Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1842
- Issue
- 41 (4.10.1842)
- Date
- 1842-10-04
- Page
- Spalte 653-654 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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653 Jüd. Alterthumskunde. Die Beschneidung gese an, welche bei ihm im Hinblick auf die Beschneidung besonders stack ausgeprägt sich findet. Bekanntlich lebte Philo, der Jude, im ersten Jahrhundert nach Chr. Geb., war Zeitgenosse der Apostel und eben so als Exeget, wie als Philosoph berühmt. Wir finden ihn unter der Regierung des Kaisers Claudius, Caligula's Nachfolgers, als Gesandten der alexandrinischen Juden in Rom, bei denen er in hohem Ansehen gestanden zu haben scheint. Obgleich aus dem Geschlecht der Ahroniten stammend und sich viel mit der Erklärung der Bibel beschäftigend, war er doch, wie es scheint, der hebräischen Sprache unkundig, dagegen betrachtete er die griechische als seine Muttersprache, und verfaßte in diesen alle seine zahlreichen Werke, die bis auf die beiden historischen Stücke adyersus Flacciim und de Legatione ad Cajnm meist philosophischen, kritischen und exegetischen Inhalts sind. Er hatte sich mit der platonischen Denk- und DarsteUungsweise so innig vertraut gemacht, daß man zu sagen pflegte: rj ID,caa> yilcovl&l, ij 'ijjlXco TclciTwvi&L. Die beiden genannten historischen Werke verdienten wohl in unsrer Zeit eine genauere Beachtung und es dürste für den israelitischen Geschichtsforscher eine interessante Untersuchung werden, aus ihnen das Werhaltniß der israelitischen Gemeinde im damaligen Alexandrien zu den römischen Kaisern nachzuweisen. Merkwürdig ist es, daß in der Abhandlung über die Reihenfolge und die chronologische Ordnung der Schriften des Juden Philo von Dr. Großmann (Siehe LB. des Orients Nr. 52. 1841), wo die sammtliche Anzahl der Philoneischen Schriften ' m drei Klassen, im die dialektische, physische und ethische getheilr wurde, die Rubrik der historischen Schriften vermißt wird. Für unsren Zweck haben wir es hier blos mit der kleinen Abhandlung zu thun, welche über Beschneidung handelt und sich in dessen Werken (Philonis Judaei Opera ed. Maiigey 1/42. Vol. II. p. 210) findet. Im Eingang zu dieser unsrem Gegenstände ausschließlich gewidmeten Schrift sucht Philo den Vorwurf des Spottes, den man der Beschneidung, als einer Nationalsitte zu seiner Zeit zu machen pflegte, dadurch zu. widerlegen, daß er nachweist, daß sie bei einem der ältesten und größten Völker, bei den Egyptern, eine uralte Sitte sei. Tsiäxai 6' xcov ysvqxixcov TxsQixoprj, TZQaypct GTtovöagbpsvov ov iistQucog Kai Ttaq’ exsqoig sd'VSGi, nvd {AuliGra rep Aiyvjxxidxd, o Kal TtoXvav- ’d'QCOTtOXdXOV XDtl CCQ%dLOXdXOV elvctt, ÖOKSU Diese Stelle erinnert lebhaft an die oben citirte aus Herodot Lil). II. c. 35. In Bezug auf die symbolische Deutung äußert sich Philo: ’Eyco psv Tvqog xoig SLQrjpsvoLg xou Gvpßolov iqyovpcu %rjv TtSQizopiiv övolv xolv avayxaLOxäxoiv, svog psv, rjöovdv sxxo[irjg, dl xurayo1)]- xsvovGi (huvoiuv y sxsqov % ov yveovai x iva savxbv xal xrjv ßaqsiav voaov, xx\v ofo]Giv 'ijjv%rjg axtd- GdG&cu* d. h. Nach meinem Dafürhalten werden zwei bei den Israeliten. Von Dr. Bergson. 654 sehr wichtige Dinge unter dem Symbol der Beschneidung dargestellt, erstens die Ausrottung (elg. Ausschneidung hxopij) der den Geist übermannenden sinnlichen Begierden, und zweitens, die Selbsterkenntniß und die dadurch erlangte Verbannung des Eigendünkels, dieser schweren Seelenkrankheit. Zur Begründung dieser symbolischen Erklärung giebt Philo die Gründe dahin an: was die Ausrottung der Begierden betrifft, so nehme unter denselben die des Geschlechlstriebes die erste Stelle ein, und wenn der Gesetzgeber letzteren, als den Repräsentanten aller andern beschranken wollte, so hatte er eben dadurch die Einschränkung der übrigen sinnbildlich angedeutet: btzsiÖt] yccq xd VLKYjxriQLCi cpeqsraL xtiv sv Tjöovalg qjlXxqtov, vj dvöqbg Txqog yvvcdxa Gwovoia, xo VTtSQ7]Xovv xcdg TOLavzaig ü^iXiaiG oq~ yavov dXQcox'i]QLdrgsLv söb^si xolg vofio&hcug. Zweitens , was die Ausrottung des Eigendünkels betrifft, so wollte damit der Gesetzgeber den Uebermuth vieler Menschen demüthigen, welche sich einbildeten, daß sie allein es waren, die den Menschen, den Herrn der Schöpfung, erschaffen könnten und nicht vielmehr Gott, während doch die öfters vorkommende Unfruchtbarkeit sie leicht vom Gegentheile überführen und die Abhängigkeit vom göttlichen Willen ihnen beweisen könnte. ”Evioi ydq dg uyaftol ^cooTüldGXdL £gjov xo XdkliGxov, av&qcur 7iov, 7jv%rjGdv övvaG’d'OU öyfuovqyeiv xal (pvG7]'(&evxsg vtü dld^ovsiag savxovg £'£,£&sicoGav, xuv cog dlTjdcbg ovxa aizLov ysvsGsmg, &sbv 7tttquxalvtyd{ievQL ' xai- XOiy EX TCOV GWOVXCOV hzdVOQd'CüGdöd'dl XTjV dTtdXLdV ävvdp8voi? tvoXXoi fisv ydq Ttaq avxoig eiGiv avÖqsg ayovoi, jvolkal xal Gxsiqui yvvalxsg, dv dxekslg dt bpiXlai xaxayijQdGdvxow sv dnaLdioz. Hieher gehört auch noch eine andere Stelle, die von der symbolischen Erklärung der Beschneidung handelt und sich bei Philo (in. Lil). de migralione Alrnili. p. m. 402) findet, wo es heißt: xb nsqLxspvsG&di ijöovcbv xal TXd'd'cav TCdvrcov sxxopr\v xal 66^i]g dvalqsGiv aosßovg s/it,- cpalvdi. d. h. Die Beschneidung bedeutet , die Ausrottung aller Begierden und des unfrommen Eigendünkels. Auch der Kirchenvater Athanasius (Oral, de Sah. et circumc.) spricht sich dahin aus, indem er sagt, die Beschneidung enthalte figürlich den Typus, cr\g öia.xov ßditxiGiidxog dTvsKÖvGscog, Dagegen finden wir in Philo zuerst die physi'ologischdiarelische Ansicht am deutlichsten, die er, obgleich er sie nicht als seine eigene, sondern als . eine durch heilige Tradition von den Vorfahren ihm zu Ohren gekommene ausgiebt (xavxa pev ovv elg unoctg i\X&s tffiszsqdg, dqfccaokoyovusvd TXdQd deoGiceGioig dvÖQctGiv) doch so ausführlich behandelt, daß wir nicht anstehen, ihn als Repräsentanten dieser Erklärungsweise zu betrachten. Er stellt für diese Ansicht vier Gründe auf, von denen' drei rein medicinischen Ursprungs sind, während der vierte, der Reihefolge nach bei Philo eigentlich der dritte, wie-