Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 44 (25.10.1842)
- Date
- 1842-10-25
- Page
- Seite 349 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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349 (sie mußten nämlich einigen Religions-Unterricht des Christenthums vor der Taufe Horen) hieß es zur Antwort: „verschwatzt, ich kum gor nit water, ich möcht doch gehre zu (jüdisches Neujahr) d erham sind." Wollte nun aber der Missionsverein nützlich wirken, so möge er immerhin seine Apostel zu den menschenfressenden Heiden senden, und christliche Moral lehren lassen. Aber die jüdische Religion besitzt Moral genug, sie bildet ihre Bekenner zu nützlichen und treuen Unterthanen und rechtschaffenen häuslichen Familiengliedern, man lasse demnach die Juden ungeschoren, und begnüge sich mit dem Ausspruche des großen Friedrich: „Glaubt, was ihr wolle, „Und zahlt, was ihr sollt." Hamburg, 13. October. (Wochenbericht über jüdische Verhältnisse. 6. — 13. Octbr.) In den nächsten Tagen werden die schleswigschen Stände eröffnet. Vor ihrem Zusammentreten darf man wohl einer ähnlichen Verfügung des Königs von Dänemark zu Gunsten der schleswigschen Juden entgegensehen, wie sie in Betreff der holsteinischen (in Altona und Wandsbeck) im Anfänge des Juli als landesherrlicher Abschied erfolgte. Unterdeß werden auch die Vorbereitungen zur Verbesserung und Umgestaltung des jüdischen Schulunterrichts in beiden Herzoglhümern geräuschlos, aber erfolgreich betrieben. So ist dem Hcn. Dr. Heilbut, Prediger (Rabbiner) der jüd. Gemeinde zu Glückstadt höheren Ortes die Weisung ertheilt worden, einen Katechismus für die schleswig-holsteinischen jüdischen Schulen auszuarbeicen (vgl. Jtzehoer Wochenblatt vom 7. Octbr.), cs sind ferner zwei Katecheten, der eine Herr Gotthold Ln Friedrichstadt, der andere Hr. Dr. Enoch in Altona, der jüngst auch die Leitung der dortiegn Talmud- Tora (Armenschule) erhalten har, bereits destgurrt. — Im eigentlichen Königreich Dänemark will man nach Lolland-Falster-Stifts -Twende (Stiftszeitung) eine große Verminderung der Juden wahrgenommen haben, deren Zahl sich 1814 auf 6000 belaufen habe, 1842 nur noch 4000 betrage. Dieses Blatt meint, dieß rühre daher, daß in den letzten 30 Jahren viele der jungem Generation angehörige Juden zum Christenthume übergetreten seien. — Auch für Hamburg dielen die Jahre 1814 und 1842 zwei passende Anknüpfungspunkte für die Betrachtung dar, was die daselbst wohnenden Juden seitdem noch immer vermissen. Im Jahre 1814 trug die Bürger-Deputation in einem besondern Postulate auf die Emancipation der Juden an, und doch ist siirdem kein Schritt vorwärts geschehen. In den W G. Nachrichten vom 6. Octbr. findet sich über diesen Gegenstand ein mit H. Unterzeichneter Aufsatz, welcher diese Vernachlässigung des Schicksals von 15,000 Ortseinwohnern aus der steuerpflichtigen Classe (^ der gestimmten Bevölkerung) tief beklagt und den dringenden Wunsch ausspricht, daß man den Juden wenigstens die Betreibung der Advokatur und die Ausübung der Gewerbe gestatte. .Hebet die ungünstigen Resultate der Wergelandschen^ Motion beim norwegischen Storthing ist in öffentlichen Blattern weit weniger geschrieben worden, als man es nach der lebhaften Theilnahme, welche jene Petition erregt hat, hatte erwarten sollen. Die Rhein. Zeitung vom 3. Octbr. enthalt einen langen Artikel aus Cbristiania, der die Ablehnung aller, eine Veränderung des Grundgesetzes bezweckenden königlichen und Privatprovositionen aus dem Charakter der norweg. Nation erklär:. Ohne bitter zu sein, verfallt der Verfasser, unter dessen Chiffre wir einen sonst gut unterrichteten und freisinnigen Mann zu erkennen glauben, in einen doppelten Jrrthum, wenn er von der Nationalität der Juden spricht, welcher, als einer fremden, die Norweger sich erwehren müßten, und wenn er die ungünstige Stimmung der Majorität aus der Furcht vor dem Herbeiströmen vieler Juden Herl eiten will. Er bestätigt übrigens das, was wir von der Beseitigung aller Hindernisse des Besuches jüdischer Naturforscher in Christiania vor 3 4 Tagen mittheilten. Ob, selbst wenn Wergeland durchdrange, die Staatsbehörden die Niederlassung der Juden in Norwegen nicht zulassen würden, wie jener Corresp. vermuthet, müssen wir dahingestellt fein lassen. — Das franz. Oppositionsblatt: le Siede vom 1. Octbr. hofft auch vom nächsten Storthing keinen erfreulicheren Beschluß. — Mit den in der Correspondenz der Rh. Zeitung befürchteten konfessionellen Zwisten, die, in Norwegen bis jetzt nicht vorhanden, sich durch die Juden erzeugen könnten, hat es in Bezug auf Juden gerade am wenigsten auf sich. — Nur in Deutschland hat der konfessionelle Hader in neuester Zeit leider wieder von Neuem Terrain gewonnen, jedoch auch da mehr zwischen Katholiken und Protestanten (auch Elsaß unb Lothringen müssen in dieser Beziehung mit zu Deutschland gezahlt werden), als zwischen Christen und Juden. Diesen Letzteren droht nur da ernstliche Gefahr, wo sie unter einander uneinig sind. Diese Gefahr könnte sich jetzt leicht auch in Berlin erzeugen, wo noch immer keine definitive Entscheidung über die Rabbinerwahl vorliegt. Nach der Düsseldorfer Zeitung soll Dr. Frankel bestimmt zurückgetreten sein und nun auf keinen Andern mehr refleklirt werden. — Dr. Cossmann erhält in der L. A. Z. vom 5. Ocrbr. bei seinem Scheiden von Leipzig einen öffentlichen Dank für seine Predigten und ein herzliches Lebewohl von seinen Freunden und Verehrern. — Der Streit über die Absendung der Spenden nach dem heiligen Lande, der in Frankfurter Blattern geführt wird, wird gewiß die gute Wirkung hervorbringen, daß das Publikum auf die erbärmliche und schlechte Wirthschaft in Amsterdam aufmerksam wird. Die Cinsichtigern haben dieses langst gewußt.