Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 41 (4.10.1842)
- Date
- 1842-10-04
- Page
- Seite 325 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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325 seitdem successiv vergrößert und besteht jetzt (1837) aus drei Klaffen, jede zu einem Cursus von 2 Jahren und einer Vorbereitungsklaffe mit mehreren Unterabtheilungen. Die Unterrichtsgegenstande sind: das alte Testament, russische, deutsche, französische und hebräische Sprache, Arithmetik, Geographie, .Geschichte und die Anfangsgründe der Physik. Die Direktion der Schule ist einem Curator und sechs durch die Eltern der Zöglinge gewählten Jnspectoren anvertraut. —• Die Zahl der Schüler ist seit 1826 von 37 auf 400 gestiegen: Die Unterhaltung der Schule kostet jährlich 20,500 Rubel. Eine. Abtheilung derselben ist dem weiblichen Geschlechts gewidmet, und zählt jetzt 60 jüdische Mädchen. Eine andere ist. Schule ist 1835 in Umann im Gouvernement Kiew organisirt worden. Sie ist in drei Klaffen (eine Elementar- und zwei obere Klaffen) getheilt, welche zusammen fast 100 Zöglinge in sich schließen. -— Außer diesen Schulen wird das den Juden am 15. April 1835 gegebene Reglement einen noch allgemeineren Emflvß auf die Fortschritte der Civilisation der israelitischen Bevölkerung ausüben. Kraft dieses.Reglements werden die Kinder dieser Nation gleich allen andern in die Parochial-Distriktsschulen, auf Gymnasien und in Pensionate ausgenommen; sie haben ferner Zutritt zu den Akademien, Universitäten und andern höhern Lehranstalten, wo. die Ausgezeichnetsten unterihnen auf Kosten der Regierung zugelaffen werden können. Diejenigen isr. Studenten, welche, auf Universitäten den Titel graduirter Student, Candidat oder Baccalaureus, bei der Akademie der schönen Künste den Titel eines Künstlers erhalten, habenfür ihre Person das Recht, zum. Range eines Ehrenbürgers erhoben zu werden, welcher für diejenigen unter ihnen, die den Docrorgrad verdienthaben, erblich ist. Die Letzteren können sich dem Erzieherstande widmen oder in den Civildienst treten, nachdem si> zu diesem Zwecke jedesmal, die Allerhöchste Bestätigung erhalten haben." Böhmen. Gitschitt, 5. Sept. Sind auch Synagogen-Einweihungen keine Gegenstände für Ihr geschätztes, hier gelesenes Blatt, und. haben Sie auch dergleichen Gegenstände einem tiefer stehendem Blatte überlaffen, so kann Ihren Lesern' doch nicht ganz unlieb sein, aus einer Stadt etwas, zu erfahren ,, die, so viel ich. weiß., noch nie in Ihrem Blatte eine Erwähnung gefunden. Am 5. vorigen Monats'feierte die hiesige israelitische Gemeinde die Einweihung, ihres neugebauten Tempels. Zu dieser Festlichkeit wurden die Beamten und Honoratioren der Stadt geladen, welche sich im Hause des Herrn Salomon Fried um 6 Uhr Abends versammelten, woselbst die Israeliten schon beisammen waren und nach gehaltenen Gebeten den Zug in den Tempel begingen. Unter Vortritt paarweiser und festlich gekleideter Mädchen und eines guten Sanger- Ehors wurde, wie üblich in solchen Fällen, die Tora unter einem Baldachin getragen, welchem zunächst die ge-, ladenen Gäste folgten, und den Zug schloß die israelitische Gemeinde. Beim Thore des Tempels überreichte ein kleines Mädchen einer hohen Person die Schlüssel, welche zum 'Zeichen, daß unter der Begünstigung der hohen Stellen der Tempel gebaut und eröffnet werden durfte, das Thor öffnete , und der Zug sofort in den Tempel eintrac. Der Tempel war festlich erleuchtet, der Altar mit weißen Säulen, mit vergoldeten Kapitalem geziert, ober welchen die Gesetztafeln Mose's und ein farbiger Stern prassgen, hinter einem reichen Vorhänge, wurde die Tora beigesetzt. Des Tempels Grundfarbe im Innern ist grün, die Bogen und Wandpfeiler von weißer Farbe, — der innere Raum ist für die Gemeinde hinlänglich groß, — die Frauenzimmer auf einem Chore abgesondert von den Männern und Betbanke nehmen das Innere des Tempels ein. Nun wurden verschiedene Psalmen und Gebete von den Sängern abgesungen, welche unter der Leitung des Vorsängers des Herrn Rübenstein sehr angenehm und kunstvoll vorgetragen wurden. Obgleich im Ganzen diese Ceremonie nur etwas Gewöhnliches war, so muß ich doch bemerken,, daß alle diese in einen ordnungsvollen Zusammenhang sehr wohlthätig einwirkten und wir fühlen uns dem Herrn H. Hamburger, Rabbiner in Böhmisch-Lelpa, für seine Anordnung dieses Festes, zu welchem er berufen wurde, sehr verpflichtet. Dieser Mann bereitete uns einen schönen Genuß, wie er da stand vor dem Altäre und mit wohlklingender eingreifender Sprache seine Predigt hielt, wie er sprach, daß das wahre Gebet und wahre gottgefällige Handlungen nur in der Veredlung des Geistes und Herzensbestehen. Er sprach ernst, schön und stimmte das Eemüth zur hohen Begeisterung. Die Gebete für unfern Landesfürsten, und dessen allerhöchstes Haus, für die Behörden und alle Bewohner Gilschins, so wie seine Ideen der höchsten Menschenliebe, indem ec alle Menschen Kinder des alleinigen Gottes nannte, machten einen günstigen Eindruck. Nach vollendeter Predigt sangen die Sänger mit begeisterter Stimme noch einige Gebete und die feierliche Handlung hatte ein Ende. Am andern Morgen an der Sabbatsfeier selbst, hielt der erwähnte geistvolle Redner.-den zweiten Theil seiner Erbauungsrede , worin ec von dem Priesterberufe eines Jeglichen im auserwählten Volke Gottts sprach, und das schöne Verhältniß desselben zu diesem Heiligthume und zu seinem eigenen Seelentempel mit gleicher. Begeisterung entwickelte. Auch da fehlte-es nichtan Besuchern jeglichen Standes, und keiner, verließ ungerührt diese neugeweihte Statte Gottes. Ich. schließe meinen Bericht mit dem Wunsche, daß die Anregung, welche uns diese Tempelweihe gegeben, nachdem unsere frühere Synagoge vor zwei Jahren abgebrannt, nicht ungenutzt vorübergehen.möge; die Regsamkeit, die Theilnahme an dem Streben unserer Brüder in Deutschland, an der geistigen Entwickelung möge der Schluß der Weihe sein.