Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 42 (11.10.1842)
- Date
- 1842-10-11
- Page
- Seite 332 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2360092-2360201-2360244--2681-3529732- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 3 32 - emzuräumen, oder Rechte zu bewilligen, welche das christliche Gemeinwesen beeinträchtigen könnten. Die Festhaltung dieser Rechte der Christen müsse daher der Aufhebung jener Beschränkungen die Wage halten, beides könne nur vereint bestehen, und nicht von einander getrennt werden. Jedenfalls dürsten aber die Juden die Resultate der angeordneten Berathung ruhig erwarten, und könnten sie dabei vertrauen, daß ihnen jede, mit höheren und allgemeinen Interessen vereinbare, Verbesserung ihres Anstandes nicht versagt werden wird. Berlin, den 18. August 1842. Der Minister des Innern. (Unterzeichnet) v. Arnim An den jüdischen Kreisvorsteher, Herrn David Rothschild, Zu Simmern. Anmerkung. In vorstehendem Rescripte, das im Uebrigen denen in derselben Angelegenheit erlassenen, gleichlautend ist, sind die in den, anderen enthaltenen Worte: „Mit der Aufhebung der Militärpflicht der Juden würde denselben nichts genommen werden, da ihnen der freiwillige Eintritt in den Militärdienst gestattet bliebe," ausgelassen, was zu günstigen Hoffnungen in dieser Beziehung berechtigt. Deutschland. Hamburg, 29. Septbr. (Wochenbericht über jüdische Verhältnisse. 22—29. Septbr.). Während nun die russische Regierung die jüdischen Landeseinwohner zu civilisiren strebt, wird ein anderer nordischer Staat den Juden noch langer unzugänglich bleiben. Nach Briefen vom 9. Septbr. hat das jetzt in Christiania versammelte Storthing den Wergelandschen Antrag auf Streichung des der Einwanderung der Juden in Norwegen entgegenstehenden Paragraphen des Grundgesetzes zwar mit 51 gegen 41 Stimmen angenommen, der Zweck der Motion ist jedoch dadurch vereitelt, daß es einer Majorität von zwei Dritttheilen der Storchingsmitglieder bedarf, um ein organisches Statut, nämlich einen Artikel des Grundgesetzes, abzuändern. Da nun, wenn keine Stimmen verloren gegangen sind, bei der darüber stattgefundenen Berathung wenigstens 92 Mitglieder des Storthings anwesend waren, so wäre die Zustimmung von 62 Abgeordneten erforderlich gewesen. Das Prineip hatte aber.— so viel ist fast mit Sicherheit anzunehmen -- unbedingt schon diesmal den Sieg davon getragen, wenn nicht dies Festhalten der Norweger an ihrem Grundgesetze ein so strenges und unbeugsames wäre, daß sie Alles, in unserm Falle leider auch das Recht, der Consequenz opfern zu müffen glauben. Zur Steuer der Wahrheit müffen wir jedoch hinzusügen, daß den Norwegern allerdings in den letzten Jahren auch solche Abänderungen ihrer Verfaffung zugemuthet wurden, denen sie mit allen Kräften schon darum mtgegenzustreben gegründete Ursache hatten, weil sie in jenen Modisi'kationsverfuchen eine schlaue Reaktion gegen die theils ererbten, theils mühsam errungenen, und bis jetzt in voller, fast demokratischer Ausdehnung bewahrten Rechte erblickten. Wer darf es ihnen wohl verargen, wenn sie dadurch mißtrauischer geworden sind? Doch wird dieses Mißtrauen gewiß seinen nachtheiligen Einfluß auf die Sache der Juden bald verlieren und vielleicht schon bei der nächsten Diät wird die Ueberzeugung die Oberhand gewinnen, daß es sich hier um keine Nachgiebigkeit gegen die Herrschsucht, sondern vielmehr um* ein freiwilliges Hingeben an eine der humansten Ideen der Zeit handle. — An denen, die das Werk begonnen haben, ist es nun, nicht zu erschlaffen, sondern alle Kräfte anzuspannen, damit das Resultat der nächsten Berathung ein vollkommen befriedigendes werde. Vielleicht wäre es zweckmäßig, von Kopenhagen aus durch angesehene, unlerrichtete, hochsinnige Juden in der Zwischenzeit, auf die einflußreichen Repräsentanten des norwegischen Volkes zu wirken, da zwischen Dänemark und Norwegen unstreitig innigere Sympathien vorhanden sind, als zwischen Norwegen und Schweden oder zwischen Norwegen und Deutschland. Die Absendung einer jüdischen Mission nach Skandinavien wäre ein vielleicht nicht ganz zu verwerfendes und gewiß leicht ausführbares Unternehmen. Denn beffer als durch Schriften laßt sich durch öffentliche Reden und mündlichen Austausch der Ideen auf die Stimmung des Volkes wirken, wie denn in Dänemark bereits Disputationen zu andern Humanitatszwecken stattgefunden haben; auch würden ja die Mittheilungen in unserem Falle um so leichter Eingang finden, da es sich um keine Proselytenmacherei, um keine religiöse Bekehrungsmanie 1), handelt. Wie diese, so erlaubt sich auch der Fanatismus die jesuitischen Experimente gegen die Juden, die in dieser Rücksicht noch, immer für vogelftei zu gelten scheinen. Der Haß ist blind und kann daher selbst über sein eigentliches Ziel nicht Rechenschaft geben. Man hört zwar hin und wieder behaupten, er trachte darnach, die Juden mit Stumpf und Stiel zu vertilgen; aber so weit würde er, wenn auch kein bürgerliches Gesetz und keine weltliche Macht ihn hinderte, wohl schon darum nicht gehen, damit er immer einen Gegenstand für seine Feigheit und Wildheit übrig behalte. Was sollte der Fanatismus vor Langeweile beginnen, wenn er nicht mit den armen Juden etwas Kurzweil treiben könnte? Zur Zielscheibe seines Witzes sind die Juden immer zu gebrauchen; auch entbehrt man ihrer nicht gern, so lange 1) Kürzlich kam wieder ein Fall der Art in F. (Fraustadt) vor. Bergl. darüber c. über die Mssionaire L. A. A. vom 15. Septbr.