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Der Orient · 1842-09-20 · 39 (20.9.1842) · p. Spalte 617-618

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Journal
Der Orient
Volume
1842
Issue
39 (20.9.1842)
Date
1842-09-20
Page
Spalte 617-618 (sequence 5)
Language
German
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617 Jüdische Merchumskunde. Die Beschneidung bei den Israeliten. Bon Dr, Bergson. 618 bräuchlichen. und. bei einzelnen Setten, wie bei den Essäern in großer Ausdehnung geübten Taufe- Bekanntlich bildet diese heute das erste Sacrament der christlichen Kirche und besteht in einem durch die Anwendung des Wassers vollzogenen Einweihungsact. Nicht so allgemein bekannt dürfte es aber sein, daß der Ursprung der Taufe aus einer alten palästinensischen Ceremonie bei den Israeliten herrührt, der zufolge jeder, der von den Heiden zu den Israeliten übergehen wollte, außer der schon von Moses für diesen Fall angeordneten Beschneidung, auch noch einer Taufe sich unterziehen mußte, die im Untertauchen im fließenden, oder andern Wasser bestand, wobei gewöhnlich drei Taufzeugen, ähnlich den noch heute in der protestantischen Kirche angeordneten drei Taufpathen, zugegen sein mußten, um die in ihrer Gegenwart vollzogene Taufhandlung zu bestätigen. Diese israelitische Taufe war im Alterthum also blos eine Proselytentaufe als Supplement der Beschneidung. Neben derselben bildete sich aber ein andere Art von einer gleichsam täglich wiederholten Taufe bei der Sekte der Essäer aus, wie sie sich noch heute bei den Chassidim vorfindet. Es war nämlich nach dem Zeugniß des Zosephus (Liher 2. de hell. c. 7) ein strenges Gesetz bei den Essäern, des Morgens um die fünfte Stunde zusammenzukommen, sich mit Leinewand zu umgürten und ihre Leiber in kaltes Wasser unterzutauchen. So mußte jeder Essäer täglich gleichsam eine Taufe bestehen. Ob sie aber hierbei blos an die Reinlichkeit des Leibes dachten, oder ob sie mit dieser zugleich die Reinigung des Gemüthes bezweckten, und an die schon damals gangbare Meinung, daß das Wasser, wie ein neuerer Kritiker *) sich ausdrückt, daß einfachste Gnaden- und Arzneimittel gegen die Krankheiten des Leibes wie der Seele sei, daher es nur dann wirke, wenn es recht oft und regelmäßig gebraucht werde, dachten, können wir freilich nicht entscheiden. Allein jedenfalls steht es fest, daß sie nicht nur selbst sich täglich in Wasser zur bestimmten Morgenstunde untertauchten, sondern auch jeden Neophyten, der in ihre Gemeinschaft ausgenommen werden wollte, eine Zeitlang zur Probe blos an reines Wasser zu gewöhnen suchten. Dieses Muster der alten Proselytentaufe und der bei den Essaern üblichen täglichen Wiedertaufe in der damaligen Zeit mußte als ein höchst willkommenes und passendes Mittel erscheinen, uw den neuen Mitgliedern der jungen Religion, die größtentheils. aus Israeliten zu bestehen pflegten,, welche die Spuren der Beschneidung als die Zeichen des alten Bundes bereits an sich/hatten, die Aufnahme in die neue Gemeinde zu bethätigen. War man doch gewöhnt, die Taufe als einen Receptiousact der Heiden in den Nationalverband der Israeliten von jeher anzusehen. Hier¬ *) L. Feuerbach in s. Wesen des Christenthums 1841. S. 378. durch erlangte man ein die Beschneidung hinst'chts der Bequemlichkeit in der Ausführung weit überteffendes Verfahren, mittelst dessen die schnelle Ausbreitung des neuen Glaubens unter den Völkern, denen die große Taufe oft in Gesammtheit ertheilt worden, bewerkstelligt wurde. Die ferneren Schicksale der Taufe, die im apostolischen Zeitalter durch Händeauflegen, spater durch Untertauchen, wie noch heute in der griechischen Kirche, endlich durch bloßes Besprengen geübt wurde, die Streitigkeiten über die Zeit der Taufe, die bald kurz nach der Geburt, bald im Confirmationsalter, bald endlich bis kurz vor dem Tode bestimmt wurde, gehören nicht weiter hierher. Uns genügt es hier den Zusammenhang zwischen Beschneidung, israelitischer Proselytentaufe, und christlicher Kindertaufe nachgewiesen zu haben. Namentlich legen wir auf die spiritualistische Auffassung der Beschneidung von Seiten der Apostel und Kirchenvater den Hauptaccent, weil sich in ihr das gewissenhafte Streben derselben bekundet, sich dadurch über eine Reform eine rechtfertigende Rechenschaft zu verschaffen, die sie in dem Austausch der Beschneidung durch die Kindectaufe zu machen genöthigt waren. Deshalb nahmen sie zu der oben angedeuteten, schon im N. T. mehr noch aber bei den Kirchenvätern vorkommenden allegorisi'renden Deutung der Beschneidung ihre Zuflucht. Diese diente hiernach gleichsam als Nothbehelf, um statt der Beschneidung die Taufe bei Kindern einzuführen , wodurch man schon auf negative Weise, indem man die Beschneidung fallen ließ,, sich vom alten Bunde trennte, so wie durch die Reception der Taufe einen positiven Akt zu erlangen, durch den nicht blos Erwachsene, sondern selbst die nachgeborenen Kinder als Glieder des neuen Religionsvecbandes eingeweihet werden konnten. Einen ähnlichen Entwickelungsgang der christlichen Kindertaufe gesteht übrigens auch schon Lightfoot in seinen Home hehr, ad Matth. 3, 6 u. 20, 22 ein, indem er ausdrücklich sagt, daß dieselbe durchaus keine neue, erst zu Christi Zeiten entstandene, sondern eine uralte Ceremonie sei, durch welche die beschnittenen Neubekehrten bei den Israeliten in Palästina ausgenommen zu werden pflegten. Zur Begründung der eben vorgetragenen Ansicht folgen nun einige Stellen aus den Kirchenvätern. Diese nämlich griffen die im N. T. flüchtig angedeutete spiritualistische Erklärung der Beschneidung auf und suchten sie selbst auf die Exegese einiger Stellen aus dem A. T. auszudehnen. So finden wir beim Kirchenvater Theodoret (st. 437) noch mehre hieher gehörige exegetische Versuche, von denen wir wenigstens einen anführen. In Bezug nämlich auf die abermalige Beschneidung der Israeliten durch Josua vor ihrem Eintritt in Palästina, heißt es bei demselben (Beali Tlieodoreti Episcopi Cyri Opera omnia in quatuor tomos distrihuta. Cura Jaeohi Sirmondi. Lutetiae Parisiorum 1642. T. 1. p. 198.): „ßiiomodo dehet iüud intelligi: secundo cir-

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