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Der Orient · 1842-09-27 · Beilage zu Nr. 40 (27.9.1842) · p. Seite 3

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Journal
Der Orient
Volume
3 (1842)
Issue
Beilage zu Nr. 40 (27.9.1842)
Date
1842-09-27
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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3 uns, darf also Freude, aber keine Selbstgefälligkeit erwecken. — Wir dürfen nie die ersten Worte des schönen vaterländischen Liedes: „Feinde ringsum" vergessen, aber wir sollen auch den Muth, der dort anempfohlen wird, daraus schöpfen Und jeden unmittelbaren Angriff, auf den Inhalt unserer Lehre mit gemeinsamen Kräften zurückweisen. Wahrhafte Freude hat es mir darum gewahrt, als ich in einem neuern Berichte der L. A. Z. las, daß der unwürdige Ausfall des österr. Professers v. Rosas in einer Beilage desselben Blattes, in dem er enthalten gewesen war, mit Würde und Freimüthigkeit durch den Prediger Herrn N. Mannheimer in Wien beantwortet und zucückgeschlagen worden sei. In das Lob, daß der Berichterstatter der österr. Regierung dafür spendet, können wir dagegen nur theilwe-ise einstirnmen. Die Censur ist nicht dazu da, um geschehenes Unrecht wieder gut zu machen, sondern höchstens um beabsichtigtes zu verhindern. Hier scheint es bei der Replik sein Bewenden haben zu wollen; in der Elmshorner Liedertafel-Angelegenheit sind wir aber auch durch eine Duplik desjenigen Mitgliedes der dasigen israel. Gemeinde , welches die Ausschließung der Juden von den daselbst bestehenden geselligen Vereinen gemeldet hatte, noch nicht ins Reine gekommen. Diese gegen Hrn. Dr» Gotische gerichtete Duplik findet sich in der nächsten Nummer desJtzehoer Wochenblatts (vom 9. Sept.), wahrend auf der vorangehenden Seite ein Anderes Mitglied der isr. Gemeinde, P. Frank, die Christen wegen ihres humanen Benehmens gegen die Juden lobt und sie gegen den Angreifer itt Schutz nimmt. Hoffentlich werden durch die neuesten Regierungsmaßregeln in den Herzogrhümern Schleswig und Holstein ganz im Sinne des Königs auch die socialen Verhältnisse der Juden sich bald freundlicher gestalten. Geringere Hoffnung ist dazu noch immer in Hamburg vorhanden. Es wäre darum nicht ganz ohne Bedeutung, wenn gegen den bisherigen Gebrauch die später neuzuerbauenden Synagogen eine der Straße zugewandte Fronte erhielten. Ungeachtet dies bei dem neuen Tempelgebäude nicht mehr zu Stande kommen kann, wird dasselbe doch ein ausgezeichnet schönes Gotteshaus werden. Seine bedeutenden Dimensionen lassen schon jetzt den Unterschied zwischen dem bisherigen und dem künftigen Lokale erkennen. Ich habe schon öfter darauf hingedeutet-, daß man in Hamburg wegen seiner merkantilischen Verbindungen am/meisten Gelegenheit hat, die Verhältnisse der Juden bis tief nach Nordamerika hinein zu verfolgen. In neuester Zeit kommen zwar amerikanische Zeitungen nicht eben regelmäßig nach Hamburg; doch haben wir jüngst die erste Nummer eines neuen deutschen Monatsblattes, welches „Der Deutsche in Amerika" heißt und seit dem Anfänge des Juli in Harrisburg in Pennsylvanien in sehr großem Formate unter Otto Hofmann's Redactron erscheint, zu Gesichte bekommen. In einer statistischen Notiz über die Verein. Staaten von Nordamerika fanden wir daselbst, nach 4 Rubriken (Kirchen, Prediger, Communikanten und dazu Gehörige) eingetheilt, eine Aufzählung der in der Union vorhandenen Confesstemen. Es waren — für die Richtigkeit der Zahlen ist freilich nicht zu bürgen — 197 jüd. Bethäuser oder Gemeinden, 192 jüd. Prediger, 22,515 jüd. Communikanten und 450,000 dazu Gehörige angegeben. Einmal bei der Statistik angelangt,- kann ich nicht unterlassen, den Wunsch aüszuspcechen, daß sich einige vonJhren in Preußen oder Süddeutschland wohnenden geehrten Herren Correspondenten gelegentlich dazu entschließen möchten, ein genaues Verzeichniß der Stistungszeit, Geldmittel, Statuten und Stipendiaten der Vereine zur Beförderung der Handwerke unter den Juden, der Zahl der seit dem Beginn der Friedensjahre Meister gewordenen jüdischen Handwerker in den einzelnen Staaten, der verschiedenen Gattungen der Handwerke, denen sie sich gewidmet, und der zur Zeit bei jüdischen und bei christlichen Meistern arbeitenden Gesellen und Lehrburschen abzufassen, und im „Orient" rrützutheilen. Dasselbe könnte auch, namentlich in Oesterreich, für die Fabrikanten und Künstler, und an vielen Orten auch für die dem Gelchrtenstande Angehörigen geschehen. Es lehren jetzt eine ziemlich beträchtliche Anzahl getaufter Juden als Professoren uüd Docenten an deutschen Universitäten besonders in Breslau, Königsberg und Berlin (auf Zahl und Namen komme ich nächstens zurück) und dies könnten Uebelwollende als Beweis für die Triftigkeit ihrer Vesorgniß, daß die Mehrzahl akadem. Lehrämter bald in die Hände der Juden gerathen sein würde, wenn diesen ohne Bedingung der Zutritt zu denselben erlaubt gewesen Ware, anführen wollen. Dennoch würden wohl nicht viel mehr geborene Juden dazu gelangt sein, als es jetzt der Fall ist; mehrere der jetzigen Professoren waren es ungetanst geworden, Andere haben ihr schnelles Emporkommen wohl nur der Protektion von Proselytenmachern zu verdanken gehabt und einige Juden hätten als Juden Lehrstühle eingenommen. Jetzt zumal könnte man den Juden ohne alle Besorgniß zulassen; denn nur reiche und für die Wissenschaft wahrhaft begeisterte junge Mannet könnten und würden Jahre lang im Docententhume ausharren. Wer dies dann aber thate, sollte den Lohn seiner sokratischen Geduld auch mit Erfolg gekrönt sehen, und würde seinerseits den Beweis geführt haben, daß man Jude sein und bleiben kann, ohne habgierig und gewinnsüchtig zu sein. — Das akademische Docententhum ist jetzt eine wahre Geduldpcobe, eine jahrelange Passion geworden.

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