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Der Orient · 1842-09-27 · 40 (27.9.1842) · p. Spalte 633-634

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Journal
Der Orient
Volume
1842
Issue
40 (27.9.1842)
Date
1842-09-27
Page
Spalte 633-634 (sequence 5)
Language
German
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633 Schriften über eine zu erwartende Verfassung der Juden in Preußen, 634 durchaus makellose und darum halten wir auch seine anticipirte Entschuldigung für keine lügenhafte, wenn auch für eine durch den jetzigen Standpunkt der Kritik ihm abgedrungene. Klarer ist man freilich mit einigen andern Genossen derselben philosophischen Bestrebungen daran. Ich nenne hiervor Allen die in Köln wohnenden Redakteurs und einen großen Theil der Mitarbeiter der Rheinischen Zeitung, außer (wohl auch unter) ihnen aber vorzugsweise Meyen, Nauwerck und Buhl in Berlin. Meyen nämlich, der eigentliche Redakteur des 1841 unter Riedels Namen in Berlin erschienenen Athenäums gilt für den Vers. der Berliner Correspondenzen Ln der Hamb. Neuen Zeitung, welche die ganze, durch das beabsichtigte Iudengesetz entstandene Bewegung mit Aufmerksamkeit und mit sichtbarem Interesse für die Sache der Bedrohten verfolgten z über Nauwerk und Buhl aber habe ich kürzlich im „Orient" ausführlicher berichtete Buhl hat jedoch vor feinen wackern Geistesgenossen die fast durchsichtige Klarheit des Styls voraus, und daß es ihm auch an der Fähigkeit, sarkastisch zu sein, die Nauwerck in hohem Grade eigen ist, nicht ganz mangelt, wird ein unten folgender Auszug aus dem zweiten Hefte des Patrioten beweisen. Seitdem die jüngere Hegelsche Schule mit der altern, d. h. mit den meisten unmittelbaren Schülern Hegel's durchaus gebrochen und, mit völliger Hinansetzung und sogar mit Verachtung aller Theologie, ihre philosophische Doktrin mit den strengsten Consequenzen des Liberalismus amalgamirt oder vielmehr identifizirt hat, war ihr Hauptaugenmerk natürlich vor Allem darauf gerichtet, den Staat wie er ist in seiner Blöße darzustellen und an seiner Stelle den Staat, wie er sein sollte, im Bilde zu konstruiren. In den idealen d. h. vollkommenen Staat passen aber die Absonderungen, die Ausschließungen, die Privilegien u. s. w» auf keine Weise. Daher der Kampf gegen alle ererbten und erschliechenen Vorrechte und demnach auch gegen die Beförderer derselben. Daher die wiederholten Angriffe gegen, die Idee des sog. christlichen Staates und die wiederholte Schutzrede für die Juden und ihre gerechten Forderungen. Diese Capitel sind es nun, die Buhl als inländische Tagesfragen in seinem Patrioten zu beleuchten begonnen hat. Die Ueberschriften dieser Capitel deuten den Inhalt derselben zwar genugsam an, doch bemerke ich noch insbesondere, daß Buhl erst den christlichen Staat anatomisch zerlegen oder vielmehr chemisch zersetzen mußte, ehe er zu den Juden durchdringen konnte. Er weist bald mit kaustischem Witze, bald mit bitterem Ernste die Widersprüche auf, die in der Idee vom christl. Staate und ihrer Verwirklichung enthalten seien. Die christl. Moral, so fern sie Liebe, Duldung, Versöhnlichkeit empfehle, könne ganz gut als Staatsmoral gelten, aber das christl. Dogma könne ohne den Ruin der Gesellschaft nicht wörtlich gefaßt und strikte befolgt werden. Sonst würde Quietismus das letzte Ziel der bürgerlichen Gesellschaft werden, die sich natürlich, wenn sie aus lauter Ascetikern bestände, auflösen müßte. Es sei also ein leeres Hirngespinnst, dem man huldige, man jage einem Schatten, oder gar dem Schatten eines Schattens nach und das ganze heuchlerische Wesen arte in eine moderne Donquixoterie aus. — Aber ihre Leser werden lieber Buhl selbst, als mich hören wollen.*) „—Was die harrende Sehnsucht 'in den Träumen vom goldnen Zeitalter, vom tausendjährigen Reich, vom neuen Jerusalem, vom ewigen Frieden u. s. w. herbeigewünscht, das würde der christl. Staat im vollsten Umfange verwirklichen. Er würde geradezu den Himmel auf die Erde versetzen und endlich die Aera der Liebe und des Friedens eröffnen. O herrliche Aussicht! O glücklich, dreimal glücklich diejenigen, welche sie sehen werden, die Zeit, wo nach den Verheißungen des Evangeliums die Wölfe mit den Schaafen in friedlicher Gemeinschaft wandeln und die Kinder mit den Nattern spielen werden! die Zeit, wo der Streit und Unfriede ein Ende haben wird! O, welches Entzücken, wenn die „Evangelische Kirchenzeirung" die „Deutschen Jahrbücher" mit dem Bruderkuß begrüßen und die „Elberfelder Zeitung" der „Rheinischen": Friede sei mit Dir! meine Schwester! zurufen wird! O Wonne! wenn Schelling auf den eitlen Ruhm der pllilosopUiu. secunda verzichtet haben und Leo die Hegelingen an sein Herz drücken wird; wenn alle Wünsche des e!vi8 in der Spenerschen Zeitung erfüllt sein, die Berliner Rinnsteine klares Wasser strömen und die Droschken nicht mehr so rasch bei den Werderschen Mühlen fahren werden: wenn endlich die Gensdarmen im Namen der christlichen Liebe Ordnung gebieten werden! O, der Freude! O! des Glücks." Mit trefflicher Satyre weist dann Buhl die Unrechtmäßigkcit aller Prozesse, die Norhwendigkeit unendlicher Geduld und Langmuth, das Unrecht aller Iustizpflege uud der Beibehaltung der Todesstrafe, die Unerläßlichkeit der Bestrafung des Klägers, des Aufhörens der Ehescheidungen, des Krieges u. s. w» nach. Am Schluffe macht er auf die Toleranz Friedrich des Großen aufmerksam, den ja die Anhänger des christl. Staates zur ärgsten Höllenstcafe verdammen müßten, da er kein christlicher, sondern ein philosophischer König gewesen sei. Man könne nicht zweien Herren, dem Staate und der Kirche zugleich dienen; dem Staaten dürfe nur daran liegen, daß man seinen Anforderungen Genüge leiste und die Sittlichkeitsprineipien, die man aus der Vernunft schöpfe, wögen reichlich die der Bibel entnommenen auf. Daß Buhl im folgenden Capitel die Juden durchaus in Schutz nimmt, wird man von einem Manne so klaren und unbefangenen Urtheils nicht anders erwarten. Aber er kennt auch die traurige Geschichte der preußischen Juden in ihren erschütterndsten Details. Verfolgung um der Religion, Verfolgungen um des Brodneides willen u. s. w. führt er uns aus der Geschichte der preuß. Juden vor, er verweilt mit Liebe bei dem Edikte vom 11. März 1812 und gedenkt mit bitterem Vorwurfe der Willkür, die sich die Gesetzgebung seit- *) S. 3—4.

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