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Der Orient · 1842-09-20 · 39 (20.9.1842) · p. Spalte 613-614

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Journal
Der Orient
Volume
1842
Issue
39 (20.9.1842)
Date
1842-09-20
Page
Spalte 613-614 (sequence 3)
Language
German
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613 Handschriftenkunde. — Jüdische Alterthumskunde. Die Beschneidung. 614 Lob b. Abraham b. Gaon Sesardi bei Conforti, nnnn 24, b. Das M p schließt sich nicht in stetiger aufsteigender Linie, sondern mit Ueberspringung mehrerer Mittelglieder an; die genealogische Kette ist vollständig folgende: b. Abraham b. Josua b. Saul b. Mose b. David b. Abraham b. Gaon, wie Bartolocei in Uebereinstimmung mit den Handschriften sie angiebt. Dieser Schem-Lob von geonäischem Adel, wohl zu unterscheiden von mehreren andern dieses Namens (Schem-Lob b. Isaak von Lortosa, Schem- Lob b. Isaak von Ludela, Schem-Lob Palkeira, Schem- Lob b. Josef u. A.), Schüler des 1308 zu Barcelona verstorbenen Salomo b. Adderet, gehört zu den Lehrern der philosophischen Kabbala, die im 1. Viertel des 14. Jahrh. in Spanien blühten (Josef Gecatilia , Josef b. Vakar, Perez b. Isaak Girondi u. A.), und brachte die letzte Zeit seines Lebens in Palästina zu, wo wir ihn 1325 zu Safed finden. Er schrieb den Superkommentar zu Nachmani nach dem Unterrichte seines Lehrers Salomo Adderet; vielleicht daß dieser auch verstanden wird, wenn er f. 4, 1). sagt: nt IN'D nDDI TiTHDn tymn mo. Am Schluffe jedoch, wo er um die Leitung Gottes nicht um seiner eigenen Gerechtigkeit, sondern um des Verdienstes seiner Lehrer willen betet, nennt er diese die „sechs Leuchten, die großen, aus deren Munde ich empfangen uralte Dinge." Einer dieser sechs außer iSbtfiH ist R. Perez der Alte, den -er wenigstens anderswo )ri)ü nennt (f. Zunz, Additam. S. 317. des Eatalogs der Leipz. Rathsbibl.). Das Werk, von dem wir sprechen, beginnt, wie folgt: „Bei dem Anfänge jeder Sache sollen wir uns zufolge einer Mahnung unserer Lehrer in Rede und Gedanken von drei Dingen entfernen, und diese sind Körperlichkeit und Vielheit und Sonderung" (IN'M IDm 5MM). Mit diesen Worten wird die Einleitung eröffnet, welche die Grundformen und Grundtypen der Geheimlehre zum Verständniß des nachfolgenden OommentailuZ perp6tuu8 abhandelt. Vor Allen werden das Verha'ltniß des Hexaemeron zur Merkaba Ezechiels, die geheimen Beziehungen des ersten Lagsiebent und die zehn Sesirm besprochen. Darauf folgt, nach den Paraschen abgetheilt, der Superkommentar selbst, der den Zweck hat, die von Nachmani im heiligen Fünfbuch aufgespürten und in seinem Kommentar durch Winke angej deuteten Geheimnisse der erhabenen Gnosis weiter zu enthüllen und zu entfalten. Und in der Lhat ist dieses Werk, so wie überhaupt die der gleichgesinnten Zeitgenossen Schem-Lobs, ein trefflicher Schlüssel zur Kabbala, deren chaotische und gespenstische Stoffe darin in festere Kreise gebannt und Ln durchsichtigerer Sprache geschildert sind, obgleich auf der andern Seite nicht zu läugnen ist, daß diese besondere Richtung die Kabbala nicht mehr in ihrer Urgestalt, sondern vielfach in philosophischer Umdeutung darstellt. Es ist ein wunderliches Geschick, daß Kabbala und Aristotelismus erst in besonderer Weise gearbeitet haben, die heilige Schrift zu verdrehen, und daß sie endlich eine Verbindung emgegangen sind, in der D sich gegenseitig den Kopf verrückt haben. Die Clausel dieses Lheiles unserer Handschrift ist: nwa riwi DH 9t pro ‘in nwD 'n Din iDn^-minn nmoj //Auslegung e n der Geheimnisse der Khora" ist eine neue Variante zu dem Litel des Commentars von Ramban. (Fortsetzung folgt.) Jüdische Alterthumskunde. Die Weschrreidmrg hei den Israeliten. Vom historischen, kritischen und medicinischen Standpunkt. Von De. Joseph Bergfon. (Fortsetzung von Nr. 21.) Einleitung zum kritischen Standpunkt. Nachdem wir mit der Beschreibung des Epispaswus den historischen Theil unsrer Abhandlung beendet haben, gelangen wir zum kritischen. In diesem haben wir es mit der Zusammenstellung und Erklärung der Ansichten zu thun, die sich von jeher bei der Frage über Bedeutung, Zweck und Ursprung der Beschneidung geltend machten. Daß sich verschiedene Meinungen hierüber im Laufe der Zeit bei den Schriftstellern ausbilden mußten, kann bei einem so eigentümlichen Ritus, wie ihn unsre Beschneidung darstellt, der von jeher die Aufmerksamkeit aller denkenden Alterthumsforscher in hohem Maße auf sich lenkte, durchaus nicht befremdend erscheinen, und wir werden bald sehen, auf wie mannigfache Wege die Kritiker bei der Erklärung dieses Gebrauches gerathen sind. Schon die Bibel, die zum Texte ihren eignen Kommentar öfters liefert, giebt uns auch für unfern Ritus eine Erklärung, von der wir ausgehen müssen. An verschiedenen Stellen derselben heißt es nämlich in Bezug auf Beschneidung (z. B. 1 B. M. 17/ 11) „sie soll ein Zeichen des Bundes zwischen Gott und den Nachkommen Abrahams," oder (1 B. M. 17/ 13) „also soll mein Bund an eurem Fleisch sein zum ewigen Bunde". Der Standpunkt also, von dem aus die heilige Schrift die Beschneidung betrachtet, ist der rein religiöse einer göttlichen Uebereinkunft mit den Abrahamiden. Dieser Gesichtspunkt diente nun als Basis für alle spätere kritische Auslegungen bei jüdischen wie christlichen Exegeten. Man gerieth aber bald auf Abwege und begann in späteren Zeiten sich mit diesem einfach religiösen Ecklärungsgrunde nicht mehr zu begnügen, sondern verfiel auf kabbalistische und mystische, selbst astrologische Deutungen, die man diesem Ritus unterzulegen für nöthig fand, wodurch man ihn bald als das Symbol der Reinigung von fleischlichen Sünden mit der Lustration zusamrnenstellte, bald in ihm das Zeichen einer hohem priesterlichen Weihe, 39*

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