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Der Orient · 1842-10-04 · Heft 41 (4.10.1842) · p. Seite 323

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Journal
Der Orient
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 41 (4.10.1842)
Date
1842-10-04
Page
Seite 323 (sequence 5)
Language
German
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323 der Kindheit ist, ließ sich aus den^ scandalösen Vorgängen in der großen Synagoge am. Abend des Simchat- Tora-Festes genügend erkennen. Man hat, wenn man es nicht selbst gesehen, keine Ahnung von diesem Lachen, Schreien, Drängen und Stoßen. —- An der Spitze der umziehenden Tora - Träger marschirte gravitätisch e ein Polizei-Commissär,. der seinen zahlreichen Bekannten freundschaftliche Prisen bot. — Malen Sie Sich nach diesen Andeutungen die Scene weiter, aus und schließen Sie daraus auf die Andacht der versammelten Gemeinde. Wem fallen nicht dabei Göthe's Worte ein: , Sie toben, wie vom bösen Geist getrieben, -. Und nennen's Freude,/ nennen's Gesang. Und gerade an diesem Abend versammelt sich ein ziemlich zahlreiches christliches Publikum in der Synagoge und gewinnt hier seine Ansichten. über die Würde des jüdischen Gottesdienstes!— Der Gemeindevorstand ist durch die neue Wahl unverändert geblieben, indem alle Mitglieder desselben von der (durchs Loos bestimmten) Wahlcommission zu ihren Functionen wieder erwählt wurden. An eine ofsicielle Bekanntmachung dieses Ortesist natürlich nicht zu denken, das ist nur Gegenstand einer privaten Tradition. Don Schwerin a. d. Warthe erzählt man hier betrübende Vorgänge. Am Vorabende des Versöhnungsfestes, soll die dortige Synagoge der Schauplatz eines heftigen Gefechtes zwischen „Alten und. Neuen" gewesen sein, in, dessen Folge einige Vorsteher noch als Märtyrer der guten Sache krank liegen sotten. „Aber sag mir, ob wir stehen, Oder ob wir weiter gehen?" Stuttgart, 16. Septbr. Auf die Anfrage des'Herrn Rabbiner Dr. Klein in Stolp von 6. Juli d. Z. (Nr. 31 des Orients), habe ich vorläufig zu erwidern, daß, so lange der. Einsender dieser Anfragen es nicht der Mühe werth findet, meinen.Aufsatz über das jüdische Eherecht in der Sarvey'schen Zeitschrift selbst zu lesen, sondern sich mit einem dürftigen Auszug daraus, der ohne mein Wissen und ohne meinen. Willen gemacht wurde, begnügt, um dergleichen Insinuationen an mich zu richten, ich es auch nicht für nöchig erachte, darauf zu antworten. Erst wenn Hr. Dr. K. meine Abhandlung gelesen und sämmtliche dort angeführten Gründe nicht mit Meinungen und Vermuthungen, sondern mit Gründen zu widerlegen gesucht haben, wird, werde ich mich auf eine weitere Erörterung einlassen/ ' Maier. Stv24. Septbr. Wenn es leider in-der letzten Zeit mancher großen Gemeinde gelungen ist, auf eine traurige Weise die allgemeine Aufmerksamkeit auf ihre-Erlebnisse zu lenken, so glaube ich, dürfte es vielleicht nicht ganz unerquicklich sein,- als Gegensatz zu jenen stürmischen gehässigen Kämpfen das Bild einer Gemeinde aufzustellen, die friedlich und in Liebe die Bahn des Fortschrittes wandelt und die durch die Eintracht und Zweckmäßigkeit, in der Art ihres allmähligen Fortschreitens ein schönes freundliches Vorbild für eine ganze Provinz geworden ist.— Unsere Gemeinde trifft das gebührende Lob, daß sie in sich einen regen Sinn für jedes Bessere bewahrt und daß' sie bereitwillig das ihr dargebotene Gute aufnimmt,, und sie hat das in dem bisher durchgemachten Bildungsprozeß zur Genüge bärget!) an; aber - eine ganz besondere Anerkennung gebührt dem höchst umsichtigen und segensreichen Wirken ihres Rabbinen Herrn Dr. Klein, der mit Eifer und Klugheit sein schwieriges Amt verwaltet und indem er die Grundbasis, den allgemeinen Frieden, in der Gemeinde zu befestigen trachtet, auf dieser das Gebäude der Aufklärung allmählig und ohne alte Gewohnheiten und Borurcheile zu verletzen, aufzuführen bemüht ist. — Dafür lohnt ihn aber auch die einmüthige Hochachtung und Liebe nicht nur seiner Gemeinde, sondern auch aller derer, die Gelegenheit gehabt haben, sein weises und erfolgreiches Wirken zu beobachten. Unser Gottesdienst hat nun durch die Herz und Geist erhebenden trefflichen Predigten Herrn Dr. Kleins eine neue Weihe erhalten und selbst die, welche sonst das Gotteshaus fast gar nicht besuchten, finden sich in demselben ein und finden hier Belehrung und Erbauung; überhaupt ist es eins der schönsten Verdienste unseres Seelsorgers, daß er bei den fast ganz indifferenten Mitgliedern unserer Gemeinde den Sinn für das Religiöse angeregt und sie für das Judenthum neu gewonnen hat. — Am letztverflossenen Sabbat Haasinu fand in unserer Synagoge die erste Konfirmation statt, die der Herr Rabbiner an neun jungen Mädchenvornahrn, und eben daß es die erste Confirmation und also der Beginn einer auch für das weibliche Geschlecht Heller werdenden religiösen Zukunft war, machte sie der hiesigen Gemeinde besonders wichtig. Die Feier fand in Gegenwart einer sehr zahlreichen Versammlung von jüdischen und christlichen Zuhörern statt und begann mit einem deutschen Liede von Johlson, das von dem Chore abgesungen wurde, woraus dann die Predigt des Herrn Rabbiners folgte, der über, den Text 5 B. M. 32, 46. 47 in seiner warmen ergreifenden Weise sprach und sich über die besondere Wichtigkeit dieser Feier verbreitete; diesem folgte, dann die Prüfung der Consirmanden, an deren Schluffe der Herr Rabbiner eine herzlich rührende Ansprache an die nun im Judenthume befestigten jungen Gemüther hielt, und ihnen seinen Segen ertheilte, worauf dann wieder ein deutsches Lied die Feier schloß. Das Ganze ließ einenerhebenden Eindruck und die Ueberzeugung zurück, daß die Herzen der jungen Mädchen ein dankbarer Boden sein werden für den schönen Samen, der in ihnen niedergelegt worden ist. An mehrere Gemeinden Pommerns und auch an die hiesige ist vor einiger Zeit von dem Redacteur der 41 *

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