschied auf 10 Tage 21^0.4. Stunden oder auf 21 St. 11^- Min. an. Bekanntlich verdanken wir Gregor" dem 13. seit 1582 die richtige Berechnung des Sonnenjahres. 9) Ob wir richtig gefunden und ob diese unsre Behauptung so unantastbar feststeht, hätte jener den Himmel ersteigende, die Himmelskörper messende und den Sonnen- und Mondlauf berechnende Gelehrte uns zeigen und darthun können, wenn er nicht zum Himmel und zu den Gestirnen sich emporgeschwungen, um nimmer zu uns zurückzukehren. Creizenach ist Lodt und diese Wissenschaft ihm gefolgt! rrrnjJ nrontwitf nm Jahre nach dem 213. Cyclus der 1.Adar am Montag und der 6. am Sonnabend. Unsere Inschrift hingegen laßt Sonntag den sechsten zahlen, wonach Dienstag der erste gewesen sein mußte. Wir sehen also, daß die Entzifferung eine gänzlich mißlungene zu nennen ist, da sie zwiefach fehlend das Jahr 4036 ein Schaltjahr und den 6.Adar amSonntag sein laßt. Man könnte deßhalb den Vorschlag zu machen versucht werden, das \kb iYfut 5036 anzunehmen, durch welche Annahme der gerügte Anachronismus schwände, weil 5036 nach Erschaffung der Welt etwa mit dem Jahre 1276 der Chr. Zeitrechnung zusammentrifft. Man könnte alsdann berechnen, daß 5036, weil dessen Eyclus, nämlich der 266. mit dem 318. der Tabelle übereinstimmt, das entsprechende Jahr 6024 habe. Allein auch diese wahrscheinlichere Annahme leidet an den Fehlern, daß das Jahr 5036 kein Schaltjahr war, den ersten des Monats Adar nicht Dienstag, sondern gleichfalls Montag und den sechsten nicht Sonntag, sondern wieder Sonnabend hatte. — Diese angestellten Berechnungen führen auf die Untersuchung, ob denn überhaupt der 6. Adar und Sonntag zu vereinen sind, ob jenes Datum an diesem Tage eintreffen könne. Es ergiebt sich aber bald, daß auf Sonntag nie und nimmer der 6. Adar, weil auf Dienstag niemals der erste sowohl des Adar Rischon als des Adar Scheni fallen kann. Denn sollte der erste des dreißig Tage zahlenden Monats Adar Rischon am Dienstag sein, so würde der erste des 29 Tage zählenden Monats Adar Scheni am Donnerstag, der erste Nissan am Freitag und der erste Tag Pessach ebenfalls am Freitag sein. Ferner sollte der erste des Monats Adar Scheni oder der erste des Monats Adar in einem Nichtschaltjahre auf Dienstag, so würde der erste Nissan auf Mittwoch und der erste Tag Pessach ebenfalls auf Mittwoch fallen. Am Montag, Mittwoch oder Freitag aber kann nie der erste Tag Pessach gefeiert werden nach der bekannten Regel NvO nh kh. Dieselbe Disharmonie zwischen dem 6. Adar und Sonntag kann auch nach der Regel oniD t!'t üb und nach mancher andern noch gefunden werden. Was bleibt uns also, da wir den Gcabschriftverfasser wie den Steinhauer eines Jrrthums oder gar absichtlichen Fehlers zu zeihen nicht geneigt sind, einzig und allein übrig? Die Inschrift ist durch die Länge der Zeit so unkenntlich geworden, daß die Entzifferer und Erklärer sie nicht genau lesen und darum das Richtige ohne besonderes Nachrechnen nicht treffen konnten. — Wir wiederholen deshalb dem Rabbiner Herrn Bamberg unsere in der Spenerschen Zeitung ausgesprochene Bitte, er wöge im Interesse der Wissenschaft die Inschrift genau und treu copirt, mit besonderer Bezeichnung der verlöschten Buchstaben am Anfänge, in Mitten und am Ende eines Wortes, in diesem wissenschaftlichen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.