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Der Orient · 1842-10-18 · Heft 43 (18.10.1842) · p. Seite 338

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Journal
Der Orient
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 43 (18.10.1842)
Date
1842-10-18
Page
Seite 338 (sequence 3)
Language
German
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338 -Lvergirender, sympathisirender oder feindseliger Richtung mit den öffentlichen Organen der Mitwelt und mit den einzelnen Sprechern derselben gekommen sind, nur darum in einzelnen Paragraphen, in gesonderten Abschnitten reden , weil Ruh epunk te n o t h w e n d i g sind und weil sich des Juden Charakter, seine Lebens-, Denk- und Handlungsweise, sein Streben nach dem Bessern und andrerseits der gegey ihn geübte Druck in einer Gegend anders abspiegeln als in der andern. — Das eben beweist, daß die Juden kein Volk mehr sind, daß sie keine Nationalität mehr haben, daß sie keinen Staat im Staate mehr ausmachen wollen und können, daß abgeschlossene Corporationen ihre Sehnsucht nicht mehr auszufüllen vermögen. Es fehlt den Juden aller Länder durchaus an jeder kompacten Einheit, an jedem gegenseitigen äußeren Verhältnisse: nur der Druck, das Unrecht, unter dem sie allzumal seufzen, hält sie noch zusammen, aber das Band lockert sich immer deutlicher, je mehr sie vom Magnete des Volks- und Staatslebens der Christen , das wir mit einem christlichen nicht verwechseln dürfen, angezogen werden. Je nähere Gegenstände ihre Sympathie erheischen, desto weniger wird ihnen für die entfernteren übrig bleiben, und nicht die Sprache, sondern nur die Form des Gottesdienstes wird sie noch mit einer innerlichen, unsichtbaren, unwägbaren und ungreifbaren Kette verknüpfen. Sind die Ketten, die wir alle, Christ oder Jude, noch im modernen Europa mit uns herumschleppen, erst gesprengt oder mit milder Hand gelöst, dann giebt es auch keine Judenkette mehr, dann schreckt das Gespenst einer jüdischen Absonderungssucht Niemanden mehrmals etwa einen abergläubischen oder wahnwitzigen Thoren. Jetzt quält das böse Gewissen noch manche Regierung und manche Ständeversammlung, manchen Minister und manchen Magistrat: ist erst das Unrecht gesühnt, dann weicht die Nacht dem Lichte und die Nebelgestalten verschwinden. Haben wir erst das Vertrauen gewonnen, daß diese Wegweiser und Meilenzeiger Ws auf die rechte Bahn zum Ziele leiten, so können wir uns noch um so Vieles leichter der Hoffnung hingeben, daß wir die Wahl desjenigen Punktes, von welchem aus wir unsere Rundschau beginnen wollen, von unfern Lesern gebilligt sehen werden. Nicht blos, weil der Verfasser dieses Rückblickes in Hamburg lebt (obwohl dieser Grund nach der jetzt von vielen Geographen angenommenen Methode, mit der nächsten Umgebung den Anfang zu machen, eine ziemlich allgemeine Approbation finden könnte), nicht blos darum also, weil diese Worte von Hamburg aus ihre Wanderschaft 'in den „Orient" gemacht haben, werden wir der Betrachtung, wie sich die jüdischen Verhältnisse im Jahve £>602 in Hamburg gestaltet haben, den ersten Platz rinräumen, sondern wir glauben ihr schon darum den Vorhang vindi'ciren zu dürfen, weil sie uns das ganze jüdische Leben der Jetztzeit nach allen feinen Richtungen/ Fraktionen, Nuancen und Strahlenbrechungen gleichsam en niiniatuj'e vorzuführen und wie in einem Kaleidoskop aNschaum zu lassen., geeignet ist. Dürfen wir anders die gegenwärtige Bewegung im ..Judenthume, die politische (oder sociale) und die religiöse (und wissenschaftliche) mit dem Ehrennamen eines Makrokosmus belegen, so bilden, diejenigen Wellen, in denen sich das Bild der Hamburger jüdischen-Gemeinde abspiegelt, den Mikrokosmus, der das Ganze in verjüngtem Maßstabe repräsentirt. 1. Hamburg. Zwei Ereignisse sind es hauptsächlich, welche in die Annalen der Hamburger jüdischen G e m e i n d e für das Jahr 5602 mit hervorstechenden Charakteren eingetragen zu werden verdienen: der durch das Erscheinen des Tempelgebetbuches hevvo-vMrufene religiöse Kampf und die unglückselige Feuersbrunst, die während dreier Maitage den schönsten und lebhaftesten Theil Hamburgs in Asche legte. Beide Begebenheiten droheten der Hamburger jüdischen Gemeinde eine unheilbare Wunde zu schlagen, indem die erstere ihren innern Frieden, die bis dahin stattgefundene Einigkeit und gegenseitig geübte Duldung aufheben, die letztere aber ihren Wohlstand zerrütten und die Folgen des Unglücks sogar auf Enkel und Urenkel vererben zu wollen schien. Jetzt, da die Stürme schweigen nnd die hoch aufgethür-mten Wellen sich zu glätten an gefangen haben , jetzt, da jene Gefahren, weniZstens für den gegenwärtigen Moment, in den Hintergrund getreten sind, macht sich auch schon das lebenskräftige Princip der menschlichen Seele, machen sich die Hoffnung und das Vertrauen geltend, daß die Flammen auch die Saat der Zwietracht, wie sie dieselbe momentan erstickt, in alle Zukunft nicht werden aufgehen und emporwuchern lassen. Wie jede Eruption des Vesuvs, je größere Verheerungen sie angerichtet, das Erdreich in desto fruchtbarerem Zustande zurückläßt, so wird auch — wir erwarten es mit Zuversicht — dem Mißgeschick Segen entsprießen. Die Gemeinde wird ihren Ruf, ihr Ansehen, ihre Bedeutung und ihren Einfluß nicht blos dauernd erhalten, sondern auch fort und fort befestigen und vermehren. (Fortsetzung folgt.) Palästina. cu M. 7. Ott. Das seit lange gehegte, bewährte nnd belegte Mißtrauen gegen die richtige und rechtschaffene Vertheilung der Spenden unter die Armen Palästina's, das vielfach schon geäußerte Verlangen, die Beförderung über Amsterdam zu unterbrechen und einen andern Weg zu wählen, ist nun hier endlich zum Durchbruche gekommen, und zwar, wie man allgemein glaubt zum Besten der Armen im heiligen LanLs unserer Väter. In den hiesigen Journalen hat sich folgende Polemik eröffnet'.

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