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Der Orient · 1842-09-27 · Heft 40 (27.9.1842) · p. Seite 318

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Journal
Der Orient
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 40 (27.9.1842)
Date
1842-09-27
Page
Seite 318 (sequence 11)
Language
German
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— 318 — Eben so wenig scheint dem Vorträge des Naturj rechts, der Rechtsgeschichte, einer Rechts-Encyklopädie, des > römischen Rechts die Religion des Lehrenden entgegen? zu stehen. Dann aber aber muß füglich keiner Universität, wie der Leopoldina nachgesagt wird, erlaubt sein, Juden vom Doktorhüte der Philosophie oder der Rechtswissenschaft, bloß ihrer Religion wegen, auszuschließen. Mit gleichem Nutzen, wie bei Universitäten, würden sie auch den Stellen der Schreiblehrer, selbst als Lehrer der Sprachen, der Mathematik und Naturwissenschaften bei christlichen Schulen übernehmen können. Wir haben in jüdischen Schulen schon Außerordentliches von einzelnen Lehrern der Art gesehen. Im Verwaltungsdienste waren bis diesen Augenblick noch keine passenden Stellen für die Juden zu finden. Wenn jedoch einmal der Anfang mit Verleihung von Staaisamtern nicht länger aufzuschieben ist, so waren ihnen wohl außer dem Expeditions- und Rechnungsfach zuerst solche Aemter anzuvertrauen, deren Hauptersocdernisse mathemarhische und technische Bildung sind. Eine Ueberfüllung der Staatsämtec mit Juden ist schon ihrer Zahl nach nicht zu fürchten.. Bei ganz gleicher Befähigung käme auf 75 Stellen nur einer. Wenn aber für das Großherzogthum Posen auf seine 77,000 Juden reichlich 50,000 als völlig unfähig für lange Zeit abgerechnet werden müssen, so käme auf 1.0-0 Stellen — celeris paribus — nur ein jüdischer Kandidat. Am wichtigsten wäre die Stellung eines jüdischen Consistorial-Consulenten, dem Consistorial-Prafldenten oder Direktor zur Seite, für die jüdischen Religions- und Schulsachen. Sie scheinen unentbehrlich. Und ihre größere oder geringere Anstelligkeit im praktischen, mehr selbstständigen Arbeiten, würde neben vorausgesetzter Würdigkeit, über fernere Anstellungen entscheiden. Jüdische Advokaten nicht zulassen wollen, würde über Redlichkeit und Rechtskunde preußischer Richter ein verdächtiges Licht verbreiten. Steht dem jüdischen Advokaten die Vermuthung von Rechtsverdrehung oder Bestechung entgegen, so muß ihr die Vermuthung von Unwissenheit, Charakterlosigkeit und Bestechlichkeit des Richters gegenübecstehen. Und vor solchem Verdachte wolle der Himmel uns ferner, wie bisher, bewahren. Gewiß würden nur ausgezeichnete Köpfe die Advokaten-Laufbahn wählen. Ihr Eintritt in diesen Stand wäre daher ein Glück für ihre Klienten. Uebrigens sehen wir in sehr bedeutenden Justiz- und Vecwaltungsamtern, zum Theil an der Spitze derselben, Neophyten, die unmöglich alles Gedachtniß für die Religion ihrer Väter und für die Eindrücke ihrer Kindheit verloren haben können. Hegen Vorgesetzte, Untergebene oder Publikum darum Mißtrauen gegen sie? Vernünftige nirgends. Und wo Achselzucken oder Spötterei gegen sie bemerkt wurden, lag nur Neid der sich fuc gleich geschickt aber vernachläßigt Haltenden, oder der Tageston frömmelnder Ultra's zum Grunde. Der Soldatenstand hat km Frieden erst einen einzigen Juden, Lehrer der Artillerieschule, zum Offizier befördert und sogar (Dank sei dem Könige dafür) mit einem Orden geziert. Daß es ihnen an Much nicht fehle, zeigt jedes Blatt ihrer alten Geschichte, die freilich für die Welt eine heilige Geschichte geworden, und so den Tod einer Heiligen gestorben. Aber auch in ihrer Zerstreuung haben sie oft genug bewährt, daß sie würdige Sprößlinge ihrer Heldenahwen, der Makkabäer sind. Unter Aegypterch Macedoniern, Persern, Parthern, Assyriern finden wir Juden als Mitkämpfende, und in den Heeren der Römer und Gothen dienten sie mir Auszeichnung.; Unter dem Kaiser Honorius führte ein jüdischer Feldherr die römischen Legionen, und unter den Gothen zu Anfang des sechsten Jahrhunderts, bildeten die Juden' einzelne abgesonderte Corps. Wie sie sich bei der Belagerung von Arles gegen Clodowig, und in Neapel gegen den berühmten Belisac gehalten, ist .welthistorisch geworden, und Procopius (de bello Gothoriun I. c. 8.) berheuerc, daß wenn die Gothen so tapfer gewesen wären als die Juden, Belisar nie den Sieg errungen haben würde. Im siebenten Jahrhundert kämpften 26-000 Juden mit den Persern gegen die Römer, um Jerusalem den Byzantinern zu entreißen, und welche Heldenkampfe sie gegen Muhamed geführt, erzählen uns ihre Feinde, die Araber ftlbst. Inmitten aller Judenverfolgungen, in dem Schreckensjahr 1190 commandirte ein jüdischer General Dom Salomo die Truppen Portugals, und der türkische Kaiser Selim I. hatte in seinem siegenden Heere viele Juden, die alle Ehrengrade bekleideten. Doch sehen wir die Gegenwart. In der anglo-indischen Armee dienen Tausende von Juden mit Auszeichnung, und durch ihre militärischen Talente und ihre vorzügliche Kriegszucht sehen wir sie in die höheren Grade rücken. Ein modenesischer Jude, Rubino Ventura befehligt jetzt die Truppen des mächtigen Herschers von La ho re, macht sie geschickt zur europäischen Taktik, und unter den Afghanen gegen die Engländer kämpfen einzelne jüdische Krieger. Wie die Juden unter Napoleon gekämpft ist bekannt; von Julius Cäsar, in dessen Kohorten sie gedient, bis Napoleon, in dessen Garde sie gefochten, hat die Schande der Feigheit den jüdischen Krieger nicht befleckt. Unter der Restauration im letzten fcanzöstch-spanischen Kriege wurde die Tapferkeit eines jüdischen Lieutenants, Cerfbeer, gerühmt, der Trocadero stürmend, einen Ueberfall schwimmend wagte; und so wechselvoll die Regierungen Frankreichs auch waren, so erhielten die Juden doch zu Hunderten das Kreuz der Ehrenlegion, als Ehrenzeichen ihrer Tapferkeit. Und bekannt ist die rührende Leichenfeier für die Juligefallenen im Jahre 1839, wo alle Blatter auch der gefallenen Juden rühmlichst gedachten. In der polytechnischen Militär- Schule zeichnen sich jüdische Zöglinge aus, und als einen der vorzüglichsten nennt man jetzt einen Juden Sciama. Drei Hundert Juden verteidigten unter General Chasse die Citadelle von Antwerpen, und wie ruhmvoll sie dies gethan, bezeugt das schöne Schreiben des erwähnten Generals, welches er vor einigen Wochen der Oeffentlichkeit übergab. Die holländischen Juden kämpfen aber bereits seit einem Jahrhundert für die Interessen ihres Vaterlandes. Almeida und Boas zeichneten 1781 sich ruhmvoll aus im Seekriege gegen England als Schiffskapitäne, und beldenmürhig kämpfen die holländischen Juden in Surinam gegen die Maron-Neger. Ein wahrhaft rührendes Bild stellte uns aber die berühmte Schlacht bei Waterloo entgegen, ein Bild, welches uns diese Trümmer einer uralten Volksruine in so schönem Lichte erscheinen läßt, daß das Vorurtheil verstummen muß. Unter dem Herzog von Wellington kämpften englische Juden als Gemeine und Offiziere mit Tapferkeit und Auszeichnung, wie der Herzog es ihnen im Parlamente bezeugte, und nicht minder ruhmvoll kämpften Juden unter den [

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