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Der Orient · 1842-09-27 · 40 (27.9.1842) · p. Spalte 637-638

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Journal
Der Orient
Volume
1842
Issue
40 (27.9.1842)
Date
1842-09-27
Page
Spalte 637-638 (sequence 7)
Language
German
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637 Schriften über eine zu erwartende Zeitschriften, in denen sich doch so verschiedenartige Stimmen vernehmen lassen/ der gute Styl mehr und mehr zu dominiren an fängt, doppelt unangenehm auffallen. So wenig ferner der Autor wegen der in seinem Werke stehen gebliebenen Druckfehler verantwortlich gemacht werden kann, so sehr ist doch andrerseits das Publikum, selbst wenn jener vom Druckorte entfernt wohnt, zu der Forderung berechtigt, daß nicht zu wiederholten Malen Hauptwörter mit kleinen Anfangsbuchstaben gedruckt erscheinen und ähnliche Anomalien das Auge beleidigen. — Doch dies sind nur Aeußerlichkeiten z ein wesentlicherer Einwand ließe sich dagegen erheben, daß Herr Dr. Jost die Ueberschriften der 8 Capitel, aus denen sein Buch besteht *), in Frageform aufgestellt hat, da unmittelbar nachdem das Gerücht von dem beabsichtigten Judengesetze zuerst aufgetaucht war, eine in Breslau erschienene Broschüre (von Dr. W. Freund) dieselbe Materie in 4 Fragen mit fast gleicher Motivirung absolvirt hatte. Mancher dürste vielleicht die Wahl der Form für eine durchaus gleichgültige haltenaber uns erscheint sie schon darum nicht als eine solche, weil namentlich in der Art und Weise, wie eine Frage gestellt wird, oft die Ansicht des Gegners nicht treu wiedergegeben, öfter ganz verrückt wird. — Die Antwort aus diese Fragen ist übrigens bei Herrn Dr. Jost eine gründliche, gewissenhafte, von ehrlicher Untersuchung zeugende zu nennenvier dieser Fragen (eben so viele warf auch die oben erwähnte Schrift auf), nämlich die erste, zweite, dritte und fünfte, werden natürlich mit einem durch schlagende Argumente gerechtfertigten „Nein" beantwortet, bei der Beantwortung der vierten und achten wird die Errichtung einer Centralbehörde für die Leitung der inneren Angelegenheiten der Juden besprochen und^mit Wärme empfohlen, und bei der erstgenannten noch besonders den Juden die Fähigkeit zur Bekleidung des Schiedsrichteramtes und der Eintritt in das Militair vindicirt, so wie die im entgegengesetzten Falle sich ergebenden Jnconvenienzen beleuchtet. Die sechste und siebente Frage *) Nach vorangeschickter Einleitung (S. 3—12.): 1) Sind Gründe vorhanden, welche eine Abänderung der bestehenden Basis für eine die Juden im Preuß. Staate betreffende Gesetzgebung erheischen? (S. 12—19.) 2) Haben die Juden in ihrer Zerstreuung eine Nationalität? (t9—27.) ' 3) Kann es dem Interesse eines Staates zusagen, die Juden als Nation zu behandeln, liegt es in der Macht der Gesetzgebung, sie zu einer Nationzu machen? (27—36.) 4) Wiefern bilden die Juden im Preuß. Staate eine Corporation? (36—44.) 5) Sind die Juden durch ihr Religionsbekenntniß gehindert, Militairdienste zu leisten? (44—52.) 6) Wie ist der geschichtliche Boden beschaffen, auf welchem die Preuß. Juden stehen? (52—62.) 7) Wie fern ließe sich bei den herrschenden Ansichten eine Ausgleichung der obwaltenden Schwierigkeiten denken? (62-81.) 8) Wiefern hat die Gesetzgebung die Gewissensfreiheit der Juden zu beachten? (81—88.) Verfassung der Juden in Preußen. 638 endlich geben dem Vf. Gelegenheit, die Mrechtmäßigkeit der seit 1822 gemachten Beschränkungen des Gesetzes von 1812 und die Nothwendigkeit der Rückkehr zu demselben, mit alleiniger Aufrechthaltung der durch die Kirche direkt gebotenen Schranken, aber mit Aufhebung aller bürgerlichen Hemmungen, gründlich auseinanderzu fetzen. Am Schlüsse unseres Referats sei es uns noch einmal erlaubt, unser gerechtes Bedauern zu äußern, daß der gegenwärtige Moment einer Discussion in ausgedehnterem Maaßstabe nicht günstig, sondern vielmehr abhold ist. Alle Tagesfragen ohne Ausnahme wollen jetzt in den periodischen Blättern, in aphoristischer Form, und in kurzen Intervallen immer wieder erneut, behandelt sein. Diese unaufhörliche Wiederholung derselben Themata würde Ermüdung und Langeweile mit sich führen, wenn sie nicht durch Lebendigkeit der Form, durch polemische Regsamkeit, durch die Abwechselung der Stand- und Gesichtspunkte, welche keine Einseitigkeit zuläßt, einen stets frischen Reiz gewönne und behielte. C. 5) Mein fünfzigjähriges Dienstleben und literarisches Wirken. Ein Beitrag zur rhatsächlichen Beleuchtung der Frage: „Sind Juden zum Staatsdienst geeignet?" Von S. Sachs, königl. Regierungs-Bau - Inspektor in Berlin. (Zum Besten der Berliner Armen). Berl. 1842. 8. Das rem Persönliche, wenn es in Beziehung zur Allgemeinheit steht, zieht oft schon deßhalb mehr an, weil sich darin gleichsam die Verkörperung einer Idee offenbart, oder besser, weil es die Reallst'rung Desjenigen ist, was in der Allgemeinheit nur als Möglichkeit uns entgegentritt, und dieses ist mit der Lebensschilderung des Hrn. S. Sachs der Fall. Die in der Theorie längst bestätigte These, daß der Jude in Preußen gewiß eben so gut als der Christ zu irgend einer Bedienstung im Staate geeignet sei, hat der Vers, durch seinen 50jährigen Dienst, der den 9. Dee. 1842 abläuft, verkörpert, und wir empfehlen diese Schilderung eines Greises, am Rande seines 70jährigen Lebens nicht blos den Juden zum Muster, sondern auch der hohen Negierung zur Einsicht, wie auch ein Jude durch alle Schicksalsphasen des Vaterlandes, seinem Könige, seinem Vaterlande treu, und diesen sein Leben, seine Kräfte opfert, und am Herbste seiner Tage über sein Dienst- Leben Rechnung ablegen kann, wie sich kein Staatsdiener deren zu schämen hätte. Mit hohem Interesse wird der Leser diese Biographie und Schilderung durchlesen, dessen glaube ich überzeugt zu sein, und ich unterlasse daher, Auszüge aus diesem Leben zu geben, das Buch selbst empfehlend. Auch ich habe jedes Blatt in demselben mit inniger Wehmuth. gelesen, ,Wehmuth wegen der vielen Anfechtungen und Leiden des Vers, in seinem 50jährigen Dienste, die er als Jude um seines Glaubens willen zu ertragen hatte- und gewiß wird auch der Leser mit mir ihm wegen seines Bestehens im Lebenskämpfe Glück wünschen, daß er nicht, wie so viele Herzens- und Glaubensschwache, die Religion seiner Väter um des

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