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Der Orient · 1842-10-11 · Heft 42 (11.10.1842) · p. Seite 333

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Journal
Der Orient
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 42 (11.10.1842)
Date
1842-10-11
Page
Seite 333 (sequence 9)
Language
German
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333 sie Schwammen gleichen, die man nach Herzenslust auspressen kann. Und Poren haben sie auch, wahrscheinlich um Angst- und Schweißtropfen hinaus-, und die Nadelstiche der „christlichen Liede" hereinzulassen. Wie arg es dieser Fanatismus treibe, gesteht selbst der Elsässer A. Weil!, der sonst häufig scandalöse Geschichten von den Juden erzählt,, in einer Eorrespondenz aus Paris in der Zeit. f. d. eleg. Welt vom 5. Septbc. ein. Ec spricht jedoch nicht von der Hauptstadt Frankreichs, sondern von seiner heimathlichen Provinz, wo die Landgeistlichen gegen die Juden von den Kanzeln herabdonnern und fluchen. — Wieder andere judenseindliche Bestrebungen haben blos den Neid über die glückliche Concurrenz einzelner Juden zur Folie. Ihr Hauptargument ist: Der Jude ist und bleibt ein Fremder; ergo —. Und nun folgen die ergötzlichsten Schlüsse, die sinnlosesten Vorwürfe, die wahnwitzigsten Vorschläge in so großer Zahl, daß sie unter einander selbst in Widerspruch gerathen. So in dem Falle des Herrn von Rosas, den ein Artikel in der L. A. 3« vom 13. Sept. (Beilage) unter der Aufschrift: „Die Aerzte in Oesterreichs kritisch und scharf beleuchtet. — In demselben Blatte (vom 14. Sept.) spricht sich ein Correspondenr (ch) aus Berlin über Savigny's Grundsätze bei der Gesetzesrevision, über den Entwurf zu einer neuen Juden-Legislation, über die christliche Liebe und die Missi'onaice mit kaustischer Ironie aus. Und abermals nt derselben Zeitung (vom 10. Sept.) theilt ein Correfp. (—) aus Berlin das Nähere über die Ablehnung des Rabbinats durch Hm. Dr. Frankel mit 2).~ Eine sehr lächerliche Einsendung in der Voss. Zeitung vom 13. Septbr. besinnt laute und leise Andachtsverrichtung und enthalt wahrscheinlich eine lokale Beziehung. — In statistischer und ethnographischer Hinsicht bemerkenswecth ist eine Reiseskizze über einen Besuch in den Barbareskenstaacen von F. F., die sich im Constittttionel vom 9. Sept. findet. Der Verfasser, der über die Lage, die Erwerbszweige, die Sitten und die Lebensart der dortigen Juden interessante Data liefert, nimmt die jüdische Gesammtbevölkerung der Berberei auf 150,000 Köpfe an, wovon 60,000 aus die Regentschaft Tunis, und von diesen wiederum 30 — 35,010 auf die Stadt Tunis, auf die Regentschaft Algier dagegen nur 20,000, auf die Stadt selbst davon nur 5000 kommen. — Die Verhältnisse der Juden im Orient sind noch immer sehr traurig. Davon giebt der kürzlich in Konstantinopel vorgesatlene Streit zwischen Armeniern und Griechen einer- und Juden andrerseits einen klaren Beweis. Der plötzliche Tod eines Armeniers, der den Juden zuge¬ 2) Ein Corresp. (*) aus Berlin vom 12. Septbr. in der L. X. A. vom 15. Septbr. spricht sich über die lebenslängliche Anstellung und die Kündigung der Rabbiner.in Bezug auf Dr. Frankel aus. schrieben wurde, soll die Armenier bewogen haben, ihre Geschäfte mit denselben gänzlich abzubrechen. Auch auf Damaskus lenkten sich jüngst unsere Gedanken zurück, als wir den zweiten Band des „Neuen Pitaval (einer Sammlung merkwürdiger Eriminalfaile aus alter' und neuer Zeit von Dr. Hitzig und Or. Häring) Leipz. b. Brockhaus 1842" zu Gesichte bekamen. Im ersten Bande waren nämlich die Damaskusgreuei von 1840 nach den humanen Berichten des Misstonairs Pyritz und des bairischen Majors von Haiibronner erzählt worden; ein Endurtheil über Schuldig oder Nichtschuldig wollten die Herausgeber nicht fallen. Sie blieben dabei nicht stehen, die Unwahrscheinlichkeit des den Juden zur Last gelegten Verbrechens anzuerkennen, ohne die Möglichkeit völlig in Abrede zu stellen. So kam es, daß der Verfasser der Damascia, H. Löwenstein, dessen Schrift dort citict worden war, an sie schrieb und zwei trefflich woüvirte Zeugnisse, eines kathol. und das eines Protestant. Theologen, beifügte, in welchen der Gebrauch des Blutes als ein bei den Juden unerhörter und streng verpönter dargestellt ist» Beide Schreiben sind in dem Vorworte zum zweiten Bande des neuen Pitaval abgedruckt; das eine rührt von I. F. v. Meyer in Franks, a. M., einem berühmten Theosophen, das andere vom Prof. Molitor daselbst her. — Die Anwesenheit des Königs von Preußen am Rheine dürfte auch für die preuß. Juden nicht ohne Folgen bleiben. Zwar war in seiner Rede nur von der Einigkeit der Eonfessionen (Katholiken und Protestanten) die. Rede; aber wenn diese eintreten soll, so bedarf es kaum der Erinnerung, daß die Toleranz überhaupt erst große Fortschritte gemacht haben muß, und dann kommt sie gewiß auch den Juden zu Gute. Der König hat übrigens einige Stunden im Hause des Banguirr Herrn Simon Oppenheim in der Nahe des Domes verweilt und seine Gaste dort empfangen. Auch mit dem Eigenthümec und seiner Gattin hat er sich einige Zeit unterhalten. Herr Simon Oppenheim har bekanntlich mit seinem Bruder David Oppenheim kurz nach der Thronbesteigung ■ Friedrich Wilhelms IY. das Promemoria zu Gunsten der Juden eingereicht, welches dem Staatscathe zur Begutachtung übergeben wurde; spater nahm er an der Begründung der Rhein. Zeitung lebhaften Antheil, wie er denn noch jetzt für die Hauptstütze derselben gilt. In der Beschreibung, die die Köln. Zeitung von dem zu Ehren des Königs gegebenen Bürgerfeste giebt, ist auch von einer dem Könige übergebenen Dankadresse die Rede, zu der ein Herr Levy.Elkan die Zeichnungen in Farben und Gold geliefert habe. . In der Rhein. Zeit, vom 10 Sept. findet sich ein langes Inserat von Ochse-Stern in Köln (dem Vernehmen nach, Vorsteher eines Handlungsinstitules und Schriftsteller im merkantilischen Fache). Herr Ochse- Stern hatte die Verleumdungen des Hrn. Dr. Hermes gegen die Juden in der Köln. Zeitung widerlegen wol-

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