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Der Orient · 1842-10-18 · Heft 43 (18.10.1842) · p. Seite 341

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Journal
Der Orient
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 43 (18.10.1842)
Date
1842-10-18
Page
Seite 341 (sequence 9)
Language
German
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341 London), der Archires israeliles (in Paris) und der Revue orientale (in Brüssel) werden in Deutschland rheils spät, cheils unzusammenhängend bekannt. Dies komm: lediglich daher, daß die Eigenthümec dieser Zeitschriften sich in Deutschland keinen Commisstonar halten, durch den sie regelmäßig nach ihrem Erscheinen bezogen werden können. Ware dieses aber von nun an der Fall, so würde sich auch ihr Leserkreis bedeutend erweitern (denn nirgends ist das Interesse an den geistigen Errungenschaften der Juden so lebhaft wie gerade in Deutschland), ja es würde in Wochen- und Jahresberichten auf sie Rücksicht genommen werden können und dadurch allmalig ein größerer Wetteifer der Redacteurs, eine vermehrte Aufmerksamkeit des Publikums auf das wirklich Interessante und Bedeutendere, im Allgemeinen auch ein lebhafterer Austausch der Ideen, Ansichten, Urtheile und Erfahrungen, so wie der Bekanntschaft mit den größeren literarischen Fachwerken der einzelnen Lander, später mit der gesammten Bibliographie erfolgen können, und auch die Polemik würde schnellere und wirksamere Resultate liefern als bisher. Am besten wäre es wohl, die Herausgeber der obengenannten Zeitschriften hielten einen gemeinschaftlichen Commissionair in Leipzig, der auch den Austausch mit den in Deutschland erscheinenden Zeitschriften regelmäßig und ununterbrochen besorgte. Die deutschen Journale wiederum müßten sich eine direkte und schnelle Communication mit Polen und Rußland eröffnen, theils um ihre Mittheilungen dort zur Benutzung bieten, theils um die dort sich innerhalb der jüdischen Kreise vorbereitenden Ereignisse genau verfolgen zu können. Dadurch würden sich auch die russischen und polnischen Juden, namentlich in Wilna, zu öfteren Berichten über den Stand ihrer Angelegenheiten entschließen, zumal wenn dabei die Quelle nicht namhaft gemacht würde. Denn allerdings schweigt jetzt Mancher trotz seiner guten Absicht, weil er die Verdächtigung bei der Regierung und Verfolgung von Seiten der Fanatiker fürchtet. — Wilna scheint der Mittelpunkt der neuen Culturbewegung werden zu sollen; die dort an der Spitze des Schulwesens stehenden Ehrenmänner Klaczkow, Süskind und Günzburg haben der Sache des Lichts bereits große Mpfer gebracht. Von dort aus ist bereits ein junger Mann, dessen Fähigkeiten und Antecedentien zu guten Hoffnungen berechtigen und der auch von wackern Gelehrten in Königsberg und Berlin weiter empfohlen ist, nach Deutschland geschickt worden, um sich für die Uebernahme eines Lehramtes in seinem Vaterlande auszubilden. Die meisten bisher nach Deutschland gekommenen jungen Russen und Polen jüdischen Glaubens wanderten mehr ohne äußere Anregung und zur Vorbereitung auf medicinische Studien ins Ausland; es ist daher zu hoffen, daß dieTheilnahme, die sie unter uns, namentlich in Hamburg, wo auch der Obenerwähnte zuvörderst zu bleiben gedenkt, gefunden haben, in noch größerem Maaßstabe auf diese übergetragen werde. Wie sehr in Wilna die Anerkennung der deutschen Literatur im Wachsen begriffen ist, beweist unter Anderm die von einem der drei erstgenannten Männer vollendete hebr. Übersetzung der Pälitzschen Weltgeschichte. — Es wird mir diesmal fast schwer, von dem Allgemeinen und Ausländischen wieder zu dem Heimischen zurückzukehren. — Doch darf ich nicht unerwähnt lassen, daß das Frankfurter Journal kürzlich wieder das nicht ferne Erscheinen des preuß. Judengesetzes verkündigt hat. — Es verlautet ferner, daß die würtem-. bergische Regierung dem nächsten Landtage einen Gesetzentwurf über die vollständige Emancipation der Juden vorzulegen gedenke. — Ueber die Wahl in Cassel ist noch nichts entschieden; wahrend der Orient Nr. 40 Hrn. De. Pinner die meiste Aussicht auf diese Stelle zuspricht, wollen Unterrichtete behaupten, daß die meisten Stimmen sich auf Herrn Hirsch, Rabbiner in Emden, wenden würden. — Das klägliche Schicksal des berüchtigten Simon Deutz in Paris, der, nachdem ec katholisch geworden, seine Beschützerin, die Herzogin von Berry verrathen, dann wieder zum Judenthum zurückgekehrt, von den Almosen der Pariser Juden gelebt hat und neuerdings in das Spital als Bettler und Landstreicher ausgenommen worden ist, gehört in eine jüdische Zeitschrift freilich eben so wenig, als die Nachrichten über das Gastmahl, das Herr von Rothschild dem Fürsten von Metternich jüngst gegeben; nur darum seien beide Vorgänge hier angeführt, weil sie beweisen, daß die Gunst der Mächtigen gegen den Einzelnen in der Lage der jüdischen Gesammtheit nichts ändern kann. Wohl uns, wenn sie auch nichts andern darf, weder zum Guten noch zum Schlimmen. Brauchen wir ja nichts Anderes als das Recht aus unsrer Seite zu haben, und wir sind des — wenn auch späten — Sieges gewiß. Vor Allem hüten wir uns vor — Eitelkeit und Augendienerei, und beschönigen wir kein Unrecht, wenn es uns auch schwer wird, dasselbe am eigenen Glaubensgenossen zu rügen. TI Berlin, 11. Octbr. Seit einigen Wochen ist in den Angelegenheiten unsrer jüdischen Gemeinde eine so große, wenigstens äußere Stagnation eingetreten, daß es schwer fallt, Tagesneuigkeiten aus ' diesem Kreise zu berichten. Es scheint als habe die Regsamkeit, welche vor mehreren Wochen in demselben herrschte, sich überlebt, und als ob allgemach die frühere Indifferenz wiederum Platz greife. Wenn dem so ist, so fallt die Schuld ganz allein auf die leitende Behörde unsrer Gemeinde, die sich in dieser entscheidenden Zeit ein Benehmen zu Schulden kommen ließ, das eben so wenig mit den Regeln der Klugheit wie mit den Anforderungen der Gegenwart übereinstimmt. Warum sind die intelligenteren Mitglieder des Vorstandes, sonst als liberale Freunde der Oeffemlichkeit bekannt, nur in dieser Funenon

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