Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 41 (4.10.1842)
- Date
- 1842-10-04
- Page
- Seite 324 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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324 Allgem. Zeit, des Judenthums die Aufforderung ergangen, sich ihm zu einer Petition an die Ständischen Ausschüsse anzuschließen und denselben die Interessen der Juden ans Herz zu legen. Auch sollte die Gemeinde auf eine Anzahl Exemplare einer Broschüre subseribiren, die Herr Dr. Philippson Herausgeber: wollte, t>ie: die Judenfrage behandeln, ungefähr 15 Druckbogen stark sein würde und die Herr De.-P. an die Ständischen Deputirten vertheilen wollte. Beides hat aber unser Borstand abgelehnt; denn liegt es im Interesse der pemmerschen Gemeinden, vertreten zu werden, so thun sie wohl besser sich entweder selbst an die Stand. Aussch. zu wenden oder sich der Berliner Gemeinde anzuschließen, deren Vorstand unstreitig wohl eben so gut, als Herr Dc. P. unterrichtet ist, und von dem sich überdieß erwarten laßt, daß er mit Umsicht und Ueberlegung und ohne vorschnell zu sein zu Werke gehen werde, wenn es überhaupt zweckmäßig wäre, daß bei dieser Gelegenheit etwas von Seiten der Juden geschehen müßte. — Jedenfalls würde der Berliner Vorstand keine 15 Bogen starke Broschüre schreiben, die er die Deputirten zu lesen verurtheilt, und das hat ec schon für sich voraus.— Traurig ist es, daß unsere kleineren Gemeinden noch' so unmündig sind, daß ein offen und ungescheut hervortretender NamGsie ausbeuten und die grenzenlose Arroganz sie bethören kann! — Die Gemeindeschule unter der umsichtigen und kräftigen Leitung des Herrn Rabbiners erfreut sich auch von auswärts der regen Teilnahme-und es haben mehrere Familien der nahe gelegenen Städte ihre Kinder der Schule zum Unterrichte anvectraut. Es ist diesem In-, stitute das' beste Gedeihen zu wünschen; denn aus ihm sollen neue und kräftige Stützen des Judenthums hervocgehen und es ist zu hoffen, daß die Gemeinde auch ferner kein Opfer scheuen wird, um diese so hochwichtige Anstalt zum möglichst größten Flor zu bringen. q. Hamburg, 22. Septbr. (Wochenbericht über j ü di sch e B e r h a l t n i s se. 15 — 22. Septbr.). Bei dem großen Interesse, welches die jetzt bevorstehende neue Organisation des jüdischen Schulwesens im russischen Reiche, erweckt'), dürften den Lesern des „Orient" die nachfolgenden Mittheilungen, die freilich von etwas älterem Datum (aus dem Jahre 18g£) find, nicht unwillkommen sein. Die Meßkataloge benachrichtigen uns nämlich jedes Jahr von dem Erscheinen einer deutschen Uebersetzung des Generalrechenschaftsberichtes, den der russische Minister der Volksaufklärung, Herr von Uwarow^), über die Fortschritte und Veränderungen im Unterrichts- und Er- 1) Wobei ich bemerken muß, daß die Mittheilungen Lilienthals, am gelindesten gesagt, überspannt und unrichtig sind, wie das. Publikum, zu. seinex Zeit durch diese Blätter erfahren soll. Red. 2) In Briefen an wich schreibt sich Se. Excellenz, der Hr. Minister „Ouwaroff." Red. ziehungswesen des ungeheuren Ezarenreiches abstattet. Diese Uebersetzung kommt in der Buchhandlung von Nestler und Melle in Hamburg heraus. Mir liegen die neuesten Berichte in diesem Augenblicke nicht vor, obwohl ich das auf die Juden.Bezügliche später aus denselben nachtragen will. Für heute beschranke, ich mich auf das, was darüber aus einem Werke des Herrn Alexander? von Krusenstern, kais. russ. Kammerherrn (wenn ich nicht irre, des bekannten Admirals und Weltumseglers) zu entnehmen ist. Jenes Buch (über 400 Seiten stark, sehr splendid gedruckt) ist in französischer Sprache geschrieben und führt den Titel: Precis du Systeme, des ■ progres et de l’etat de Plnstruclion Publique en Russic, redige d’apres des documens officiels par Alexandre de Krusenslera. Yarsoyie 1837. 8. Es kann als halbamtlicher Vorläufer der spatern Uwarow- : schen Relationen betrachtet werden.! Nachdem Herr von Krusenstern (S. 1—40) eine 1 kurze Geschichte des öffentlichen Unterrichts in Rußland ''gegeben und dabei besonders auf die Entstehung und k Entwickelung der Universitäten Rücksicht genommen, geht j er zu den Details über und gelangt erst auf S. 403 | zur näheren Erörterung über die jüdischen Schulen. Hier j folge nun das ganze Kapitel in deutscher Sprache: j Israelitische Schulen, j „Die Juden, welche Rußland bewohnen, bilden den! vierten Theil ih.rec über die Oberfläche des Erdbodens zerstreuten Nation (?). Ihre Zahl belauft sich auf etwa 1,065,000 Seelen. Zu jenen Zeiten, da sie im ganzen übrigen Europa verfolgt wurden, haben sie immer Ausflucht und Schutz in Rußland gefunden und die Verbesserung ihres socialen Zustandes ist stets der Gegenstand I der Sorgfalt der Regierung gewesen. Unter-den zu die-! sem philantropischen Zwecke angewandten Maaßregeln iss '' die Gründung israel. Schulen ohne Widerspruch eine.! der wirksamsten. Jndeß giebt es zwei von einander sehr verschiedene Arten jüdischer Schulen. Die ersteren, deren Zahl sehr, grost ist, denn sie beläuft sich (nach dem Rechenschaftsberichte des Ministeriums des Innern für 1835) auf 2523, sind ausschließlich der Erlernung des Hebräischen und der Lesung des Talmud's gewidmet und tragen, zur Beförderung des socialen Zustandes der Juden nur wenig bei : sie verdienen aus diesem Grunde gar nicht unter den Anstalten für den öffentlichen Unterricht aufgeführt zu werden: die anderen dagegen, die ihre Gründung der Sorgfalt der Regierung verdanken, sind noch wenig zahlreich, aber von einem viel reelleren Nutzen: sie bieten' den Juden, die Mittel dar, eine moralische und scientifffche Erziehung zu erlangen, die sie der Rechte, würdig macht, an denen, sie Theil. zu nehmen berufen sind, Rechte, die sie in Rußland, der christlichen Bevölkerung fast' gleichstellen. -7- Die erste. Schule dieser Art ist im Jahre 1826 in Odessa gegründet worden,; ursprünglich nach einem kleinen Maßstabe angelegt, hat sie sich