Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 44 (25.10.1842)
- Date
- 1842-10-25
- Page
- Seite 348 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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348 ten sich zu ihnen ausbreilen, eine Furcht, die durch europäische Dazwischenkunft glücklich beseitigt wurde. Smyrna. Hier wird ein jüdischen Interessen gewidmetes Blatt in" Spanischer Sprache mit hebräischen Lettern erscheinen, unter dem Titel: 1a bnena speranza, die gutö Hoffnung. Für. die Lage der hiesigen Juden bleibt allerdings viel zu hoffen übrig. Das letzte große Feuer hat die Vermögensumstände des größten Theils derselben völlig zerrüttet. Kaum 6 Personen sind noch in guten Umstanden, 4800 leben von Almosen. Der größte Theil ist spanischer Abkunft und bewohnt einen besondern. Stadttheil, wenn gleich nicht gesetzlich darauf eingeschränkt. Es besteht hier eine von ungefähr 300 Kindern besuchte jüdische Schule, die von einem Bucharester Juden errichtet. Die Bibliothek ist leider mit abgebrannt. V. of J. Posen, 10. Octbr. (Etwas über Missionswesen in Preußen.) Das Schrecklichste der Schrecken, Das ist der Mensch in seinem Wahn. Schiller. Wenn man mit prüfenden Blicken das Treiben und Drängen der „Gesellschaft zur Bekehrung der Juden" verfolgt, wenn der Unbefangene die Machinationen der Apostel dieser Gesellschaft vor den Richterstuhl der reinen Moral , zieht: wenn er siebt, wie schlau die Schlingen gelegt werden, um unerfahrene Seelen mit wahrer Gier in das christliche Himmelreich zu spediren, wie fast keine Messe, kein Jahrmarkt unbenutzt gelassen wird, um dergleichen Speditionsgeschäfte spesenfrei en gros zu machen , so muß er unwillkührlich ausrufen „doch das schrecklichste de rSchrecken, das ist der Mensch in seinem Wahn." Doch wir wollen nicht bekannte Thatsachen erörtern, ist dergleichen doch schon durch politische Tagesblatter erst kürzlich geschehen; aber die Fragen „was haben die Missionaire schon Gutes gestiftet" und „ was nützen überhaupt Missionsvereme in Preußen" dürften wohl an der Zeit sein. Daß das Missionswesen zur Bekehrung der Juden noch nichts Gutes gestiftet, daß es vielmehr nur Unheil zu Wege gebracht, daß die Herren Missionaire dieser Gesellschaft manche nicht gerade ehrenwerrhe Mittel für erlaubt halten, um nur eine arme Judenseele aus dem Fegefeuer zu retten und in den christlichen Himmel zu schaffen, daß hierdurch schon Zwietracht und Familienhaß zwischen Bruder und Bruder, ewige Feindschaft zwischen Vater und Sohn entstanden — wird keiner bestreiten, der das Treiben dieser Herren hier genau erkundet. Hauptsächlich hat dieser Missionseifer bei uns in Posen seinen Sitz und zwar aus guten Gründen, denn dorr befindet sich 1)die verhaltnißmaßig größere Anzahl der Juden Preußens, und 2) sind unter einer großen Menge auch immer viel Leichtgläubige und demnach auch leicht zu Bekehrende zu finden. / Doch Dank dem gesunden Sinne der jüdischen Einwohner des Großherzogthums Posen; allem Bekehrungsciser zum Trotze (der, man muß es den dortigen Behörden rühmlichst nachsagen, nicht merklich von ihnen unterstützt wird) haben die Bekehrungseifrigen doch, nur wenig Judenkeelen Haschen können, da seit etwa 10Jahren höchstens 50—60 Juden im Großh. Posen zur christlichen Religion übergetreten sind, und von diesen schon einige wieder nach Holland, England und Amerika gezogen sind, um zum Judenthume zurückzukehren, welcher Rücktritt in Preußen verboten ist. Ob auch der Rücktritt in Preußen verboten ist, wenn nachgewiesen wird, daß man durch Lockmittel und Vorspiegelungen getauscht worden, oder wenn überhaupt die geänderte Ueberzeugung motivirt wird, das 'weiß ich nicht, und es wäre zu wünschen, daß dieses Thema zur Sprache käme. Wenn nun durch diesen Missienseifer die Juden doch nicht in Masse zum Christenthume übertreten, wenn man die Summen, welche die Bekehrungsvessuche kosten, zu nützlichen Zwecken, etwa zur bessern Besoldung der armen christlichen Landschullehrer verwendete, damit. diese sorgenfreier ihren Schülern das Christenthum lehren können, so ist die Antwort auf die erste Frage mit „Nichts" wohl gegründet. Wir gehen nun zur zweiten Frage über: „Was nützen überhaupt Missionsvereine zur Bekehrung d e r I u d c n," u. antworte abermals: „Nichts." Denn angenommen, alle preußischen Juden warm Christen, und der preußische Staat, was er so gern sein will, „ein christlicher Staat" im strengsten Sinne des Wortes, waren dann Preußens Bewohner glücklicher, moralischer? — Würden dann weniger Verbrechen begangen, gäbe es weniger Ehescheidungen, weniger Trunkenbolde in Preußens doch wahrlich nicht. Wir sehen es ja offenbar, Spanien hat seine Juden einst verbannt und es ist ein christlicher Staat. Leben dort die Menschen moralischer, sind sie glücklicher als in Preußen? Norwegen hat und will auch keine Juden, auch dort blüht nicht allgemeine Wohlfahrt, Handel und Wandel liegt doch darnieder trotz des Chcistenthums. Giebt es nicht auch dort dennoch Verbrechen, welcher Statisliker würde dies mit Zahlen ableugnen wollen? Missionsvereine nützen demnach der allgenieinen Wohlfahrt gar nichts, und kosten noch immer Geld genug. Freilich ist man davon zurückgekommen, jedem Convertiten bei der Taufe ein Werbe- oder Handgeld von 50 Thlr. zu zahlen, doch giebt es noch immer reiche Pachen. Spaßhaft ist es, zur Zeit als noch erwähnte 50 Thlr. Handgeld aus der Missionscaffe gezahlt wurden, einst in Berlin zugegangen. Dort hatten sich zwei polnische Juden zur Taufe gemeldet, um — 50 Thlr. zu verdienen, und zu Hause doch Juden zu bleiben. Als die beiden Jndustrieritter sich einst in Berlin aus der Straße begegneten, u. Einer den Andern fragte: „nu wie war bist du?"