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Der Orient · 1842-10-11 · Heft 42 (11.10.1842) · p. Seite 334

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Journal
Der Orient
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 42 (11.10.1842)
Date
1842-10-11
Page
Seite 334 (sequence 11)
Language
German
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334 len. Herr Buchhändler Dumont, der Eigertthümer dieser Zeitung, wollte die Spalten seines Blattes dazu nicht einräumen und suchte allerlei Ausflüchte, als Herr Ochse-Stern sich zur Bezahlung des Inserates erbot. Nach mehrfachem Hin- und Herschreiben erscheint die Replik sammt der ganzen vorgängigen Correspondenz in der Rhein. Zeit, vom 10. Sept. als Inserat. Herr Ochse-Stern beruft sich hauptsächlich auf die Aussprüche des Sanhedrin in Paris, die namentlich wegen der Zeit ihrer Emanation noch auf die Juden der Rheinprovinzen besonders Anwendung fänden. — In der einleitenden Correspondenz zwischen Herrn Dumont und Herrn Ochse-Stern spielt Ersterer darauf an, daß die Rhein. Zeit, im jüdischen Interesse redigirt werde. Da die Redaktion diese Bemerkung nicht kommentirt, so leuchtet daraus hervor, daß sie ihre Sympathie für die Juden, deren sie sich auch wahrlich nicht zu schämen braucht, gar nicht in Abrede stellt. Während hier aus der Parteianstcht kein Hehl gemacht wird, sucht man von andern Seiten her das Chrrstenthum einzelner Staatsmänner zu verdächtigen und aus ihnen heimliche Juden zu machen, um sie desto sicherer in der öffentlichen Meinung zu Grunde zu rich- \ ten. Alles, was mißliebig ist, wird auf diese Weise zu ' Jüdischem gestempelt. So behaupten politische Gegner i Mendizabals, des frühern span. Finanzministers, man / habe ihm heimlich des Abends in die Synagoge zu Bayonne schleichen sehen; ein anderer politischer Agent, ' der für die spanische Reaktion wirkt, Mitchell, soll gleich- - falls trotz seines Namens kein Engländer, sondern ein Jude aus Franks, a. M. sein. Wollte man doch aus dem polnischen Dichter Adam Mickiewicz durchaus einen, Frankistm machen. Ich mochte darauf wetten, daß bald ein Pariser Correspondent dieses Mährchen wieder auftischen wird, um zu erklären, wie die Ansichten des poln. Geistlichen Towianski so großen Einfluß auf ihn üben konnten. Dieser Towianski, von der A. A. Zeit. Towinski genannt, soll nach dieser ein russischer Emissär sein, der die poln. Emigration in ein religiös-mystisches Netz gelockt habe. Die L. A. Z. behauptet dagegen, Towianski sei kein russischer Agent, sondern bekenne sich zu der Ansicht, nicht Waffengewalt, sondern Gottes Fügung würde Polen wiederherstellen; auf allen Völkern, mit Ausnahme der Franzosen, Polen und Juden, die die.Erbsünde bereits gebüßt hätten, laste dieselbe noch, besonders auf den Engländern; Juden und Polen müßten sich eng verbünden, und ihren Haß für immer fahren lassen. In der Schrift: Polen und Christus von Louis Krolikowski3) sollen diese Ideen weitläufiger 3) Herr Louis Krolikowski, ein geistreicher und edler Pole, dirigirte nach der poln. Revolution ein Erziehungsinstitut in Krakau, wurde aber später verjagt und begab sich nach Paris, wo er das inhaltreiche Buch: Memoire sur ausgeführt sein. — Jedenfalls ist nicht zu leugnen, daß, wenn es eine Erbsünde gäbe, diese durch die sranz. Revolution von 1789, durch die drei polnischen Theilungen und durch den Fceiheitskampf der Polen 18§£, so wie durch das jahrhundertlange Elend der Juden Hinlänglich gebüßt wäre. Auch zur Einigkeit zwischen Polen und Juden möchten wir im Interesse des Landes und der Humanität unbedingt rachen. Auch dürfte gleiches Unglück sie leicht verketten. — Der Bericht in der L. A. Z. über Towianski erscheint übrigens glaubwürdiger als der in der A. A. Z.; vielleicht ist Spazier der Corresp. der L. A. Z. in Paris (er war es wenigstens früher), Dieser, als Neffe und Commentator Jean Pauls, so wie Mitherausgeber der Gallerie berühmter Israeliten bekannt, zugleich der Geschichtschreiber der letzten poln. Revolution, ist in alle Plane der Emigration genau eingeweiht. Wenige Tage vor dem Schlüsse des norw. Storthings! kamen die beiden Vorschläge Sörensens in Betreff der Juden (Bitte des Storthings an. den König wegen Einziehung fernerer Erkundigungen in der Zwischenzeit bis zur nächsten Session und wegen eines Entwurfs zu den im Falle der Annahme der Wergelandschen Motion nothwendigen Abänderungen in der Privatgesetzgebung) zur Discussion, wurden aber mit resp. 58 und 67 Stimmen verworfen. Doch thut dies der Sache selbst wohl kaum irgend einen Eintrag. Nachträglich bemerke ich noch, daß nicht. 41, sondern 43 Stimmen die Minorität bei der Abstimmung über die Wergelandsche Proposition bilderen. Einige Details darüber findet man in der L.. A. Z. vom 22. Sept. — Die Intelligenz der Deputaten war. sämmttich auf der Seite der Juden, gegen diese stimmten besonders die Landgrundbesitzer und die Bauern.' Der Pfarrer Holtecmann und der Bauer Ueland beleuchteten das Thema sehr.ausführlich. Ziemlich allgemein sprach sich die Furcht vor nachtheiligen Folgen irgend einer Aenderung im Grundgesetze aus. Die Einundfünfziger (die humane Majorität) Unterzeichnete sofort die neue Wergelandsche Motion. Dr. Steinheim wird das Resultat der Debatte, welche zuerst hervorgerufen zu haben sein preiswürdiges Verdienst bleibt, wohl erst auf seiner Reise nach Mainz, wohin er sich zur Naturforscherversammlung begeben har, erfahren haben. Sein Aufsatz in Nr. 37 und 38 der Allg. Zeit, des Judenth. hat hier wegen des Angriffes auf den hiesigen geistlichen Beamten großes Aufsehen erregt. — Ein anderer Scandal, der ebenfalls kürzlich zur Sprache gekommen, bildet in Berlin das Tagesgespräch. Ungeachtet der jetzt von der öffentlichen Meinung Verurtheilte ein Jude ist, hat man doch die Religion dabei ganz aus l’etat actuel de ia ville libre de Cracovie, die schaudervoll-treue. Leidensgeschichte jenes Freistaates von 1815—>37 herausgab.

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