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Der Orient · 1842-10-18 · 43 (18.10.1842) · p. Spalte 683-684

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Journal
Der Orient
Volume
1842
Issue
43 (18.10.1842)
Date
1842-10-18
Page
Spalte 683-684 (sequence 6)
Language
German
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634 683 Die Wormser Grabschrist und unsere Zeitrechnung. Bon Dr. I. A. Frankel. men ist, d. tz. wenn auch diese im Jahre 276 in Worms schon existirten. Hierüber erwarten wir eine gründliche Belehrung von —- den Herrn Techinot-Editoren. Wir erkannten also in dieser Inschrift eine Sprache, wie sie etwa von Primanern oder Sekundanern in den hebräischen Exercitien gehandhabt und gebraucht wird, und nicht ohne Grund mußte uns die ganze liebe Historie verdächtig werden. Allein sie wird noch verdächtiger, wenn wir auf die in derselben angegebene Zeit achten. Die Frage, welches Jahrhundert oder Jahrtausend unter pV? ft gemeint sein könne, wußten die ehrlichen Finder des Steines oder die gelehrten Entzifferer der Schrift ohne Zagen und Zaudern trefflich zu beantworten. Sie wußten das pD1? ft für 4036 nach Erschaffung der Welt zu erklären, das Jahr der chr. Zeitrechnung 276 und sogar den Monat Februar herauszusinden, und endlich den nur ein halbes Jahr herrschenden, greisen Tacitus als den damaligen römischen Kaiser zu bezeichnen. Kann aber, wer in die jüdische oder nur allgemeine Geschichte hineingeblickt, behaupten wollen, daß im Jahre 276 Juden und zwar in größerer Anzahl in Worms beisammen lebten, welches zu jener Zeit höchstens als ein Römisches Castell bestand, wenn es überhaupt schon bestand? Denn zu der Annahme, daß eine Gemeinde dort existiren mußte, werden wir durch den Grabstein, wie durch die Grabschrist, welche mehrere in einem Orte vereinte Per. sonen voraussetzen, besonders aber durch die angeführte Ergänzung bnpn two “Dp oder "ft “Dp gezwungen. Also vor dem Kaiser Probus, der einige in Gallien einbringende deutsche Völkerschaften über den Rhein auf k,urze Zeit zurückwarf, also noch unter Tacitus im Jahre 276, wo das Heidenthum in Deutschlands Auen seine Blürhezeit hatte, und von den entarteten Römern nicht sehr bedrängt, von den fanatischen Bekehrern noch nicht geplagt, frei, selbstständig, kräftig, aber auch isolirt, geschieden, abgesondert lebte und handelte, sollen die selbst in Italien unstaten, in Wäldern zerstreuten (cf. Jinrenal) und in geringer Anzahl Vorgefundenen Juden den Weg nach Deutschland 'sich gebahnt und in Worms eine Gemeinde gebildet haben? .0 sancta simplicitas! Vermöge aller dieser Ungehörigkeiten die Inschrift mit einem begründeten Verdachte betrachtend, bemühte ich mich den Tag, an welchem der 6. Adar im Jahre 4036 gefallen, herauszusinden. Das gewöhnliche HülfsmitteL bei solchen Operationen, die im miN W aufgestellte Tabelle, erscheint beim ersten Anblicke deshalb ungenügend und unzureichend, weil sie erst mit dem 267- Cpclus und dem 5055. Jahre ihren Anfang nimmt. Ich mußte also auf eine andere Weise verfahren, welcher ich, um sie auch dem mit dieser Wissenschaft Nichtvertrauten mrttheilen und verständlich machen zu könneneinige Betrachtungen über unsere Zeitrechnung voranschicke. Möge der gelehrte, in den Gesetzen des tt'rrp K^nn erfahrenere Leser über meine ihm nothwendig geringfügigen und werthlosen' Betrachtungen nicht ungehalten sein, da. ich, nicht einmal ein Kalendermacher, Verzicht leistend auf hervorragendes, astronomisches Wissen und gerne zugebend: non omnia possmmis ouines, für ihn nur. das daraus gezogene Endresultat geschrieben wissen will. Die Benennung des Monats „tfihh *) Neumond" zeigt uns die Zeitrechnung nach dem Laufe des Mondes schon bei der Entstehung des Hebräischen Volkes. Man achte hierbei besonders auf die Ausdrucksweise i&Hnip der Neumondstag in seinem Neufein". Es muß jedoch zugleich bemerkt werden, daß schon in frühster Zeit auf das Sonnenjahr Rücksicht genommen ward. Die biblische Benennung nämlich nDNH2) ahn und die Bezeichnung der Festtage rpDNH Jlh, *vapn -in an einem bestimmten Tage des Monats wären nach der alleinigen Berechnung des zwölfmonatlichen Mondjahres nicht denkbar, weil nach dieser das Aehrenfest bald Anfangs Winter und das Erndtefest bald Anfangs Sommer, überhaupt in jedem Jahre ganz anders hatte fallen müssen. Es war auch diese Zeitrechnung nach dem Laufe des Mondes die gleichsam augenscheinlichste, weil der Mond allen und jeden in der freien Natur und unter einem meist heitern Himmel Lebenden bald mehr, bald weniger, bald ganz, bald gar nicht sichtbar wird; sie war zugleich die natürlichste, weit er in dieser seiner ab- und zunehmenden Sichtbarkeit oder gänzlichen Unsichtbarkeit eine gewisse Anzahl von Tagen und Stunden regelmäßig durchläuft. Man hatte nur den Mond zu beobachten, wann er zuerst an seinem äußersten Rande sichtbar ward, diesen Tag der Beobachtung als den ersten des Monats zu zählen, und mit der Zählung so lange fortzufahcen bis der Mond nach der Unsichtbarkeit von etlichen Tagen sich wieder zeigt. Den Tag selbst, an welchem der Mond von den wahrscheinlich schon in frühester Zeit angestellten und ausgeschickten Beobachtern zuerst wahrgenommen und nach welchem die Festtagswie die ganze Zeitrechnung angeordnet ward, zeichnet man durch besondere Opfer vor den übrigen Tagen aus, damit ec von Jedermann bemerkt, wahrgenommen und erkannt werde» Später als ein oberster Gerichtshof (Synedrium und Bet- Din Hagadol) in Jerusalem bestand, verkündete dieser daselbst das Sichtbarwerden 1) von dem im Kal umgebr. „neu sein"; arab. rfifi recensj novus fuit; Monat von Mond. 2) S. Sanhedrin 13 b. 3DND llNN HN IW ]D\* NW Dölpn hw 2DN; Maim. Hilchot Kidusch Hachodesch Eap. 1 lex 1., .wozu der Commentar: Nr? xbw +o, nnnn w?w oons ün dwn Dw.m rwD O'-QM nenn nw mj;d noön 'm ift nos wj» mvn ann m -iwnm. 3) In Berachot 63 b Wird zur Bekräftigung, daß nicht im 2tuslande das Schaltjahr eingesetzt u. der Monat bestimmt werden solle: HSim O'ahn ymp> “DJJD

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