Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Beilage zu Nr. 40 (27.9.1842)
- Date
- 1842-09-27
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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- 2 - zu ächten Preußen. In solchem Volksthum, das keine Sonderung zuläßt, folgt dann die Verschmelzung aller Nationalitäten und aller Konfessionen von selbst. Es giebt keinen bessern Lehrmeister als die Zeit. Wer ihr widerstrebtgeht unter; oder es geschieht, was geschehen muß. Wodurch die vorstehenden Worte veranläßt worden? darf, wie bei jeder Abhandlung, der Leser auch bei dieser fragen. Sie ist hervorgerufen durch die neuesten Gerüchte über eine bevorstehende Veränderungen der Preuß. Gesetzgebung über die bürgerliche Verfassung der Juden; durch die Befürchtung derselben von der einen Seite, daß Rückschritte des Gesetzes von 1812 möglich seien; durch die Befürchtung der Christen von der andern Seite, daß die Zeit der vollen Gleichstellung für Beide noch nicht gekommen, daß der Fortschritt dem Bedürfniß vorauseilen und Gefahr bringen könne. Die Befürchtungen und Wünsche der ersten sind in mehreren Vorstellungen an den Landesherrn ausgedrückt. Die Befürchtungen -der andern sind in mancherlei Zeitungsartikeln enthalten, (Heils vertheidigt, (Heils widerlegt. Der Verfasser dieser Blätter ist seiner auf Erfahrung gegründeten Üeberzeugung gefolgt. Möge er damit die richtige, oder vielmehr die ausführbare/ Mitte getroffen haben! Deutschland. Halle, 18. Septbr. Es ist eine erfreuliche Erscheinung der neueren Zeit, wenn man wahrnimmt, wie sehr viele israelitische Gemeinden Deutschlands sich beeifern, an die Stelle einer mittelalterlichen, unerquicklichen Liturgie einen zeitgemäßen, belehrenden und erbaulichen Gottesdienst treten zu lassen; was um so mehr anzuerkennen ist, wenn man die großen Schwierigkeiten in Erwägung zieht, die dabei zu überwinden sind. Auch die israelitische Gemeinde unserer Stadt scheint sich in dieser Beziehung dem Fortschritte der Zeit anschließen zu wollen, wovon am jüngst verflossenen Versöhnungstage ein sprechender Beweis gegeben wurde. Man hatte nämlich einen jungen Gelehrten, den durch seine wissenschaftlichen Leistungen bereits vortheilhaft bekannten Rabbinatscandidaten Herrn I. Kampf um die Uebernahme eines homiletischen Vortrags ersucht. Herr K. behandelte in analytischer Weise die Stelle Ezech. 18/31. 32. Seine Rede entsprach sowohl den Bedürfnissen der Zeit und der. Gemeinde, als auch der Bedeutung des Tages vollkommen; sie war einfach und klar, dabei lehrreich und erbaulich, an geeigneten Stellen ergreifend und erschütternd. Auch war der äußere Vortrag des Redners lebendig und ansprechend, so daß wir in unseren Erwartungen nicht getäuscht, vielmehr höchst befriedigt die Synagoge verließen. — Mochten die Herren Vorsteher der hiesigen Gemeinde es bei diesem Anfänge nicht bewenden lassen, möchten sie vielmehr darauf bedacht sein, in der Reform des Cultus thatkrästig fortzuschreiten, um auch den liturgischen Theilen des Gottesdienstes allmählig eine passendere, zeitgemäßere Form zrt verleihen l H» E. Canti, tlieol. Hamburg, 15. Septbr. (Wochenbericht über jüdische Verhältnisse. 8 — 15. Septbr.). Eine stille Woche — Feiertage ringsum. Auch wir durften die Muße, die wir durch eine in der Polemik eingetretene kurze Pause gewonnen haben, zu einem Rückblicke auf das vergangene jüdische Kalender- Jahr benutzen, dessen Mittheilung uns die geehrte Redaktion im Voraus wohlwollend zugesagt hat. — Aber völlig bedeutungslos ist die verflossene Woche für die jüdischen Angelegenheiten nicht geblieben, da der noch immer viel verbreitete^ „Hamburger Correspondent" am ersten Tage derselben (8. Sept.) die Aktenstücke in der holländischen Episode des sich vorbereitenden norwegischen Gesetzgebungsaktes mitgetheilt hat. So vielen Werth ich übrigens auf die offiziellen Zeugnisse der höchsten Staatsbeamten Niederlands zu legen geneigt bin, erwarte ich doch keine außerordentliche Wirkung von denselben. Wenn es dem Storthing nicht von selbst einleuchten sollte — was wir übrigens noch immer hoffen — daß eine einzige in dem norwegischen Grundgesetze übrig bleibende Anomalie hinreicht, das ganze, in den meisten andern Punkten eine seltene Humanität athmende Prinzip, von dem es durchdrungen ist, zu zerstören, so werden alle Dokumente nichts fruchten. Die Sache der Juden muß sich in Norwegen vor allen durch sich selbst, d. h. durch ihre Gerechtigkeit, empfehlen und Bahn brechen. Ueberhaupt möchte ich, so wenig ich sonst Gespenster zu sehen geneigt bin, ernstlich davor warnen, auf ein uns ertheiltes Lob allzuviel Gewicht zu legen: wollen wir uns — und das mit vollem Rechte — keinen solidarischen Tadel gefallen lassen, so müssen wir auch consequenter Weise auf jedes solidarische Lob verzichten. Mögen sich die holländischen Juden des Beifalls ihrer Behörde freuen — sie haben dazu alle Ursache — wir haben keinen triftigen Grund zu etwas Mehrerem, als dazu, daß wir ihre Freude theilen. Unsere eigene Stellung wird dadurch um keinen Deut gebessert. Mit Recht verschmähen wir es, um den Beifall unserer eigenen Behörde zu buhlen; ein unverdientes, Andern gebührendes Lob uns zueignen zu wollen, wäre aber eben so widersinnig, als uns den Tadel ruhig gefallen zu lassen, der Andere treffen sollte und uns zugeschoben wurde. -— Wir haben mit den holländischen Juden nichts gemein als den Glauben; wird dieser bei ihnen angefochten, so haben auch wir ihn zu schützen; daß ihre bürgerlichen Tugenden anerkannt werden-, hat nur ein menschliches und sittliches, kein religiöses Interesse für