Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 44 (25.10.1842)
- Date
- 1842-10-25
- Page
- Seite 350 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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350 Licht- und Schattenbilder aus der jüdischen Geschichte der Gegenwart. Die Juden im Elsaß. (Schluß.) Die moralische Stumpfheit des Bauern, seine Unkenntniß der Geschäftssprache des Landes giebt ihn auf Gnade und Ungnade in die Hand des Juden, der sich einmal zu seinem Geschäftsmanne zu machen gewußt hat, oder besser, den er, so oft er ein Geschäft hat, kaum entbehren kann, oder entbehren zu können glaubt. Das klingt freilich unglaublich, wenn man sieht, wie der Jude seit Menschengedenken stets seinen Bauern aussaugt. Aber das ist das Unglück der Rohheit, der Uncultur, daß sie kaum Gedächtniß hat, daß sie kaum im Stande ist, die Thatsache von gestern mit der von heute in Zusammenhang zu bringen, um aus beiden einen Schluß zu ziehen. Hat denn je eine Hexe eine Kuh geheilt, und hat je ein Charlatan einen Beinbruch wieder gehörig zurecht gesetzt? Und doch läuft der unwissende Bauer, wenn seine Kuh krank wird, eher zur Hexe als zum .Thierarzt, und wenn sein Knabe Lcibschmerzen bekommt eher zum Marktschreier als zum Arzte. Nur der gebildete Mensch lernt aus seinem und Anderer Unglück, der Rohe, und je roher, desto sicherer, sieht nur die Thatsache der Gegenwart, und wenn er die der Vergangenheit nicht vergessen, so ist sie wenigstens nur unendlich selten, und um so seltener, je roher er ist, die Ursache eines logischen Schluffes, einer Belehrung für die Zukunft. Der Jude fordert fast nichts, so oft der Bauer seiner als Vormund bedarf, denn er weiß, daß. er ihm doch verfallen. Bei der nächsten Gelegenheit aber wird dann die Taub- und Stummheit des Bauern die Ursache, daß sich der Jude auf eine sehr einfache Weise bezahlt macht. Bei dem nächsten Geschäftchen zwischen dem Bauern und Juden, das einer schriftlichen Abfassung bedarf, fällt diese sicher zum Vortheile des Juden aus. Schon im Jahre 1735 hielt der Conseil souverain des Elsasses es für nöthig, ein Reglement zu erlassen, nach, dem in Zukunft alle Quittungen und Aktenstücke, die die Juden den Christen zu übergeben hätten , in beid e n Sprachen abgefaßt sein sollten. Das Gesetz selbst zeigt dessen Nothwendigkeit-, und läßt somit auf die Thatsachen, die es hervorgerufen haben, schließen. Aber es war sicher unzureichend. Es wurde me allgemein befolgt und ist gegenwärtig seit lange außer Wirkung. Dann aber versteht der Bauer in der Regel eben so wenig Deutsch als Französisch , sondern nur sein Bauerndeutsch. Endlich aber hat.die Geschästssprache überall ihre eignen Ausdrücke, die nur der würdigt, der weiß, was sie heißen sollen. Im Elsaß kauften die Bauern und verkauften die Juden eine Menge Grundstücke als biens engages vendus a risques et petils. Ich kenne hierfür die deutsche Formel nicht, aber so viel ist gewiß, daß mit dieser Formel eine Menge Bauern Grundstücke kaufen, die nach Jahr und Tag in ihren Händen in Nichts zusammengeschmolzen, da der Jude dafür gesorgt hatte, daß dieselben, che sie zum Verkauf ausgeboten wurden, durch Hypotheken bis auf den letzten Heller beschwert waren.*) Das Uebel ist unendlich groß, und wird ihm nicht bald gesteuert, so steht dem Elsaß über kurz oder lang eine neue Judenverfolgung bevor. Vor mehreren Jahren waren die Bauern eines Dorfes im Oberrhein-Departement, dessen Name ich nicht mehr in meinen Notizen finden konnte, durch die Juden auf's Aeußerste gebracht und zuletzt gänzlich ruinirt. . Da wollten die Juden sich in den Besitz des Eigenthums der Bauern auf dem Wege Rechtens setzen. So lange der Prozeß dauerte, hofften die Bauern noch. Endlich aber war ihr Urtheil gesprochen und sollte vollstreckt werden. Da traten sie zusammen, hielten einen Rath und beschlossen, Alles bis aufs Letzte im Dorfe zu verbrennen, und Jeden niederzuschießen, der den Brand mit Gewalt löschen wolle. Und wie beschlossen, so rhaten sie; als das Dorf brannte, und die Bauern der Nachbardörfer mit Brandhaken und Brandspritzen herbeieilten, da zwangen sie dieselben, müffig zuzusehen, wie sie ihr letztes Bett verbrannten. — — Von einer solchen Scene bis zum Rufe: Tod allen Juden! ist nur Ein Schritt. Wie groß aber das Uebel, so schwer erscheint die Ab hülfe. Es handelt sich hier vor Allem nicht um die Emanzipation der Juden, sondern um die Emanzipation der Bauern im Elsaß. Wie dieselbe zu bewerkstelligen, kann nicht die Aufgabe dieser Darstellungen sein. Ich beabsichtige mit denselben nichts als zu schildern, was ich gesehen und beobachtet. Uebrigens liegt das Uebel in der Rohheit des Bauern und vor Allem in seiner Sprachlosigkeit. Und in der Andeutung der Quelle des Unheils ist auch das Mittel, ihm zu steuern, selbst angedeutet. Was aber die Juden anbelangt, so ist auch, hier Vieles zu thun. Das Uebel liegt hier vor Allem im Schachergeiste, der die unendliche Mehrzahl aller Juden des Elsasses beseelt. Ihnen deswegen einen Vorwurf zu machen, wäre ungerecht, denn das gesetzliche Unrecht der Vorzeit hat ihnen diesen Geist des Vagabundirms, des Müffrgganges, des friedlichen und unblutigen Straßenraubes eingeimpft. Aber gerade *) Te Lancastel. Considerations sur l’etat des Juifs en Alsace.