Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1842
- Issue
- 43 (18.10.1842)
- Date
- 1842-10-18
- Page
- Spalte 685-686 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/8555529-9894039-9894105--2343-3529761- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
685 Literarische Analekten. Der Mahril und seine Zeit. 68« des Mondes öffentlich und feierlich, indem er ein Zeugenverhör mit dm Beobachtern anstellte, und nach diesem Verhöre sein MpD aus rief, welches das Volk mit ttmpD tynpD beantwortete. Doch sind die Rabbiner hierüber selber nicht einig, einige erzählen, jeder Monat wäre geheiligt worden: (Mischnah Rosch Haschanah 23a) iampD*mnN paiy Dyn anipD nöiN pl .im** J'BnpD UDD pD WDD pD ♦ tSHlpD R. Elasar Sohn Zadok's meint, der Monat, welcher seinen ersten am 30. des verflossenen beginnt, ward eingeweiht, nicht aber der, welcher spater anfangt: dw imifiTT'p nrpiy iniN penpo pN üdd n^n)) Polimu behauptet gerade das Gegentheil von dem dieses R. Elasar, daß nämlich nur der Monat, welcher seinen Anfang nach dem 30. des vorigen nimmt, öffentlich verkündet ward: miN ptanpo uon , mw pranpo pu üdd; ein anderer R. Elasar laugnet endlich das ganze Factum, daß eine solche öffentliche Feier je stattgefunden: inw ptsnpD px )3dd pn üddpn idkn tsro nty1^ 'n. Wir folgen der hier zuerst ausgestellten Ansicht, daß jeder erste des Monats feierlich verkündet ward. (Beschluß folgt.) Literarische Analekte«. 1. Der bnno und seine Zeit. Zn der hebräischen Zeitschrift „Zion" zweites Jahrgang. S. 56 behauptet ein Schreiben aus Prag, daß der Gebrauch des Taschlich, welcher zuerst im Mahril vorkommt, unmöglich von demselben herrühren könne, vielmehr es eine. Zugabe vom plN1? Le>. Cap. 2. P. 3 angeführt: min Nan ’D D'WpD yH PDPV Demgemäß citirt auch Mann. Hit. Kid. Hach. Cap. 1 Jex 8. woselbst er von pnyi t^nnn myop, NMN' spricht, den genannten Vers. In Sanhedrin 11 b, hingegen wird zur Bestätigung, daß selbst in Galiläa das Schaltjahr nicht angeordnet werden soll, Deut. 8, 1. folgendermaßen erklärt: NttDI L?nnn : .ttnp PDN hw NH1» *6, ’ann nnm n&rnn “nm DIpDv. Darum hält sich auch Maim. im Cap. 4 lex 12, woselbst er ebenfalls nur über die Einsetzung des Schaltjahres handelt, an die zuletzt angegebene. Bestätigung. Also im ersten Falle wird Jesajas citirt, weil das Ausland für die -Schaltjahrein s.e.tzu ng: wie■ für die Monatfeststellung ausgeschlossen werden soll; 4m zweiten Falle wird ein anderer Vers angeführt/ weil selbst in gewissen inländischen Provinzen als: Galiläa rc. die S ch a l t j a h r e i nse tz u n g nicht stattsinden soll, wohl aber die Ätonatse ststellung. So erhellt es aus dem Talmud, so aus Maim. und so ist der von Tosephot Sanh. 11 b. angegebene Widerspruch im Talmud ohne, übertriebene Haarspalterei einfach gelöst. Die Worte der Tosefot sind: > nwnDIN ntfp n^pl 'N"Q iöm, min Nsnji^d -oinnmo j^NpDJ lamn? Herausgeber, der solches von Andern gehört hatte, sei. Daß der Mahril aber noch später mterpolirt worden ist und daß man ihm Dinge in den Mund gelegt hat, die er unmöglich gesprochen haben kann, scheint aus Folgendem sicher hervorzugehen. Bei den Gebräuchen von Ereb Jom Kippur heißt es, der Mahril habe erzählt, er habe gesehen von seinen Lehrern, daß sie an diesem Tage Waffer getrunken und Erdäpfel gegessen haben, weil sie kühlender Natur sind. Nun lebte der Mahril, od. R. Jakob ben Mose Hallevi, in Mainz um das Jahr 1440. (Jost 7, 285.). Die ersten Erdapfel brachte aber der Engländer Franz Drake 1586 oder Walther Raleigh 1585 aus Birginien nach England; 1616 wurden sie als Seltenheit an der königlichen Tafel verspeist, nach Deutschland kamen sie noch später und in Niedersachsen sollen sie erst 1740 angepflanzt worden sein. Unmöglich konnte daher der Mahril schon 1440 vonseinen Lehrern solches erzählt haben. Hiernach scheint also erwiesen zu sein, daß der Mahril von Interpolationen nicht frei geblieben ist. Um jene Zeit, nach Jost 1420 kam der Titel Morenu unser Wegweiser, auf. Denn unbefugte Personen warfen sich zu Schiedsrichtern in rabbinischen Angelegenheiten aus, zeichneten Aktenstücke und gaben Gutachten, schloffen und trennten Ehen.- Daher beschloß man, keinen als Rabbiner anzuerkennen, der nicht von einem Rabbiner-Collegium als solcher berufen wäre. Sie setzten zn diesem Ende einen neuen Titel fest, und erklärten nur solche für befugte Rabbiner, denen der Titel Morenu in gehöriger Form beigelegt worden. . Jost a. a. O. nach Seder He-Dorot 60, Col. 4. Man dachte wohl bei diesem Titel an die Radix riT, wovon das Particip m10, wie 2 Kön. 17, 28 nriN miDVm und Zes. 30, 20. Tm Demnach wäre über die Aussprache, Schreibart und Ableitung dieses Wortes kein Zweifel, wie man denn auch ziemlich allgemein stillschweigend darin einverstanden war. Allein Luzzatto im LB. d. Or. 1840. 7. S. 108 und in seinem rnim DD rb)rC£ S. 111 behauptet , daß dieses ein Jrrthum sei, denn im ganzen Diwan des Zehuda. Hallewi findet sich nicht nur ohne Waw geschrieben, sondern ausdrücklich noch dazu mit Kamez punktirt; daraus schließt nun Luzz. daß es nicht von rTT>, zurechtweisen, sondern von der aramäi-. schen Formel NXrn NO~)D abzuleiten sei. Die absolute Form ist also Herr, es müßte demnach ohne Waw geschrieben und nicht Morenu/ sondern Marenu ausgesprochenwerden. In sofern hat Luzzatto wohl Recht, daß der Titel Marenu in der Bedeutung unser Herr früherin Gebrauch war; allein der Ehrenname, welcher im fünfzehnten'Jahr-, hundert, wie erwähnt, aufkam, hat wohl keine andere Be-, deutung als unser „Wegweiser". Diejenigen, welche jene Be-- stimmung festsetzten, dachten zunächst nur an. die Ableitung von my wie man denn auchseitdem allenthalben -geschrieben, gedruckt und ausgesprochen hat, welches wohl auch, das richtigere ist. Moses Heß in-Trier.