Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1842
- Issue
- 39 (20.9.1842)
- Date
- 1842-09-20
- Page
- Spalte 611-612 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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612 611 Apergu über eine philos.-kabbal. Handschrift in der Kön. Bibl. zu München. so hörten wir darin die Sprache einer gereizten Stimmung, die nur für die Fehler des ändern ein Auge bat. Wenn ein Wegweiser die Ortsentfernung auch falsch angiebt, so ist man doch schon damit zufrieden, daß er auf die Richtung hinweist, die man zu nehmen hat. Nun Einiges über die Veranlassung und den Zweck des nachfolgenden Aufsatzes. Bei dem Studium des More Nebuchkm der Karäer, nämlich des unter dem Doppeltitel yy Dvfi und DWDN bekannten, nun erst gedruckten Werkes von Ahron ben-Elia, welches ein System der jüdischen Religionsphilosophie im Geiste des mittelalterlichen jüdischen Scholasticismus enthält, und von dem die Leipziger Rathsbibliothek eine kostbare 1469 zu Constantinopel angefertigte Handschrift besitzt, wurde das Verlangen in mir rege, die durch Lilienthals Notizen 3 4) mir bekannt gewordene Handschrift desselben Werkes in der königl. Bibliothek zu München zu sehen und mit der Leipziger zu vergleichen. Dieser Wunsch wurde mir erfüllt, indem ich durch die gütige Vermittelung des Herrn Oberpostamtsdirektors von H ü t t n e r in Leipzig und Hofcath v o n S ch u b er t in München, welchen beiden ich für ihrö Theilnahme an der Förderung meiner Studien zum innigsten Danke verbunden bin, zur Einsicht in das begehrte Manuskript gelangte. Nächst dem Nozer Emunim nahmen auch die übrigen darin enthaltenen Werke mein Interesse in Anspruch, und ich verfaßte nachfolgende Beschreibung des Gesammtinhalts, um vielleicht zugleich andern Literaten einen Dienst zu erweisen und, wo es mir anders gelungen, die Probe einer würdigeren und genügenderen Katars gisirung, als die von Lilienthal, zu geben. Der Codex, den wir beschreiben wollen, ist Nr. -55 (alte Nummer 51) der Münchner Bibliothek, ein innen tadellos conservirter und außen köstlich eingebundener Folio band, auf der Innenseite des Einbands, wie wohl die meisten Codd., geschmückt mit dem churfürstlichen Wappen, welches die Unterschrift hat: Ex Electomli ßibliotheca Sereniss. Utriusq. Bavariae Ducum. Er enthält zwei von verschiedenen Librarien geschriebene Theile, beide auf festem Papier. Der erste, bis zu Bl. 348, b. reichend, -ist in fetter und plumper rabbinischer Schrift von germanischem Ductus geschrieben; der Schriftcharakter ist die treueste Physiognomie der missa et pinguis Minerva des armen, vielgeplagten, wahrscheinlich zur Fristung eines kümmerlichen Auskommens schreibenden Librarius^). Um den Sinn dessen, was er schrieb, scheint er sich wenig gekümmert zu haben; nur so oft der Name Gottes vorkommt, erwacht er wie aus dem Schlafe und fügt in Einem Athem aus seinem eignen Gemüthe hinzu: „Er werde gebenedeiet und erhoben und lobgepriesen und geheiligt 3) Beiblatt 1838. 23. Juni Nr. 17. 4) Vielleicht ist es der obengenannte Mose Tobia aus Krakau, der für Widmanftad abschrieb, denn die Abschriften können nicht zu eignem Bedarf, auch nicht wohl für einen jüdischen Gelehrten, von dem eine strengere Controle zu fürchten war, gefertigt worden sein. und verherrlicht in ewige Aeonem Sela." Sein Original hat er auch nicht sehr flxirt; wenn in einem Zwischenräume einiger Zeilen dasselbe Wort zweimal vorkommt, so überspringt er sehr häufig Alles, was zwischen beiden in der Mitte liegt. Es wäre daher unmöglich, eins der in diesem ersten Theile enthaltenen Werke allein aus diesem Manuskript in eorrecter Gestalt zu. ediren. Der zweite kleinere Theil Bl. 349, a. — 406, a. ist in zierlichem Rabbinisch italienischen Charakters von geübterer Hand geschrieben, aber enthält gerade weit weniger Interessantes. Lilienthal hat 10 ,Piecen als in diesem Cod. enthalten ausgeführt und wahrscheinlich sich auf den bereits vorhandenen Katalog der Bibliothek verlassen; denn wenn er den Cod. selbst aufmerksam durchgesehen hätte, so hatte er unter den 17 Nummern, die wir aufzählen, so manches Wichtige (wie ID'N IM von Jos. Gecatilia) nicht übersehen können. Die in dem Cod. enthaltenen Schriften sind (Heils rein philosophisch (wie der Komm, zum Hohenlieds und Nozer Emunim), theils kabbalistisch, oder größtentheils der Richtung der Kabbala angehörig, welche eine Vereinigung der Philosophie und Geheimlehre anstrebt, und jene als eine niedere Sprosse auf der Leiter der Erkenntniß, als die Vorhalle zu den Penetralien dieser betrachtet. Sie sind daher größtentheils leichter geschrieben, als die hebraoaramäischen oder reinaramäischen Schriften der Kabbala, aber auch nicht verständlich ohne Vertrautheit beider mit der Kunstsprache der Philosophie und der Kabbala, die beide in der innigsten Verschränkung und Wechselwirkung erscheinen. Wir schreiten zur Sache und zählen die einzelnem Schriften nach ihrer Reihenfolge im Manuskript aus, mit Hinzufügung einer verhältnißmäßigen Beschreibung, und, wo es nöthig, kritischen Untersuchung. 1) Das erste der in dem bezeichnten Cod. enthaltenen Werke ist der Superkommentar Schern-Tob's zu Nachmani's Pentateuch-Kommentar (k. 2, a. — 60, b.). Dieser Superkommentar, der sonst gewöhnlich am Rande des von Nachwani oder unmittelbar demselben folgend erscheint und noch nicht gedruckt ist, führt den Namen ow ^ro (Cod. Ross. 508); unser Cod. jedoch trägt folgende mehr descriptive, als symbolische Aufschrift: -rin -or» nmnn nniD LP'O -»np '1 ’DD J1N.1 p 3)13 m '"1 DNVD *71 plU "0 na/Q y"j rrfiN' p nobtü d. i. Erklärung der von Mose b.Rachman verfaßten Auslegung der Mysterien der Tora, gegeben von Schem-Tob b. Gaon aus dem Munde Salomo's b. Adderet3). Denselben Namen: Schem-Tob b. Gaon, führt der Vers, bei Bar-Scheschet RGA. Nr. 157, der ihn, sein ty (eine öfters gedruckte geheimsinnige Auslegung des maimunischen Corpus juris, in der 2D UW irD crtirt wird) erwähnend, wegen seiner tiefen Kunde der Gesetzliteratur und der Geheimlehre rühmt; den vollständigern: Schem- 5) Ein ziemlich ungeschickt mehr arabisch als hebräisch stylisirter Titel; für ist zu lesen, und .-pn, so wie nton bilden, ungeachtet der vorausgegangen determrnirten Nomina, indeterminirte Relativsätze