Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1842
- Issue
- 40 (27.9.1842)
- Date
- 1842-09-27
- Page
- Spalte 639-640 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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«39 Literarische Ankündigungen. MO vergänglichen Genusses willen vertauschte. Glücklich wer von sich am Rande des Lebens sagen kann: „Die Lieblichkeit der jüd. Religionsgebräuche, mit ihren erhabenen Gesängen und Prophezeihungen', mit ihrem kühnen und poetischen Schwung nach oben, hatte in meinem tiefsten Leben eine Gluth entzündet, die seitdem nicht wieder erloschen ist. Späterhin war ich so glücklich, die Vorurtheile abzustreifen, welche dieser Religion zum Theil ankleben; ihr Rosenduft aus der frühen Kindheit aber und ihr heiliger, Gott geweiheter Kern haben mein Leben immerdar beglückt und meinen Muth erstarkt". Rührend ist aber auch die Angabe des Zusammenhanges seines Lebens ^mit seinen Glaubensgenossen, welche der nun einsam wandelnde Greis im Eingänge seines Buches so trefflich beschreibt: „Ich bin es gewissermaßen meinen Glaubensgenossen, den Juden, schuldig, über mein Dienstleben Rechenschaft abzulegen. Sie haben ein Recht , mich zu fragen: Wie hast du die.dir gestellte Ausgabe gelöst? Du warst unter Millionen der Einzige, dem es vergönnt ward, im preußischen Civildienste ein Amt zu bekleiden. Du warst es, der uns die Bahn brechen konnte, indem du die Gelegenheit hattest, das graue Vorurtheil, daß kein Jude zu einem Staatsdienste sich eigne, zu vernichten rc." Und Hr. S. Sachs hat diese Frage in der getreuen Schilderung seines Lebens schön beantwortet, welche wir unfern Lesern auch recht angelegentlich empfehlen. F. 6) Welche Motive können dem neuen Iudengesetze zu Grunde liegen? Von E. Waller. Berlin 1842. 8. Springer. Dieses kleine blos 16 Seiten starke Schriftchen bespricht oder untersucht vielmehr nach rationellen Gründen die Motive des zu erwartenden Gesetzes, ohne sich mit der Entstehung des jetzigen Zustandes zu befassen. Die Oeffentlichkeit bezeichnete nämlich die Bewahrung und Fortbildung der jüdischen Religion und Nationalität als Beweggrund des Gesetzvorschlages und in begeisternden und trefflichen Worten weist Hr. Waller nach, wie diese Isolirungsmotive nur durch Unkenntniß der jüdischen Zustände, oder aus bösem Herzen entstehen können, wie die Juden sich gegen Isolirung sträuben, und wie von der Gerechtigkeit des Königs nicht zu erwarten ist, daß ein verderbliches Isolirungssystem eingeführt würde. Nach Besprechung dieser Angelegenheit kommt der Vers, auf die neuesten Schmähschriften gegen die Juden, auf die aus irrthümlichen Ansichten entstandene von Hoffmann und die aus glühendem Haffe geborene von Brand, und es ist nicht zu verwundern, daß der Verf. die schneidendsten, bittersten Worte wählt. „Nur der Judenhaß", schließt der Verf. seine Aufsuchung der Motive, „dieses aus den finstern Jahrhunderten des Mittelalters stammende, die Menschheit entehrende Vorurtheil, dieser Moloch, dem zur Zeit der Kreuzzüge so viele Menschenopfer geschlachtet wurden, dieser tückische Dämon ist es, der noch jetzt das Dasein des Juden verbittert, ihn von den Genüssen, des Lebens ausschließt und unaufhörlich an seinem Geiste und Körper nagt". Aber so alt auch das Vorurtheil gegen die Juden ist, so, kann es doch nur bestehen bei einer vorurtheilsvollen Gesetzgebung, bei dem Mißtrauen der Legislatur. Wer möchte bei dieser Gelegenheit nicht an die Worte des deutschen Sängers (Klopstocks) denken: Wen faßt des Mitleids Schauer nicht, wenn er sieht, . Wie unser Pöbel Kanaans Volk entmenscht! Und thut der's nicht, weil unsere Fürsten Sie in zu eiserne Fessel schmieden? F. Literarische Ankündigungen. In diesen Ankündigungen werden literarische Anzeigen aller Art, besonders in so weit sie jüdische und orientalische Geschichte und Literatur betreffen, gegen Sgr. für die gespaltene Petit-Zeile oder deren Raum ausgenommen. Erwiderung. Die Bemerkung des Hrn. M. Schwarzauer in Nr. 29 dieser Blätter erscheint insofern gerechtfertiget, als die Benennungen „Ostern" und „Pfingsten" keine judenthümliche Beziehung haben, in welcher sie aber auch an der bezogenen Stelle nicht gebraucht werden; vielmehr sind im Anhang des I. Cursus und pag. 261 ff. des II. Cursus, wo dieß wirklich der Fall ist, die confesflonellen Benennungen gewählt worden. — Gleichwohl soll dieser Bemerkung in der Folge die Genugthuung der vollen Beachtung werden. Video meliora — proboque. I. H. Jakobson. Verlag von C. L. Fritz sch e. [134.] Um mit der geringen Anzahl noch vorrathiger Exemplare des in meinem Verlage erschienenen interessanten Taschenbuchs: Jeschur«» Taschenbuch für Schilderungen und Anklänge aus dem Leben der Juden. Mit G. Rießels Portrait in Stahlstich, zu räumen, verkaufe ich dasselbe von jetzt an zu dem außerordentlich billigen Preise von Zwanzig Neu- oder Silr bergroschen, wozu es, so weit der Vorrath reicht, durch alle Buchhandlungen zu beziehen ist. — Sowohl durch den Inhalt, als auch durch die prachtvolle äußere Ausstattung eignet es sich zu dem schönsten Festgeschenke. Leipzig, 15. Septbr. 1842. L. Fort. Druck von I. H. Nagel.